
Graz: Diözesanrat mit kirchlicher Bestandsaufnahme und Ideenbörse
Die Kirche bleibt für viele Menschen wichtig, allerdings eher punktuell bei Feiern wie Taufen, Firmungen oder Trauungen. Dabei biete die Kirche wesentlich mehr, wie beim jüngsten Diözesanrat der Diözese Graz-Seckau deutlich wurde. Neben einer Leistungsbilanz der Diözese wurden im Rahmen einer Ideenbörse Best-Practice-Beispiele gesammelt, wie man die Menschen besser erreichen kann. Der Diözesanrat ist ein Beratungsgremium des Diözesanbischofs und besteht aus knapp 100 Steirerinnen und Steirern. Die Delegierten tagten am vergangenen Wochenende gemeinsam mit Bischof Wilhelm Krautwaschl in Seggau. Über das Treffen berichtete das steirische "Sonntagsblatt" in seiner aktuellen Ausgabe (Mittwoch).
Im Rahmen der Beratungen wurden etwa einige Wirtschaftskennzahlen der Diözese vorgestellt. Rund 2.000 Mitarbeitende zählt demnach die Katholische Kirche und ist damit einer der größten Arbeitgeber in der Steiermark. Mit 6.700 Hektar Wald sei die Kirche der 17.-größte Waldbesitzer im Bundesland, dazu kämen 2.100 Hektar unbebaute Fläche sowie 2.200 durchwegs denkmalgeschützte Gebäude; davon rund 700 Kirchen. Letztlich handle es sich dabei aber mehr um Verpflichtung als Reichtum so Diözesanökonom Martin Halmer: "Für die Erhaltung der Gebäude geben wir pro Jahr 15 Mio. Euro aus und wickeln damit 40 größere Bauprojekte ab."
Die Erträge aus den Immobilien seien überschaubar, die Haupteinnahmen des diözesanen Budgets von 110 Mio. Euro würden mit etwa 80 Mio. Euro weiter aus dem Kirchenbeitrag kommen. Gute zwei Drittel des Budgets entfielen auf Personalkosten.
Vorgestellt wurden auch die Bemühungen der Diözese um nachhaltige Energieformen, etwa durch den Ausbau von Photovoltaikanlagen. "Vor zwei Jahren hat die Diözese noch acht Gigawattstunden Strom eingekauft, jetzt sind es nur noch sieben", erklärte der Energiemanager Wolfgang Pucher. Die Initiative, unabhängig von Öl und Gas zu werden, sei ebenso erfolgreich.
Innovative Seelsorge
Einige Eindrücke von der Ideenbörse: Viele Menschen könne man bei der "Langen Nacht der Kirchen" erreichen, was einfacher sei, wenn sich ein Seelsorgeraum auf einen Standort pro Jahr festlege, so die Erfahrung im Seelsorgeraum Südsteirisches Weinland. Auf Unterhaltung setzt man im Seelsorgeraum Oberes Mürztal mit der Aktion "Kino in der Kirche" in der Pfarrkirche Hönigsberg. Speziell die Jugend spreche man im Seelsorgeraum Sonnenland Süd-Ost mit "Escape the Church" an, einem Ratespiel, bei dem es nicht darum geht, aus der Kirche auszubrechen, sondern den Tabernakel zu öffnen.
Im Seelsorgeraum Murau veranstaltet man unter dem Motto "Feel the spirit" zusammen mit dem Kulturverein Meditationen mit Musik, die sehr gut ankomme. Auch die Ordensspitäler seien innovativ: So biete man in Ambulanzen, die oft von älteren Menschen besucht werden, in der Wartezeit Technik-Nachhilfe an. Eine andere Form von Seelsorge, so Diözesanbischof Krautwaschl.
Weiters ging es in den Beratungen auch um die Sakramente Taufe und Eucharistie mit zwei Herausforderungen, wie es hieß: die Taufe durch Laien und die unterschätzte Bedeutung von Wort-Gottes-Feiern. "Angesichts vieler wichtiger Themen in unseren Sitzungen war es diesmal eine Wohltat und Freude, kreative und schon bewährte Ideen in den Seelsorgeräumen miteinander zu teilen. Das macht Mut und gibt Kraft für die Zukunft", so Gerlinde Paar, geschäftsführende Vorsitzende des steirischen Diözesanrates.
Quelle: kathpress