
Wien: Gedenken zum 5. Todestag von "Janineum"-Gründerin Lonny Glaser
Zum fünften Todestag von Lonny Glaser hat am Montag ein Dankgottesdienst in der Wiener Franziskanerkirche mit zahlreichen Stipendiaten und Weggefährten des von ihr gegründeten "Janineum" stattgefunden. Bei der Messe würdigten Pfarrer Bogdan Pelc und der Guardian der Wiener Franziskaner, P. Oliver Ruggenthaler, das vorbildliche Leben und Wirken der "Janineum"-Gründerin, das schon zu ihren Lebzeiten und bis heute reichlich Frucht getragen habe. Im Anschluss an den Gottesdienst fand in der Kirche ein Konzert zur Ehre der Verstorbenen statt.
"Lonny Glaser war Werkzeug und Brücke zu Menschen in Not - vor allem jenseits des Eisernen Vorhangs", betonte am Beginn der Messe Pater Ruggenthaler. Als "Vorbild in der Nächstenliebe" würdigte Pfarrer Pelc Glaser, die im 97. Lebensjahr am 16. März 2021 in Wien verstarb. Jahrzehntelange habe sie alles für die insgesamt rund 6.000 Stipendiaten des Janineums getan. "Sie war immer für andere da, auch im Urlaub". Zeitlebens habe sie für sich kaum etwas behalten und in ihrer wohltuenden und ruhigen Art und Noblesse gewirkt. Glaser sei auch ein Vorbild für eine gläubige Existenz gewesen: "zu schauen, was Gott von uns will und was wir mit Gottes Hilfe tun können."
Inzwischen sind bereits zwei Publikationen über die "Janineum"-Gründerin erschienen. "Lonny. Das Leben für die Anderen" erschien Ende 2025. Die mit 180 Fotos bebilderte Würdigung (ISBN 978-3-200-08882-5) enthält auf 364 Seiten zahlreiche Texte von Glaser selbst und zeichnet ein sehr persönliches Bild einer Frau, die das kirchliche Leben über Jahrzehnte prägte. Das Buch ist eine Erweiterung der unter dem Titel "Lonny" erschienenen Erstausgabe, die es auf Polnisch und Deutsch gibt. Entstanden sind die beiden Publikationen auf Initiative von Anna Glaser, der zweiten prägenden Frau im "Janineum" (Direktbestellungen an: Anna Glaser, Wollzeile 2, 1010 Wien).
Kirchliche Stiftung
Die bis 2009 bestehende kirchliche Stiftung "Janineum" wurde von Glaser auf Initiative der Kardinäle Franz König und Stefan Wyszynski (Warschau) 1957 gegründet. Mit der Gründung verband Glaser das Ziel, lange vor dem Fall des "Eisernen Vorhangs" einen Beitrag zum geistigen Austausch und zur Völkerverständigung in Europa zu leisten.
Der erste Stipendiat kam bereits im Gründungsjahr, weitere 6.000 Wissenschaftler, Künstler und Studierende aus Polen und anderen damals kommunistischen Staaten in Ost- und Mitteleuropa folgten und nutzten ihre Studienaufenthalte in Österreich zur Weiterbildung, Forschung und Anbahnung von wissenschaftlichen und künstlerischen Kontakten sowie zur Begegnung mit Kultur und Kirche. Einer der prominentesten "Janineum-Studenten" war "Solidarnosc"-Vordenker Prälat Jozef Tischner (1931-2000).
Geprägt von Ordensfrau Janina
Glaser, geboren am 18. Jänner 1925 im polnischen Bielsko-Biala (Bielitz), verbrachte ihre Kindheit von 1927 bis 1933 in Niederösterreich und danach wieder in Bielitz. Dort wurde sie von ihrer Lehrerin, der Ordensfrau Janina Wizor (nach der das Institut "Janineum" benannt wurde), tief geprägt. Gegen Ende des Krieges kam sie 1945 nach Wien, wo sie in der Folge hauptsächlich wirkte. 1957, bei ihrem ersten Polenbesuch nach dem Krieg, entstand im Gespräch mit Kardinal Wyszynski die Grundidee des "Janineums".
Glaser wurde für ihr Wirken vielfach ausgezeichnet, u. a. erhielt sie 1997 den "Kardinal-König-Preis" und 2008 das Große Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich. Die polnische Jagiellonen-Universität ehrte Lonny Glaser mit der Verleihung des Ehrendoktorats.
Für Lonny Glaser war der "Hintergrund" ihrer Arbeit immer die katholische Kirche: "Nur in der Kirche war es mir möglich, ohne Eigenkapital und als Frau einer vermeintlichen Utopie nachzugehen und einen Nachkriegstraum zu verwirklichen - den Traum von Versöhnung, Verständnis, Frieden und Freundschaft zwischen Menschen, die sich als Feinde gegenüberstehen mussten, obwohl sie zu demselben Kulturkreis gehören", hielt sie einmal rückblickend fest.
Quelle: kathpress