
Schönborn warnt vor Folgen niedriger Geburtenrate
Kardinal Christoph Schönborn hat angesichts sinkender Geburtenzahlen vor weitreichenden gesellschaftlichen Folgen gewarnt. In seiner Freitags-Kolumne in der Tageszeitung "Heute" (20. März) wies er darauf hin, dass im Durchschnitt nur noch 1,29 Kinder pro Frau geboren werden. "Immer weniger Kinder werden in Österreich, in ganz Europa geboren. Inzwischen sterben mehr alte Menschen als Babys auf die Welt kommen", schreibt der frühere Erzbischof von Wien. Diese Entwicklung sei "unumkehrbar" und habe "riesige Folgen für uns alle".
So würden etwa Pensionskassen unter Druck geraten, ebenso das Gesundheits- und Pflegesystem. Zugleich nehme die Einsamkeit zu, da familiäre Netzwerke kleiner würden. Schönborn verweist darauf, dass viele Menschen ihren Kinderwunsch aufschieben oder sich bewusst dagegen entscheiden. Gründe dafür seien unter anderem Unsicherheiten im Berufsleben, in Beziehungen und angesichts globaler Krisen. Doch auch das Leid ungewollt kinderloser Paare dürfe nicht übersehen werden.
Der Kardinal stellt die aktuellen Entwicklungen seiner eigenen Kindheit gegenüber. Damals seien mehrere Kinder pro Familie üblich gewesen, auch er selbst sei mit drei Geschwistern aufgewachsen. Das Zusammenleben habe geprägt, man habe "aufeinander geschaut, gestritten, voneinander gelernt".
Trotz seiner kritischen Analyse äußert Schönborn auch Zuversicht. Hoffnung schöpfe er aus konkreten Erfahrungen im Alltag: aus der Freude von Großeltern über Enkelkinder ebenso wie aus dem Engagement junger Väter. "Jedes Kind ist ein Stück Zukunft", schreibt der Kardinal und fügt hinzu: "Das Leben ist stärker."
Bischöfe ermutigen zur Familiengründung
Erst in der Vorwoche hatte sich auch die Österreichische Bischofskonferenz zur demografischen Krise geäußert. In einer Stellungnahme zum Abschluss ihrer Frühjahrs-Vollversammlung rufen sie zu verstärkter Unterstützung von Familien und einer kinderfreundlicheren Gesellschaft auf. "Wo Kinder willkommen sind und Familien Rückhalt erfahren, wächst nicht nur persönliches Glück und Lebenssinn, sondern auch Hoffnung auf ein gesellschaftliches Leben im Miteinander und Füreinander", so die Bischöfe.
In Richtung Politik fordern die Bischöfe die Schaffung von Rahmenbedingungen, die jungen Menschen Mut zur Familiengründung geben. Konkret brauche es leistbaren Wohnraum, den Ausbau hochwertiger Kinderbetreuung sowie eine stärkere Beteiligung der Väter an der Sorgearbeit. "Vor allem soll Familienpolitik zur Elternschaft ermutigen und vermitteln, dass Kinder Lebenssinn stiften und Hoffnung für die eigene und gesellschaftliche Zukunft schenken", heißt es in der Stellungnahme.
Auch die Kirche selbst müsse zu einer kinder- und familienfreundlichen Gesellschaft beitragen, so das Dokument weiter. Über die zahlreichen kirchlichen Initiativen, Beratungsstellen, Unterstützungsangebote, Kindergärten und Schulen hinaus sollten kinderfreundliche Gottesdienste, Begegnungsräume für Eltern und Kinder sowie Initiativen gegen Einsamkeit "selbstverständlicher Teil des kirchlichen Lebens" sein. Ehe, Familie und Kinder gehörten zum "Kern des kirchlichen Auftrags", bekräftigen die Bischöfe. Sie betonen zudem den Einsatz der Kirche für die Würde und den Wert jedes Menschen, ungeachtet seiner Herkunft, sozialen Situation oder "ob ungeboren oder alt und einsam". Dazu gehöre auch die Unterstützung von Schwangeren in Konfliktsituationen.
Quelle: kathpress