
Kirchliche Bibliotheken beraten über Vernetzung und Digitalisierung
Verstärkte Zusammenarbeit zur Sicherung historischer Bestände haben Vertreterinnen und Vertreter kirchlicher Bibliotheken sowie Wissenschaftler aus Österreich und dem benachbarten Ausland gefordert. Unter dem Motto "Brücken bauen - Chancen durch Netzwerke und Kooperationen" diskutierten die Teilnehmenden am 12. und 13. März bei einer Tagung im oberösterreichischen Stift Lambach über Perspektiven für kirchliche Bibliotheken zwischen kulturellem Erbe und aktuellen Herausforderungen, geht aus einem Bericht der Ordenskonferenz hervor.
Kirchliche Bibliotheken verwahren vielfach über Jahrhunderte gewachsene Bestände und gelten als wichtige Quellen für Theologie, Geschichts- und Kulturwissenschaft. Zugleich stehen viele Einrichtungen vor strukturellen Veränderungen, etwa durch knappe personelle Ressourcen sowie steigende Anforderungen bei Digitalisierung und wissenschaftlicher Erschließung. Die Tagung griff diese Themen auf und stellte Kooperationen als zentrale Strategie für den Umgang mit diesen Herausforderungen vor.
Ein Beispiel dafür präsentierte Christine Maria Grafinger, frühere Leiterin des Archivs der Biblioteca Apostolica Vaticana in Rom. Sie berichtete über ein mehrjähriges Projekt, bei dem Studierende der Universität Augsburg rund 50.000 historische Bücher der Stiftsbibliothek Lambach sichteten und katalogisierten. Die Bestände waren während des Zweiten Weltkriegs ausgelagert worden und nach ihrer Rückkehr teilweise ungeordnet gelagert gewesen.
Auch der Umgang mit Bibliotheken aufgelöster Klöster wurde thematisiert. Josef Kern und Ingo Glückler von der Diözesanbibliothek Linz erläuterten praktische Schritte bei der Übernahme solcher Sammlungen - von rechtlichen Fragen über Transport und konservatorische Sicherung bis hin zur Integration in bestehende Bibliotheksstrukturen. Ergänzend verwiesen Vera-Maria Kathrein und Claudia Schretter-Picker von der Universitäts- und Landesbibliothek Tirol auf organisatorische und rechtliche Herausforderungen bei Kooperationen zwischen kirchlichen und öffentlichen Trägern.
Zum Programm gehörte auch eine Führung durch die historische Stiftsbibliothek mit Pater Jakob Stoiber, Bibliothekar und Prior des Stifts Lambach. Martin Haltrich vom Stift Klosterneuburg stellte zudem die 2023 gegründete Forschungsstelle für kulturwissenschaftliche Studien vor, die monastische Kulturen stärker in den Fokus der internationalen Forschung rücken soll. Abschließend wurden Fragen der digitalen Erschließung historischer Handschriften über die Plattform manuscripta.at diskutiert. Laut Edith Kapeller vom Stift Klosterneuburg soll die Digitalisierung vor allem der langfristigen Sicherung und weltweiten Zugänglichkeit der Quellen dienen.
Organisiert wurde die Tagung von der Österreichischen Ordenskonferenz. Moderatorin Irene Kubiska-Scharl, Referentin für Bibliotheken im Bereich Kultur und Dokumentation der Ordenskonferenz, betonte zum Abschluss die Bedeutung gemeinsamer Verantwortung: Durch Vernetzung und Kooperation könnten die reichen Bestände kirchlicher Bibliotheken langfristig gesichert und zugleich besser zugänglich gemacht werden.
Quelle: kathpress