
P. Wallner: Sorge um Kirche in Afrika muss "maximales Anliegen" sein
Mehr Augenmerk für die Kirchenentwicklung in Afrika fordert P. Karl Wallner, Nationaldirektor der Päpstlichen Missionswerke Österreich (missio). "Die Sorge für diese junge wachsende Kirche muss ein maximales Anliegen für uns in Europa sein", sagte der Zisterziensermönch in einem am Samstag veröffentlichten Interview zum Auftakt einer YouTube-Videoreihe, in der sich missio gemeinsam mit der Wochenzeitung "Die Tagespost" dem afrikanischen Kontinent widmet. Afrika wird dabei als "Kontinent der Hoffnung" tituliert.
Afrikas Bedeutung wachse einerseits aufgrund des erwarteten Bevölkerungsanstiegs um eine Milliarde bis 2090, sagte Wallner. "Während die Katholikenzahl bei uns unweigerlich runtergeht, haben wir dort einen Aufbruch. Unser Ziel ist es, Afrika zu unterstützen, damit es dort eine gute Entwicklung gibt. Ich bin sicher, dass Afrika uns eines Tages Christus zurückbringen muss." Andererseits hoffe er auch, "dass ich noch einen schwarzen Papst erlebe", so der Nationaldirektor. Auf Projektreisen in afrikanische Länder habe er "viele hochintelligente Bischöfe" kennengelernt, die das Potenzial dazu hätten.
Afrika sei zugleich ein Kontinent großer religiöser Dynamik, erklärte Wallner. In vielen Ländern südlich der Sahara hätten traditionelle Vorstellungen von Geistern und Ahnenkult lange eine starke Rolle gespielt. Der christliche Glaube werde dort als "Erlösung aus dem Dämonenglauben" erlebt. Gleichzeitig wachse der Wettbewerb mit anderen Religionen, insbesondere mit dem Islam, der in manchen Ländern intensiv missioniere. Die katholische Kirche punkte durch eine große Glaubensfreude und eine starke Ausrichtung auf Gott, "die uns hier in Europa abhanden gekommen ist", wie Wallner befand.
Besonders sichtbar werde diese Entwicklung an den zahlreichen Priesterberufungen. Bei Besuchen in Afrika habe er Seminare mit mehreren hundert Priesteramtskandidaten erlebt, etwa in Kampala in Uganda. Diese lebendige und junge Kirche wolle missio gezielt unterstützen, etwa durch Patenschaft-Projekte.
Wie es in einer Ankündigung hieß, widmet sich die achtteilige Videoreihe mit P. Wallner verschiedenen Ländern bzw. kirchlichen Realitäten Afrikas. Südsudan wird als ein vom Bürgerkrieg traumatisiertes Land gezeigt, in dem besonders Kinder an Hunger, Gewalt und Perspektivlosigkeit leiden. Zu Nigeria wird die Situation in einem Krankenhaus geschildert, dessen Möglichkeiten aufgrund fehlender medizinischer Geräte ungenutzt bleiben. Über Mosambik wird Wallner von dem von missio Österreich initiierten Projekt des Sankt-Karl-Borromäus-Krankenhauses berichten, zudem gibt es einen Bericht zu Kinderarbeit in Madagaskars Mica-Minen.
Quelle: kathpress