
Katholische Verbände bekräftigen Einsatz in Kirche und Gesellschaft
Die vielfältigen katholischen Verbände in Österreich wollen auch weiterhin einen unverzichtbaren Beitrag zur Gestaltung von Gesellschaft und Kirche leisten. Das ist das Ergebnis eines zweitägigen Strategieseminars der Arbeitsgemeinschaft Katholischer Verbände (AKV), das am Wochenende in Wien stattgefunden hat. "Katholische Verbände bieten Orientierung, fördern Gemeinschaft und übernehmen Verantwortung in Kirche und Gesellschaft", resümierte AKV-Präsident Matthias Tschirf am Dienstag gegenüber Kathpress.
Rund 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus unterschiedlichen Generationen diskutierten über Selbstverständnis, Verantwortung und Zukunftsperspektiven katholischer Verbände in einer zunehmend säkularisierten Gesellschaft. Seminarbeiträge lieferten unter anderem der gesellschaftspolitische Referent der AKV, Erik Kroiher, der Präsident der Sportunion Steiermark und Vizepräsident der AKV, Stefan Herker, der Vizepräsident der AKV und langjährige Vorsitzende des Mittelschüler Kartell Verbands (MKV), Walter Gröblinger und der Vorsitzende der Österreichischen Professoren Union Wien, Simon Lechner.
Seit zwei Jahrhunderten engagiert
Ausgangspunkt der Beratungen war laut Tschirf "der historische Auftrag katholischer Verbände, junge Menschen an Kirche und Glauben heranzuführen, insbesondere jene, die über Pfarren nicht erreicht werden". So sei das katholische Vereins- und Jugendwesen im 19. Jahrhundert entstanden. Vor diesem Hintergrund sei man daher der Frage nachgegangen, wie das katholische Laienwesen heute wirksam bleiben kann und wie werteorientiertes Engagement in Gesellschaft und Politik gestärkt werden kann.
Die AKV sei heute als Dachverband von rund einem Dutzend Organisationen im Katholischen Laienrat verankert und Teil des katholischen Laienapostolats, so Tschirf gegenüber Kathpress. Dieses verstehe sich als bewusste Mitverantwortung engagierter Laien für die Sendung der Kirche in Gesellschaft, Bildung, Kultur, Sport und Politik. "Im Seminar wurde betont, dass Kirche nicht nur innerhalb kirchlicher Strukturen wirkt, sondern durch ihre Verbände aktiv in gesellschaftliche Prozesse hineinreicht."
Bedeutend sei die Vielfalt der Mitgliedsorganisationen, die von Studenten- und Berufsverbänden bis zu großen Sportorganisationen reiche. "Verbände schaffen Räume für Glaubensvertiefung, Persönlichkeitsbildung und gesellschaftliche Verantwortung. Glaube werde als reflektierte und begründbare Haltung verstanden, die Orientierung bietet und zum aktiven Mitgestalten ermutigt", so der AKV-Präsident.
Für differenziertes Schulsystem
Breiten Raum nahm bei der Tagung das Thema Bildung als Fundament für die persönliche Lebensgestaltung und den gesellschaftlichen Zusammenhalt ein. "Die AKV setzt sich daher entschieden für den Erhalt des differenzierten Schulsystems und insbesondere des Gymnasiums ein", so Tschirf im Blick auf die aktuelle Bildungsdiskussion. Nur eine Struktur, die den individuellen Begabungen, Neigungen und Interessen der Kinder entspricht, könne jene bestmögliche Entfaltung garantieren, die den ständigen Herausforderungen unserer Zeit gewachsen ist.
Ein unverzichtbarer Bestandteil dieses Bildungsweges bleibt für die katholischen Verbände der konfessionelle Religionsunterricht. "Er bietet jungen Menschen wertorientierte Orientierung und stärkt den Gestaltungswillen in einer pluralistischen Gesellschaft", so Tschirf. Anstatt bewährte Strukturen zu schwächen, sprechen sich die Verbände für eine Weiterentwicklung des Bildungssystems aus, die auf Vielfalt statt auf eine Einheitsschule setzt und die religiöse Bildungsdimension als wesentlichen Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung schützt.
Auch innerkirchliche Fragen wurden laut dem AKV-Präsidenten angesprochen. Junge Teilnehmerinnen thematisierten die Rolle von Frauen in katholischen Strukturen und plädierten für eine stärkere Sichtbarkeit weiblicher Perspektiven in Entscheidungsprozessen.
Einen inhaltlichen Schwerpunkt setzte die Nationalratsabgeordnete Gudrun Kugler (ÖVP). Sie verwies auf die demografische Entwicklung Europas und unterstrich die Bedeutung eines selbstbewussten christlichen Auftretens im öffentlichen Raum. Glaube dürfe nicht ins Private verdrängt werden und sei nicht von der Vernunft zu trennen. Zugleich regte sie an, dass die AKV den öffentlichen Diskurs verstärkt mitgestalten solle.
Quelle: kathpress