André Heller: "Ich glaube, Gott ist in uns"
Glaube und Spiritualität jenseits institutioneller Vorgaben prägen den Wiener Universalkünstler André Heller, wie er im Interview mit der Kirchenzeitung "Der Sonntag" (Ausgabe 19. März) ausführt. So sei Gott nicht "bei einer Religion", sondern: "Ich glaube, Gott ist in uns und wir sind in ihm", so Heller, der seine heutige Spiritualität als sehr persönlich beschreibt. Der Künstler, Autor und Theatermacher spricht am 21. März (19 Uhr) auf radio klassik Stephansdom über Wendepunkte in seinem Leben.
Der Kulturschaffende schildert eine frühe Nähe zur Kirche: Als Ministrant habe ihm der liturgische Dienst gefallen, "weil es eigentlich eine Hauptrolle in einem Theaterstück war". Mit zentralen Glaubensinhalten habe er jedoch schon früh gefremdelt. Die Wandlungsworte "Dies ist das Blut Christi, dies ist sein Leib" seien ihm "sehr barbarisch" erschienen.
Gebet beschreibt Heller als inneren Dialog; dabei habe er sich einen Satz geschaffen, den er jeden Tag 20 Mal verwende: "Heile mich von Grund auf, durchdringe mich mit deiner Liebe, lass mich Freude von deiner Freude sein." Zentral ist für ihn zudem Mitgefühl als verbindendes Element: Unter Bezug auf Angelus Silesius zitiert Heller: "Und wäre Christus tausendmal in Bethlehem geboren und nicht einmal in deinem Herzen, so wärst du dennoch verloren."
Auf die Frage nach seiner Beziehung zum religiösen Glauben meint Heller: "Das habe ich mir nie abgewöhnt, dieses Heiliger Geist, ich bitte dich, da ist ein Problem, mit dem ich nicht fertig werde, ich übergebe dir dieses Problem, löse es für mich in meinem Geist."
Geprägt wurde der 1947 geborene Künstler nach eigenen Angaben stark von seiner Großmutter, die ihm Naturerfahrungen vermittelte: "Dieses Riechen, das Schauen und das Haptische habe ich mir eigentlich nie abgewöhnt." Sein Vater wollte ihn gar motivieren, "Kardinal zu werden", erinnert sich Heller im Interview. Auch Museen seien für ihn wichtige Lernorte gewesen, die er sich früh eigenständig erschloss. Das liege auch an seinen negativen Erfahrungen während der Schullaufbahn, etwa im Collegium Immaculatae Virginis der Jesuiten in Kalksburg oder einer Privatschule in Bad Aussee.
Auch mit Blick auf sein Leben betont Heller eine offene Haltung gegenüber Scheitern und Entwicklung. "Die wahren Abenteuer sind im Kopf." Entscheidend sei, aus Erfahrungen zu lernen: "Sehr viele Träume, die man hat, stürzen ein. Und da darf man dann nicht beleidigt sein. Und man darf auch nicht sagen, das ist misslungen, sondern man hat etwas gelernt, das ist ganz was anderes als misslingen." Sein Lebensziel beschreibt der Künstler knapp: "Mein Leben wird genau so lang sein, bis ich das erfüllt habe, was meine Berufung war."
Quelle: kathpress
