
Einsparungen: Familienverband kritisiert Gesundheitskasse
Von Unsicherheit vieler Familien angesichts der bereits in Kraft getretenen Einsparungen der Österreichischen Gesundheitskasse berichtet der Katholische Familienverband. Besonders betreffe dies die Leistungen rund um Zahnregulierungen und den Familienzuschlag beim Krankengeld, kritisierte Verbandspräsident Peter Mender am Mittwoch in einer Aussendung. Er fordert darin unter anderem transparente und nachvollziehbare Informationen, Abfederungen für Familien mit Kindern sowie eine schon lange ausständige Valorisierung der Familienleistungen.
Die Situation wird anhand eines Beispiels veranschaulicht: Andrea G. hat demnächst einen Ersttermin beim Kieferorthopäden für ihren 14-jährigen Sohn, um eine mögliche Gratis-Zahnspange zu prüfen. "Nun wurden offenbar die Voraussetzungen geändert, aber niemand kann mir mehr darüber sagen", berichtet die Wienerin. Mender sieht darin ein generelles Problem: "Dieses Beispiel zeigt, wie sehr Familien von den geplanten Einsparungen betroffen sind und für welch große Verunsicherung die fehlende Kommunikation sorgt." Seit 1. März ist die Kostenübernahme von Zahnregulierungen eingeschränkt; genaue Details liegen derzeit noch nicht vor.
Der Familienverband kritisiert außerdem die Abschaffung des Familienzuschlags beim Krankengeld. Bisher erhielten Alleinerziehende und Versicherte mit Kindern, deren Partner oder Partnerin kein Einkommen hat, ab dem 43. Tag einen Zuschlag von zehn Prozent; diese Regelung entfällt ab 1. Mai. "Eine Maßnahme, die Alleinerziehende und Familien, in denen nur ein Elternteil erwerbstätig ist, trifft. Das ist zynisch und der falsche Weg", so Mender.
Ab Mai treten weitere Änderungen in Kraft: Krankentransporte werden künftig nur bezahlt, wenn eine ärztliche Transportanweisung bei Gehunfähigkeit vorliegt. Fehlende öffentliche Verkehrsmittel gelten nicht mehr als Rechtfertigung. Zudem soll der Selbstbehalt bei Zahnersatz steigen. Beruhigend sei laut Mender, dass Kinder weiterhin von der Kürzung der Krankentransporte ausgenommen sind.
Mender kritisiert auch die fehlende Valorisierung der Familienleistungen: "Das Leben wird Schritt für Schritt teurer und besonders betroffen sind die Familien, denn sie müssen - anders als die ebenfalls betroffenen Senioren - 2026 und 2027 ohne Inflationserhöhung ihrer Familienleistungen auskommen." Eine Familie mit drei Kindern verliere durch die Nicht-Anpassung laut Berechnungen des Familienverbandes rund 240 Euro pro Jahr, was bei gestiegenen Lebenshaltungskosten deutlich ins Gewicht falle.
Bei den anstehenden Doppelbudget-Verhandlungen müsse "eine deutliche Erhöhung der Familienleistungen eingerechnet werden", forderte der Familienverbands-Präsident. Die Senkung der Dienstgeberbeiträge zum Familienlastenausgleichsfonds schränke den finanziellen Spielraum für Familienleistungen ein, was jedoch nicht bedeuten dürfe, "dass die Familien der erste Sparposten auf der Liste des Finanzministers sind", mahnte Mender.
Österreich müsse angesichts des aktuell historischen Tiefstandes der Fertilitätszahlen dringend gegensteuern und jungen Paare "Planbarkeit und verlässliche Rahmenbedingungen für ein Ja zum Kind" bieten, so der Verbandspräsident weiter. Ein Vorgehen wie das der Krankenkasse schwäche jedoch das Vertrauen in das System massiv, denn Menschen wüssten nicht mehr, "auf welche Leistungen sie sich in Zukunft eigentlich noch verlassen können".
Quelle: kathpress