
Queerer Kreuzweg "Fluchtweg" verbindet Fluchtgeschichten mit Passion
Das ökumenische Projekt "Fluchtweg" zeigt die Leidensgeschichte Jesu in der Fastenzeit aus einer neuen Perspektive: Der Kreuzweg verbindet die Passion Jesu mit heutigen Erfahrungen queerer Personen, die aufgrund ihrer religiösen, sexuellen und geschlechtlichen Identität aus ihrem Land flüchten mussten, beschreibt die Katholische Jugend Oberösterreich das von ihr initiierte Projekt. "Queere Menschen fliehen nicht aus Selbstverwirklichung, sondern aus Angst. Ihr Mut, ihre Verletzlichkeit und ihre Hoffnung begegnen uns unter dem Kreuz - dort, wo jede menschliche Erfahrung Platz hat", beschrieb Projektleiter Anson Samuel das Anliegen des Kreuzwegs im Interview mit der Nachrichtenagentur Kathpress (Freitag).
Der queere Kreuzweg, der erstmals 2024 gefeiert wurde, richtet sich an alle Menschen - unabhängig von Glauben, sexueller Orientierung oder Alter. Nach "berührenden" Abenden in der Votivkirche Wien und der Linzer Jugendkirche "Grüner Anker" gastiert "Fluchtweg" am 18. März, um 19 Uhr, noch in der Christuskirche Graz, wie die Katholische Jugend ankündigte. Dabei werden auch die Besucherinnen und Besucher eingebunden. In Wien und Linz wurden mutmachende Botschaften auf Teebeutelbanderolen geschrieben und untereinander ausgetauscht. Am Ende der Veranstaltung gab es heißen Tee aus einer bunt beklebten Reisetasse zum Mitnehmen sowie Zeit für Begegnung und Austausch.
Interviews mit queeren Geflüchteten bilden die Basis des Kreuzwegs. Aus den Erzählungen wurden Texte erarbeitet, die in Form fiktiver Telefongespräche präsentiert werden. "Die erzählten Geschichten sind unglaublich eindringlich - der Atem stockt, die Worte fehlen, um zu beschreiben, was das in einer auslöst", berichtet Hannelore Mayer, Pastoralassistentin mit Schwerpunkt auf der Regenbogenpastoral in der Jungen Kirche Wien.
Zudem ist der "Fluchtweg" mit performativen Szenen, Luftakrobatik, Musik und Reflexionsmomenten verbunden. Ziel sei es, "Erfahrungen von Ausgrenzung, Gewalt und Hoffnung sichtbar zu machen und gesellschaftliche Sensibilisierung zu fördern", heißt es in der Projektbeschreibung. Der besondere künstlerische Zugang ermögliche es, Sprach- und Kulturbarrieren zu überwinden. Zudem drückten Körper aus, was Worte nicht leisten können - besonders bei traumatischen Erfahrungen. "Menschen berühren, ohne sie anzufassen", beschrieb eine der beteiligten Luftakrobatinnen Stefanie Rausch die Idee hinter ihrer Performance, die sie gemeinsam mit Arson Bauer gestaltete.
Der queere Kreuzweg wird in Zusammenarbeit mit Hauptamtlichen aus mehreren Diözesen und Konfessionen gestaltet. So wird das Projekt von Einrichtungen der Diözesen Linz, Graz-Seckau, Innsbruck und der Erzdiözese Wien sowie der Evangelischen Kirche Wien unterstützt. Das Projekt zeige die Kraft ökumenischer Zusammenarbeit, wie die evangelische Hochschulpfarrerin Katharina Payk, Queer-Theologin und Mitwirkende im Projekt, erklärt: "Wenn wir als christliche Menschen gemeinsam (queere) Vielfalt leben, wird die Kirche zu einem Ort, der Grenzen überwindet."
Quelle: kathpress