
Grünwidl: Vermächtnis von Weihbischof Kuntner nach wie vor wirksam
Als "Kirchenmann, der sich besonders für die Armen und Benachteiligten interessiert hat und der zugleich auch um die spirituelle Armut und den geistlichen Hunger der Menschen gewusst hat", hat Erzbischof Josef Grünwidl den früheren Wiener Weihbischof Florian Kuntner (1933-1994) gewürdigt. Grünwidl stand am Freitagabend in der Krypta des Wiener Stephansdoms einem Gedenkgottesdienst für Kuntner vor, nachdem er zuvor im Curhaus am Stephansplatz die diesjährigen Kuntner-Preise verliehen hatte. Das Vermächtnis Kuntners sei in der Erzdiözese Wien nach wie vor wirksam, zeigte sich der Erzbischof überzeugt.
Weihbischof Kuntner habe es geschafft, "Menschen für das Evangelium zu begeistern sowie für den Einsatz in der Kirche und für weltweite Solidarität", so Grünwidl in seiner Predigt. Von der Betroffenheit über Not, Ungerechtigkeit und Leid in der Welt bis zur konkreten Tat sei es oft ein großer Schritt. Viele aus Kuntners Freundes- und Mitarbeiterkreis hätten freilich gespürt: "Wenn wir Christen sind und nach dem Evangelium leben wollen, müssen wir unser Leben ändern und etwas tun! Auf uns und unseren Einsatz für Gerechtigkeit und Frieden kommt es an!"
"Auftrag für die Armen"
Als Bischofsvikar im Vikariat Süd der Erzdiözese Wien und als Missionsbischof habe Kuntner viele Projekte für die Weltkirche und für gelebte Solidarität initiiert und Partnerschaften mit anderen Diözesen auf den Weg gebracht. Immer wieder habe Kuntner auch bei politischen Kundgebungen in der Öffentlichkeit seine Stimme gegen Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus erhoben und erinnert: "Wir sind füreinander verantwortlich; wir gehören zum reichen Teil der Weltkirche und haben einen Auftrag für die Armen und Rechtlosen!"
Auch 32 Jahre nach seinem Tod sei das Vikariat Süd noch vom Geist Florian Kuntners geprägt, so Erzbischof Grünwidl, der Kuntner selbst als junger Priester noch oft persönlich erlebt hatte. Nicht nur der "Florian-Kuntner-Preis", sondern auch Solidaritätsaktionen, Partnerschaften und Alle-Welt-Projekte in Pfarren würden an ihn erinnern, und in vielen - freilich mittlerweile älteren Menschen - lebten seine Begeisterung und seine Glaubensfreude weiter.
Grünwidl abschließend: "In der Spur von Bischof Florian gehen wir, wenn wir uns vom Evangelium aufrütteln lassen und wenn wir im Blick auf die Ungerechtigkeit und das Leid in der Welt von der Betroffenheit zum Handeln, zur konkreten Tat kommen."
Ein Bischof mit Blick auf die Welt
Am Freitagnachmittag war in Wien der diesjährige Florian-Kuntner-Preis für weltkirchliche Partnerschaft und Entwicklungszusammenarbeit vergeben worden. Erzbischof Josef Grünwidl, der die Preisübergabe vornahm, würdigte dabei das außergewöhnliche Engagement der insgesamt neun prämierten Initiativen. Der Preis wird alle zwei Jahre von der Diözesankommission für Weltkirche und Entwicklungszusammenarbeit der Erzdiözese Wien ausgelobt; 2026 bereits zum zwölften Mal. Das Preisgeld beträgt insgesamt 18.000 Euro.
Am 30. März jährt sich zum 32. Mal der Todestag von Weihbischof Kuntner. Er wurde am 22. März 1933 in Kirchberg am Wechsel (NÖ) geboren. Nach der Priesterweihe 1957 wurde er 1962 Pfarrer von Piesting, 1971 Propstpfarrer in Wiener Neustadt und danach Bischofsvikar für das neu gegründete Vikariat unter dem Wienerwald mit Sitz in Wiener Neustadt. 1977 wurde Kuntner gemeinsam mit Helmut Krätzl von Kardinal Franz König zum Bischof geweiht.
Als Bischofsvikar "für alle Anliegen der Mission und Entwicklungshilfe in der Erzdiözese Wien", Referatsbischof für Weltkirche, Mission und Entwicklungshilfe in der Österreichischen Bischofskonferenz und Nationaldirektor der Päpstlichen Missionswerke (Missio) war es Kuntner ein großes Anliegen, globale Gerechtigkeit und partnerschaftliche Beziehungen zu den Kirchen des Globalen Südens zu fördern. Nach einer seiner vielen Reisen - um in persönlichen Begegnungen die Solidarität mit Ortskirchen im Süden zum Ausdruck zu bringen - erlag Kuntner erst 61-jährig einer Tropenkrankheit. Er wurde in der Domherrengruft von St. Stephan in Wien bestattet.
Quelle: kathpress