
Trauer in Familien: Geschwister oft übersehen
Die unterschiedlichen Formen von Trauer bei Todesfällen in Familien und die entsprechenden Hilfsangebote standen im Mittelpunkt einer Pressekonferenz in Linz, zu der die Telefonseelsorge OÖ und die Beratungsstelle "Beziehungsleben" der Diözese Linz geladen hatte. "Wenn ein Mensch stirbt, verändert sich ein Leben. Wenn ein Kind oder ein junger Mensch stirbt, verändert sich für Eltern oft die ganze Welt", so die Familientrauerbegleiterin und Autorin Mechthild Schroeter-Rupieper am Donnerstag. Ganze Familiensysteme seien tiefgreifend erschüttert. Daher dürfe der Blick nicht nur auf den Eltern, sondern auch auf den Geschwisterkindern liegen.
Diese würden häufig verhaltener oder zeitverzögert trauern, erläuterte die Gründerin der Familientrauerarbeit in Deutschland und Mitbegründerin der Familientrauerarbeit in Österreich. Oft, weil sie ihre Familie nicht zusätzlich belasten wollten, oder auch, weil sie noch zu jung seien, um die Dimension des Todes zu verstehen.
Manche Kinder wirkten zunächst unauffällig, manchmal erst Monate oder gar Jahre später zeigten sich Fragen, Gefühle oder auch körperliche Reaktionen. Für Begleitende sei es deshalb wichtig, diese leisen oder verzögerten Formen der Trauer wahrzunehmen, so Schroeter-Rupieper.
Kinder und Jugendliche begleiten
Kinder und Jugendliche in Verlustzeiten zu begleiten, ist ein Schwerpunkt von Schroeter-Rupieper. Diese würden oft anders trauern als Erwachsene, sie wechselten zwischen Traurigkeit und Spiel, so die Expertin: "Kinder und Jugendliche brauchen in solchen Situationen vor allem Orientierung, ehrliche Information und die Einladung, Teil des Abschieds zu sein." Doch viele Erwachsene hätten Angst, etwas falsch zu machen.
Es sei daher wichtig, Kinder altersgerecht in Abschied und Trauerrituale einzubeziehen. Bei kleinen Kindern könne dies über Nähe, Zuwendung und Sprache geschehen. Fotos könnten später helfen, die gemeinsame Zeit während Krankheit und Abschied zu dokumentieren. Für Kinder im Grundschulalter seien Bücher, Zeichnungen oder andere kreative Ausdrucksformen hilfreich. Jugendliche wiederum würden Gespräche oft außerhalb der Familie suchen, etwa mit unabhängigen Bezugspersonen oder in begleiteten Gruppen.
Unterschiedliche Formen von Hilfe
Trauer verlaufe unterschiedlich und "hängt auch davon ab, wie ein Mensch gestorben ist", sagte Schroeter-Rupieper. So prägten auch die Todesursachen - etwa Krankheit, Unfall oder Suizid - "welche Form von Hilfe Familien brauchen", so Schroeter-Rupieper. Neben Gesprächen seien auch konkrete Unterstützung und Rituale wichtig. Telefonseelsorge, Trauerpastoral und Krisenteams fungierten dabei häufig als erste Anlaufstellen.
"Menschen suchen nicht immer sofort Lösungen. Häufig suchen sie zunächst einen Menschen, der zuhört", wies die Expertin hin. Telefonseelsorge, Trauerpastoral und weitere Unterstützungsteams würden Räume schaffen, in denen Trauer ausgesprochen werden dürfe - ohne Bewertung und ohne Zeitdruck.
TelefonSeelsorge als Erstanlaufstelle
Die Leiterin der Telefonseelsorge Oberösterreich, Silvia Breitwieser, betonte: "Trauer ist keine Randerscheinung, sondern eine existenzielle Erfahrung." In den Gesprächen gehe es um Stabilisierung, Ressourcenaktivierung sowie Information über weitere Hilfsangebote.
Auf die Gefahr einer chronischen Belastung in Folge von Trauer wies die Psychotherapeutin Barbara Lanzerstorfer-Holzner hin. Fehlende soziale Unterstützung oder belastende Denkmuster könnten den Prozess erschweren. Nicht jede Form von Trauer brauche Therapie, aber jede Form verdiene Verständnis, Begleitung und gegebenenfalls präventive Unterstützung, so Lanzerstorfer-Holzner.
Familienberatung hilft Trauernden
Auch die Familienberatung "Beziehungleben" bietet Unterstützung an. "Wir begleiten Menschen, wenn Angehörige schwer erkranken, nach einem Verlust oder wenn es um Gespräche mit Kindern geht", sagte Familien- und Lebensberater Klemens Hafner-Hanner. Dabei gelte: "Trauer braucht keine Verwandtschaftsurkunde." Auch Freunde seien betroffen und müssten nicht allein bleiben.
Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr kostenlos unter der Nummer 142 erreichbar. Zusätzlich gibt es tägliche Chatberatung sowie Kontaktmöglichkeiten per Messenger. Die Familienberatung "Beziehungleben" betreibt in Oberösterreich 27 Stellen.
Quelle: kathpress