
Familienberaterin: Teenagerschwangerschaften nicht tabuisieren
Anfang März ist in den österreichischen Kinos der Spielfilm "Jeunes Mères - Junge Mütter" der belgischen Regisseure Jean-Pierre und Luc Dardenne angelaufen. Er greift das Thema Teenagermütter auf. Die klinische und Gesundheitspsychologin Andrea Ertl von der St. Elisabethstiftung der Erzdiözese Wien, die schwangere Frauen in Notlagen und wohnungslose alleinerziehende Mütter und deren Kinder unterstützt, findet es sehr zu begrüßen, dass dieses Thema einem breiteren Publikum vermittelt wird. "Das ist ein ganz wichtiges Thema und es ist überhaupt nicht sinnvoll, das zu tabuisieren", so Ertl gegenüber "radio klassik Stephansdom". Das Thema dürfe nicht unter den Teppich gekehrt werden.
Ertl leitet die Familienberatungsstelle der St. Elisabethstiftung der Erzdiözese Wien. In der Beratungsstelle begegnet sie immer wieder schwangeren Teenagern. "Wenn so junge Mädchen schwanger werden, ist das meistens keine geplante Schwangerschaft, sondern es ist passiert - und wirbelt erst einmal alle Pläne total durcheinander".
In der Schwangerenberatungsstelle erhalten die Mädchen Informationen zu Förderungen, Mutterschutz, Karenz, Kindergarten und vielem mehr. Psychologische Unterstützung bekommen sie in der Familienberatungsstelle. Ertl: "Hier können die Mädchen darüber sprechen, was das für sie bedeutet, Mutter zu werden. Ein großes Thema ist ganz oft: Wie sage ich es meinen Eltern, wie werden die das aufnehmen? Oder auch die Frage, wie es ihnen mit dem Vater ihres Kindes geht. Und: Wie würde es ihnen gehen, wenn sie das Kind nicht behalten? Da gibt es ganz, ganz viele Fragen, über die diese jungen Frauen sprechen müssen. Wir begleiten und beraten sie und zeigen ihre Möglichkeiten auf." Es gehe darum, aus der meist ungewollten Situation das Beste zu machen, so Ertl.
Verantwortung von Politik und Gesellschaft
Damit junge Mütter ihre Lage gut meistern können, seien auch die Verantwortlichen in der Politik gefordert, ihren Beitrag zu leisten. "Da geht es um die Rahmenbedingungen, dass von der Politik Kindergarten- und Krippenplätze geschaffen werden, damit diese jungen Frauen eine Ausbildung machen können und später einen guten Job bekommen."
Auch die Gesellschaft könne dazu beitragen, dass junge Mütter gut in ihre neue Aufgabe hineinwachsen, meinte die Leiterin der Familienberatungsstelle der St. Elisabeth Stiftung: "Seitens der Gesellschaft ist wichtig, dass es zu keiner Stigmatisierung kommt. Dass junge Mütter nicht als schwach oder zu jung abgestempelt werden und ihnen die Kompetenz abgesprochen wird, dass sie das schaffen können, sondern dass Optimismus vermittelt wird, das Gefühl, dass sie es schaffen können."
Hoffnungsvoll gestimmtes Sozialdrama
"Jeunes Mères - Junge Mütter" erzählt von vier Teenager-Müttern, die in einem Heim für junge Mütter wohnen und dort auf ihre neuen Aufgaben als Mütter und auf ein eigenständiges Leben vorbereitet werden. Sie alle hatten selbst keine behütete Kindheit, haben Gewalt, Übergriffe oder Beziehungsabbrüche erlebt. Jetzt versuchen sie, es besser zu machen als ihre eigenen Mütter, auch wenn das in manchem Fall bedeutet, das eigene Kind in die Obhut anderer Menschen zu geben.
Bei den Filmfestspielen in Cannes 2025 wurde der Film für das beste Drehbuch ausgezeichnet. Außerdem gewann "Jeunes Mères - Junge Mütter" den Preis der ökumenischen Jury.
Quelle: kathpress