
Fastenzeit: Podcast "Lebenswerk" räumt mit Ernährungsmythen auf
Wie Fasten gelingt und einen "gesunden Reset" schafft, erklärt Diätologin Carina Hofer in der aktuellen Folge des Podcasts "Lebenswerk" der Ordensspitäler Österreichs. In der Episode "Warum Frühstück, Fruchtzucker und Mahlzeiten-Timing beim Fasten den Unterschied machen" räumt sie mit Diät-Mythen, Zuckerfallen und dem Protein-Hype auf. Zudem stellt sie das "Seelentonikum" des Krankenhauses der Elisabethinen Graz vor, wo Hofer seit 2017 tätig ist. Das dortige Seelsorge-Team hat in der Fastenzeit 40 Impulse zusammengestellt, bestehend aus einem Spruch, einer Wahrnehmungsübung und einem Bibelwort. Patienten erhalten sie täglich vor Ort, ausgewählte Beiträge werden jeden Mittwoch und Sonntag auf der Facebook- und Instagram-Seite des Krankenhauses der Elisabethinen Graz veröffentlicht.
Fasten sei aus ernährungswissenschaftlicher Sicht zunächst Stress für den Körper, so Hofer, deren Schwerpunkt in der Gastroenterologie liegt. Darum sollten Schwangere, Menschen mit Krebserkrankungen oder Leberzirrhose auf lange nüchterne Phasen verzichten, weil der Muskelabbau sonst beschleunigt werde. Auch für Berufstätige eigne sich strenges Fasten nicht. Das klassische Fasten, also der völlige Verzicht auf Nahrung, gelinge am besten in einer Einrichtung, in der man abschalten könne. "Zu fasten und gleichzeitig zu arbeiten, ist kontraproduktiv", so Hofer.
Viele Menschen versuchen beim Fasten, auf Industriezucker und damit Süßigkeiten zu verzichten, und greifen stattdessen zu Smoothies und Säften. Hier sei allerdings Vorsicht geboten, um nicht in eine Fructose-Falle zu tappen. "Hier wird viel Fruchtzucker auf einmal aufgenommen, der sich, wenn man sich zu wenig oder kaum bewegt, als Fett in der Leber einlagert", so Hofer. "Die einzige Form, die ich empfehlen würde, ist, wenn man Smoothies mit einer Eiweißkomponente wie Joghurt, Topfen oder Nüssen als Frühstück aufwertet."
Feste Mahlzeitenstruktur
Um beim Fasten Fett statt Muskelmasse zu verlieren, sei die richtige Zusammensetzung der Mahlzeiten entscheidend: Eine Kombination aus Eiweiß, komplexen Kohlenhydraten, hochwertigen Fetten und reichlich Gemüse schütze die Muskulatur und sorge für Sättigung. Gegen Heißhunger helfe eine feste Mahlzeitenstruktur und ein ausgewogenes Frühstück: "Menschen, die nicht frühstücken, greifen eher zu Süßigkeiten oder entwickeln abends Heißhunger. Man sollte frühstücken, zu Mittag und zu Abend essen. Dann wird das Naschen auch weniger, weil der Körper besser versorgt ist", so die Expertin.
Auch dem Trend-Thema Intervallfasten, beispielsweise der 16:8-Methode, steht die Diätologin darum ein wenig kritisch gegenüber. "Aus meiner Sicht ist es in diesem Zeitraum schwer möglich, alle Nährstoffe unterzubringen, ohne dass die Mahlzeiten zu groß werden. Wenn man das 16:8-Fasten machen möchte, dann sinnvollerweise mit Frühstück und Mittagessen und ohne Abendessen." Mit vollem Magen schlafen zu gehen, begünstige die Fettspeicherung, weil die Energie nicht verbraucht werde.
Mythen-Check
Hofer räumt im Podcast auch mit gängigen Mythen auf. So seien Kohlenhydrate für das Gehirn und im Zusammenhang mit den roten Blutkörperchen für den Sauerstofftransport im Blut überlebensnotwendig. "Das Problem sind nicht die Kohlenhydrate an sich, sondern, dass wir uns im Vergleich zur aufgenommenen Menge oft zu wenig bewegen", erklärt Hofer. Detox-Kuren hält sie für überflüssig, da Leber und Nieren die Entgiftung selbst erledigen, sofern man sie nicht durch extrem große Mahlzeiten überfordert.
Als Grundlage für eine nachhaltige Ernährung empfiehlt die Expertin ein ausgewogenes Frühstück, da ein guter Start in den Tag den Blutzuckerspiegel stabilisieren und Heißhungerattacken am Abend vorbeugen könne. Zudem rät sie zu regelmäßigen, vollwertigen Mahlzeiten statt häufiger Snacks. Ein Mix aus Eiweiß, komplexen Kohlenhydraten und viel Gemüse entlaste Stoffwechsel und Leber. Darüber hinaus sollte in der ersten Tageshälfte mehr gegessen werden als in der zweiten; wer Sport treibe, solle seine Mahlzeiten zeitlich rund um das Training planen, um unkontrollierten Heißhunger durch erhöhten Nährstoffbedarf zu vermeiden.
Der Podcast "Lebenswerk" der Ordensspitäler Österreichs kann auf allen gängigen Plattformen und auf http://www.ordensspitaeler.at/podcast
Quelle: kathpress