Sozialethikerin: Social Media-Einschränkung schützt Freiheit
Eine Regulierung der Social Media-Nutzung ist für die Wiener Medien- und Sozialethikerin Linda Kreuzer für den Schutz der individuellen Freiheit von Menschen, insbesondere von Jugendlichen, unbedingt notwendig. "Plattformen, die beispielsweise die psychische Gesundheit durch politische Hassbeiträge, manipulative Werbung oder Influencer, die ihr Halbwissen verbreiten, beeinträchtigen, um Geld zu verdienen, seien in hohem Maß freiheitseinschränkend", so die kirchliche Expertin auf dem Gebiet Social Media und Jugend im Interview mit "kirche bunt" (aktuelle Ausgabe).
Auf digitalen Plattformen gehe "wertvolle Lebenszeit in digitalen Sinnlosigkeiten" verloren. Freiheit und Selbstbestimmung für Jugendliche müsse vielmehr durch konsumfreie Räume, Mitgestaltungsmöglichkeiten und niederschwellige soziale Angebote gewährleistet werden, betonte Kreuzer, die die aktuell auch in Österreich geführte Debatte über ein Social Media-Verbot gutheißt.
"Es würden wohl die Wenigsten Lebensmittelstandards, sauberes Trinkwasser oder die Altersbeschränkung bzw. das Verbot von bestimmten Suchtmitteln in Frage stellen", unterstrich Kreuzer die Gefährlichkeit eines übermäßigen Konsums von Social Media. Bei der politischen Ausverhandlung des Social-Media-Ordnungs-Gesetzes (SOG), das die Regierung für den Sommer ankündigte, gelte es in puncto Verhältnismäßigkeit, Ausgestaltung und Durchführung alle Interessen gut abzuwägen.
Die Studienlage sei eindeutig: Die Nutzung bestimmter Plattformen habe wesentlich mehr Nach- als Vorteile für die psychische und physische Gesundheit und berge ein großes Abhängigkeitsrisiko, verwies Kreuzer auf Datenschutzprobleme, emotionale Negativspiralen, Werbeflut, Überkonsum sowie politische und ideologische Manipulation.
Aus ethischer Sicht müsse zudem das Wohl aller in den Blick genommen werden. Der Markt der Social Media-Angebote sei "Ausdruck einer durchkapitalisierten Welt, die von Ausbeutung lebt". Den Preis für unsere alltägliche Nutzung zahlten nicht unmittelbar die Menschen hierzulande, sondern ausgebeutete Arbeiterinnen und Arbeiter der Tech-Konzerne etwa in der Produktion oder bei der Rohstoffgewinnung, sowie jene Menschen, die aufgrund von exzessivem Energiekonsum in Gegenden mit katastrophalen Umweltbedingungen, verschmutztem Trinkwasser und riesigen Server-Farmen leben müssen, gab Kreuzer zu bedenken.
Quelle: Kathpress
