
Vorarlberg: Lehrgang macht Kirchenräume "lesbar"
Wie Kirchenräume verstanden und vermittelt werden können, steht im Fokus des aktuellen Lehrgangs für Kirchenraumpädagogik der Diözese Feldkirch. Hintergrund ist laut Veranstaltern ein wachsender Bedarf: Viele Menschen könnten religiöse Symbole und Funktionen von Kirchen heute nicht mehr deuten, heißt es im "Vorarlberger Kirchenblatt" (aktuelle Ausgabe). Der Lehrgang reagiere damit auf einen zunehmenden "christlichen Analphabetismus", durch den Kirchenräume für viele zu einem "Buch mit sieben Siegeln" würden. Neben kirchlich Engagierten nehmen auch Kunst- und Kulturinteressierte sowie Fremdenführer teil, die ihr Angebot erweitern wollen.
Initiiert wurde die Ausbildung 2013 vom Kunstkonservator der Katholischen Kirche Vorarlberg, Othmar Lässer. Seither wurden rund 100 Kirchenraumpädagoginnen und -pädagogen ausgebildet. In zahlreichen Pfarren seien Kirchenführungen mittlerweile fixer Bestandteil des "Kirchensommers". Am aktuellen Lehrgang nehmen Haupt- wie Ehrenamtliche aus dem gesamten Bodenseeraum - von der Ostschweiz bis nach Süddeutschland - teil.
Im Rahmen des Lehrgangs lernen die Teilnehmenden, Kirchenräume systematisch zu analysieren, etwa anhand von Blickachsen, architektonischen Konzepten oder liturgischen Funktionen. Bei einer Exkursion in die Basilika Rankweil standen zuletzt liturgische Geräte und Gewänder im Fokus. Dabei werde auch historisches Wissen vermittelt, erläuterte Lässer: "Die ersten Gottesdienste wurden im kleinen Kreis, oft auch in privaten Räumen, gefeiert. Damals trugen die Menschen römische Kleidung." Diese habe sich in liturgischen Gewändern bis heute erhalten.
Ziel der Ausbildung sei es, "Dolmetscher:innen" für Kirchenräume auszubilden, die zwischen Glaubenstradition und heutiger Gesellschaft vermitteln, hieß es. Angesichts gesellschaftlicher Veränderungen wachse die Bedeutung solcher Angebote, um religiöse Symbolik und Geschichte verständlich zu machen.
Quelle: kathpress