
Olympiakaplan Lackner würdigt Kultur der Begegnung bei Paralympics
Eine "Kultur der Begegnung" hat für Olympiakaplan Johannes Lackner die Paralympics in Mailand und Cortina d'Ampezzo ausgezeichnet. Mit der ganzen Welt im Rucksack habe er die Heimreise angetreten, berichtete Lackner am Montag im Kathpress-Interview. Im olympischen Dorf tauschte er mit Sportlerinnen und Sportlern aus aller Welt Anstecknadeln aus, die symbolisch für ihr Land stehen. Lackner verschenkte Pins mit Mozartkopf. "Neben der Welt im Rucksack ist aber die Welt in unserem Herzen viel wichtiger", betonte er. Die Flaggenparade bei der Abschlussfeier am Sonntag, bei der das mehrfach ausgezeichnete Aigner-Geschwisterpaar die Österreich-Flagge trug, sei ebenso Ausdruck für die völkerverbindende olympische Idee gewesen wie die Fans, die nicht nur Athleten aus dem eigenen Land anfeuerten.
Die Nicht-Teilnahme der Ukraine bei der Eröffnungs- und Schlussfeier aufgrund der Teilnahme Russlands bezeichnete Lackner als schwieriges Thema. "Auch das österreichische Team nahm nicht an der Eröffnungsfeier teil, und ich stehe hinter ihrer Entscheidung. Als Seelsorger fühle ich mich jedoch nicht für politische Fragen zuständig", sagte er und verwies auf die Worte des Papstes: Es gelte, die Völkerbegegnung im Herzen zu leben, "dann kann auch Frieden in der Welt sein".
"Schule der Hoffnung"
Bei den Wettkämpfen habe das "friedliche Miteinander im sportlichen Gegeneinander" dominiert, sagte Lackner. Mehr noch als bei den Olympischen Spielen habe das Überwinden von Grenzen bei den Paralympics eine besondere Rolle gespielt. "Sie sind eine Schule der Hoffnung, weil hier Menschen teilnehmen, die Rückschläge erlebt und sich trotz körperlicher Grenzen zurückgekämpft haben. Aus Verwundbarkeit heraus haben sie Talente und Fähigkeiten entwickelt, und sie lassen sich von körperlichen Behinderungen nicht daran hindern, sportliche Höchstleistungen mit Lebensfreude zu vollbringen", betonte der Olympiakaplan.
"Einer der bewegendsten Momente für mich war, als Markus Schmidhofer mit großer Freude beim Snowboarden ins Ziel fuhr - mit 45 Sekunden Rückstand landete er auf dem 16. Platz", erzählte Lackner. Schmidhofer wollte ohne Sturz ins Ziel kommen, was ihm zweimal gelang. 2021 erlitt er einen schweren Schlaganfall, der sein Leben völlig veränderte. Drei Wochen lag er auf der Intensivstation und musste grundlegende Fähigkeiten wie Gehen oder Sprechen wieder neu erlernen. "Er hat damals ein Snowboard aufgezeichnet, als er noch gar nicht sprechen konnte. Was er sich vorgenommen hat, hat er erreicht. Sport - wie auch Papst Leo schreibt - ist mehr als Leistung, er hat auch eine seelische Dimension, die einen viel fürs Leben lernen lässt", sagte Lackner.
Es gehe also weniger um Medaillen, als dass Menschen chancengleich Sport treiben können und anderen Nationen mit Fairness und Bewunderung begegnen, so der Olympiakaplan. Der Papst betonte, Sport lehre, "zu gewinnen, ohne andere zu demütigen, und zu verlieren, ohne als Mensch besiegt zu werden" - das sei der zentrale Gedanke. Auch seine Seelsorge habe sich daran orientiert: "Ich versuche, den Sportlerinnen und Sportlern einen Blick zu bieten, der über Leistungen hinausgeht, der hilft, der Anstrengung einen Sinn zu geben und Niederlagen ohne Verzweiflung zu erleben."
Siegreiche Aigner-Geschwister
Für seine Seelsorge wurde Lackner von der Diözesansportgemeinschaft Österreich (DSGÖ) am Montag gewürdigt. Diese gratuliert in einer Aussendung den Medaillengewinnern und ihren Begleitläufern sowie allen Teilnehmenden. Insbesondere hob sie die Erfolge der Geschwister Veronika und Johannes Aigner aus Niederösterreich hervor. Insgesamt steuerten sie 9 der 13 österreichischen Medaillen bei, wobei Veronika Aigner mit vier Goldmedaillen und einer Silbermedaille zur erfolgreichsten Athletin der gesamten Spiele avancierte.
"Die Geschwister Aigner haben bei den Paralympischen Winterspielen in Mailand-Cortina Sportgeschichte geschrieben. Was Johannes und Veronika Aigner auf die Piste zaubern, ist weit mehr als sportliche Höchstleistung. Es ist ein tiefes Zeugnis für das Vertrauen, das sie in ihre Guides und in ihre eigenen Fähigkeiten setzen", lobte DSGÖ-Vorsitzender Sepp Eppensteiner. In einer DSGÖ-Diskussion habe Mutter Petra erzählt, dass der Glaube die tragende Säule der Familie sei, die ihnen auch in schwierigen sportlichen Momenten Halt gibt.
Am Mittwochabend übernahm Johannes Aigner mit der Ziehharmonika und sein Guide Nico Haberl mit Gitarre die musikalische Gestaltung des Gottesdienstes mit Olympiakaplan Johannes Lackner im Gebetsraum des paralympischen Dorfes. "Fast das ganze Team ist gekommen. Es war ein wirklich schöner Moment", berichtete dieser.
Quelle: kathpress