
Frauenbilder im Fokus: Barocker Hochaltar in OÖ als Besonderheit
Weibliche Heilige als Mütter, Märtyrerinnen, Nothelferinnen und Glaubenszeuginnen: In der oberösterreichischen Gemeinde Wippenham prägen Frauen den Kirchenraum - insbesondere den Hochaltar - der spätgotischen Pfarrkirche "Mariä Namen". Der Hochaltar aus dem Jahr 1659 biete damit einen "Ort weiblicher Identifikation", sagt Ernestine Lehrer, Pfarrgemeinderats-Obfrau und Steinmetzmeisterin. Dass die Dominanz weiblicher Heiliger wahrgenommen wird, steht für Lehrer außer Zweifel: "Es gibt immer wieder Besucherinnen und Besucher, denen das sehr positiv auffällt und die das auch artikulieren." In den vergangenen Jahren pilgerten wiederholt Gruppen der Katholischen Frauenbewegung nach Wippenham.
Direkt am barocken Hochaltar sind drei gotische Figuren integriert, wie die Diözese Linz in einer Aussendung informiert: die zentrale Marienstatue mit dem Jesuskind sowie die heilige Barbara und die heilige Katharina von Alexandrien. Barocken Ursprungs ist die Figurengruppe der "Anna selbdritt" - eine Darstellung der heiligen Anna mit ihrer Tochter Maria und dem Jesuskind - sowie die Darstellung der heiligen Elisabeth mit ihrem Sohn Johannes dem Täufer. Im Aufsatzbild findet sich Maria Magdalena - wobei dieses Bild erst aus dem frühen 19. Jahrhundert stammt und später ergänzt wurde. Am Margarethenaltar, dem südlichen Seitenaltar der Kirche, sind damit alle drei weiblichen Nothelferinnen von insgesamt vierzehn Nothelfern präsent: Barbara, Katharina und Margarethe, die kraftvoll den Drachen besiegt.
Überhaupt, so Lehrer, seien die Frauenfiguren am Hochaltar "als selbstbewusste, starke Frauen dargestellt". Sie wirkten weder unterwürfig noch gebrochen, sondern präsent und würdevoll. Die Darstellung der heiligen Barbara mit Kelch und Hostie verweise etwa auf ihre Nähe zur Eucharistie - ikonografisch nicht ungewöhnlich, aber hier selbstbewusst inszeniert. Eine Ausnahme bilde die im 19. Jahrhundert entstandene Maria Magdalena, die zeittypisch als büßende Sünderin erscheint.
Moderne Darstellung von Frauen
Besonders eindrucksvoll sei die Symbolik innerhalb der Anna-selbdritt-Darstellung: Die junge Maria hält ein Buch in Händen. "Wenn man daran denkt, dass die Schulpflicht in Österreich erst 1774 eingeführt wurde, dann ist das eine sehr moderne Darstellung", betont Lehrer. Frauen seien zur Entstehungszeit vor allem über ihre Mutterrolle und den Haushalt definiert worden - hier jedoch tritt Maria ausdrücklich als Leserin in Erscheinung.
Die genaue Herkunft des Hochaltars aus der Mitte des 17. Jahrhunderts ist nicht geklärt. Man vermutet, er stamme aus der Zürn-Werkstatt in Braunau oder sei eines der ersten Werke des Bildhauers Thomas Schwanthaler. Sicher sei jedoch: "Der Altar ist ein Werk der Gegenreformation, wo die Verehrung Mariens und der Heiligen besonders hervorgehoben wurde", so Lehrer.
Auch in der Pfarrgemeinde ist die Leitung und das Leben der Pfarre von bemerkenswert vielen Frauen geprägt, erklärte Martina Gelsinger, Kunsthistorikerin und Referentin im Fachbereich Kunst der Diözese Linz. Im vergangenen Jahr schrieb die Pfarrgemeinde an Bischof Manfred Scheuer und ersuchte ihn, sich verstärkt für die Gleichberechtigung von Frauen in der Kirche - insbesondere für die Möglichkeit der Weihe von Frauen - einzusetzen. "Unsere Kirche mit ihrem starken weiblichen Akzent ist bei solchen Aktionen ein wichtiger Referenzpunkt", betonte Lehrer.
Quelle: kathpress