
Jugend Eine Welt: Wasserentnahmestellen in Krisenregion Tigray
Auf die prekäre Versorgungslage in der nordäthiopischen Krisenregion Tigray hat das kirchliche Hilfswerk "Jugend Eine Welt" hingewiesen. "Hunderttausende Menschen sind dort auf fremde Hilfe angewiesen, um an sauberes Trinkwasser zu gelangen", erklärte Geschäftsführer Reinhard Heiserer am Mittwoch in einer Aussendung. Der Zugang zu sauberem Wasser sei Grundlage für ein "gesundes, menschenwürdiges Leben", das vielerorts nicht gewährleistet sei. Besonders in den Flüchtlingslagern fehle es an Trinkwasser oder Wasser für hygienische Einrichtungen, was zu einem Anstieg an Krankheiten durch verunreinigtes Wasser und mangelnde Hygiene sowie Cholera-Fälle führe, so das Hilfswerk, das gemeinsam mit den Salesianern Don Boscos nach Ende des Bürgerkriegs Wasserstellen saniert und neu errichtet hat.
In der Stadt Adwa versorgt nun ein neu gebauter, solarbetriebener Brunnen täglich mehr als 10.000 Menschen. "Die Wasserentnahmestation steht allen Bewohnerinnen und Bewohnern von Adwa rund um die Uhr frei zur Verfügung, um sauberes Wasser zu erhalten", sagte Nothilfe-Koordinator Wolfgang Wedan. "Jeder kann so viel Wasser entnehmen, wie er für Trinken, Kochen oder Hygiene benötigt."
Das Projekt umfasst auch barrierefreie Sanitäranlagen und Abwasserlösungen, um einen dauerhaften und würdevollen Zugang zu ermöglichen. Zusätzlich wurden an weiteren Standorten in Adwa, Shire und Mekele weitere Brunnen saniert. Von dort aus wird auch Trinkwasser in weiter entfernte Lager für Binnenvertriebene transportiert. Eigens angemietete Wassertankwagen bringen bis zu 20.000 Liter Trinkwasser in die Camps, da die Geflüchteten - in der ganzen Tigray-Region handelt es sich um eine Million Menschen - sonst weite Wege zurücklegen müssten.
Die Versorgung sei jedoch zunehmend erschwert. "Die Versorgung wird jedoch immer schwieriger, weil Treibstoff sehr teuer und knapp ist", so Wedan. Hintergrund seien Einschränkungen bei der Benzinabgabe sowie internationale Entwicklungen, wodurch Treibstoff teils nicht verfügbar sei.
Die humanitäre Lage bleibt laut dem Hilfswerk dramatisch. In Flüchtlingslagern fehle es an Wasser, Nahrung und medizinischer Versorgung. "Der Gestank ist unmenschlich. Und noch viel schlimmer: Die sanitären Verhältnisse sind lebensgefährlich", schilderte Projektpartner Tedros Hawku. Krankheiten durch verunreinigtes Wasser und mangelnde Hygiene nähmen zu, auch Cholera-Fälle würden registriert.
"Viele haben ihre Hoffnung verloren", so Wedan weiter. Hilfslieferungen seien daher essenziell: Zuletzt wurden 4.700 Kilogramm Mehl geliefert, aus denen täglich rund 3.000 Brote für Bedürftige gebacken werden.
Anlässlich des Weltwassertags am Sonntag (22. März) erinnerte Heiserer an Wasser als Menschenrecht und als das sechste nachhaltige Entwicklungsziel (SDG6). "Jugend Eine Welt" engagiert sich seit mehr als 20 Jahren in der Tigray-Region in der Bildungs- und Entwicklungsarbeit. Vor allem die erfolgreiche Ausbildung von jungen Frauen und Männern im Bereich der Elektro- und Solartechnik bildete viele Jahre einen wichtigen Teil des Förderprogramms.
(Infos: www.jugendeinewelt.at; Spenden: AT66 3600 0000 0002 4000; Onlinespenden unter www.jugendeinewelt.at/spenden)
Quelle: kathpress