
Familienverband: Mut zum Kind braucht guten Rahmen und positives Klima
Als "gesamtgesellschaftliche Herausforderung, die auf zwei Ebenen gleichzeitig angegangen werden muss" sieht der Katholische Familienverband (KFÖ) die sinkenden Geburtenraten in Österreich. Jungen Menschen müsse "Mut zum Kind" gemacht werden, was jedoch gute Rahmenbedingungen ebenso wie ein positives gesellschaftliches Klima benötige, hob KFÖ-Präsident Peter Mender in einer Aussendung vom Montag hervor.
Anlass der Stellungnahme gab die Veröffentlichung der jüngsten statistischen Zahlen. Demnach liegt die Fertilitätsrate mit 1,29 Kindern pro Frau derzeit auf einem historischen Tiefstand. Zum sechsten Mal in Folge gab es 2025 mehr Sterbefälle als Geburten. Österreich brauche dringend eine "ehrliche und ausgewogene Diskussion über Familie", so der Familienverband dazu.
Als einen Teil der notwendigen Reaktion auf diese Entwicklung sieht der Familienverband die Schaffung von "verlässlichen Rahmenbedingungen", welche Familien bräuchten. Dazu gehöre ein Ausbau der Kinderbetreuung, die Schaffung von "echter Wahlfreiheit" zwischen Erwerbstätigkeit und Familienarbeit, finanzielle Sicherheit sowie auch eine stärkere Beteiligung von Vätern. "Familienpolitik ist Zukunftspolitik und muss als solche behandelt werden", betonte Mender.
Genauso wichtig sei aber auch die Frage nach dem gesellschaftlichen Klima. Denn Entscheidungen für oder gegen ein Kind bzw. Familiengründung entstünden stets in einer "Kultur, die entweder Mut macht oder lähmt". Seien öffentliche Debatten über Familie fast ausschließlich von Belastung, Risiko und Überforderung geprägt, wirke sich das auch auf junge Menschen aus, die noch mitten in dieser Entscheidung stehen. "Wir brauchen ein neues Narrativ: Kinder sind keine Belastung, sondern eine Bereicherung, Abenteuer und Geschenk zugleich", so Mender.
Es sei eine "unglaubliche Bereicherung fürs eigene Leben", Kinder beim Aufwachsen zu begleiten. "Wir wollen Mut zum Kind machen, damit junge Menschen diese Erfahrung ebenfalls machen können", so der KFÖ-Präsident, der selbst zweifacher Vater ist.
Erst am Freitag hatten Österreichs Bischöfe auf den "demografischen Winter" hingewiesen und mögliche Probleme dargestellt, die sich durch Verschiebung der Familiengründung auf später ergeben. Neben einer Reihe von Forderungen an die Politik enthielt ihr Aufruf die Erinnerung, dass Ehe, Familie und Kinder zum "Kern" kirchlichen Auftrags gehörten. Pfarren sollten daher noch mehr zu Orten werden, an denen sich Kinder und Familien wohl fühlen - und somit zu einer "kinderfreundlichen Gesellschaft" beitragen. "Wo Kinder willkommen sind und Familien Rückhalt erfahren, wächst nicht nur persönliches Glück und Lebenssinn, sondern auch Hoffnung auf ein gesellschaftliches Leben im Miteinander und Füreinander", so die Bischöfe.
Quelle: kathpress