
Pastoraltheologin Csiszar: Synodalität "nicht zu stoppen"
Die Linzer Pastoraltheologin Klara-Antonia Csiszar sieht in der von Papst Franziskus initiierten Weltsynode (2021-2024) einen grundlegenden Kulturwandel in der katholischen Kirche angestoßen. Zwar seien in Rom "nicht alle Feuer und Flamme" darüber, "aber es ist etwas im Gange, was aus meiner Sicht nicht zu stoppen ist", so Csiszar, seit Herbst 2023 im theologischen Beraterteam der Synode, in der "Linzer KirchenZeitung" (25. März). Synodalität beschreibt sie als "das Bemühen um ein gutes Miteinander" und ein "Ringen um Antworten" auf zentrale Fragen von Kirche wie Gesellschaft. Zugleich sprach sie sich gegen vorschnelle Reformentscheidungen aus.
Kritik an fehlenden konkreten Reformen, etwa beim Frauendiakonat, wies Csiszar zurück: "Mit zu schnellen Ergebnissen bin ich eher vorsichtig." Eine Abstimmung hätte das Thema womöglich auf Jahre blockiert. Stattdessen werde es weltweit weiter diskutiert und zunehmend als dringlich wahrgenommen.
In der Synode sei zudem ein anderer Zugang gewählt worden, der "Weg der existenziellen Betroffenheit von Frauen". Laut Csiszar hätten so Frauen ihre Berufungserfahrungen geschildert und gefragt, warum ihnen Weiheämter verwehrt bleiben. "Diese Frauen haben in Anwesenheit des Papstes viel Applaus bekommen. Für mich ist das ein Ergebnis. Ich weiß, für viele nicht, aber es geht Schritt für Schritt."
Die synodale Kirche sei dabei "nicht nur mehr die Wunschmusik von einigen", sondern ein vom Lehramt gegebener Auftrag an die gesamte Kirche. "Wir versuchen momentan neu zu buchstabieren, was es bedeutet, katholisch zu sein. Katholisch zu sein heißt nämlich nicht mehr, nur einen Regelungskatalog zu haben, sondern den Grundauftrag von Kirche zu leben, missionarisch zu sein", so die Dekanin und die Vizerektorin der Katholischen Privat-Universität Linz.
Friedenspotential
Synodalität verstehe die Theologin dabei als Prozess des Zuhörens über kulturelle Grenzen hinweg. "Wenn wir nicht übereinander reden, sondern miteinander im Gespräch sind", liege darin ein "enormes Friedenspotenzial". Zugleich knüpfe der Ansatz an das Zweite Vatikanische Konzil an, dessen "Volk-Gottes-Theologie" weitergedacht werden müsse; etwa im Spannungsfeld von Hierarchie und Beteiligung aller Gläubigen.
Den synodalen Prozess sieht Csiszar trotz möglicher Widerstände als unumkehrbar. Synodalität bedeute jedoch nicht primär mehr Entscheidungskompetenz, sondern eine partizipative Kirche mit Blick auf die Ärmsten. "Es wachsen Entscheidungen, wenn man synodal miteinander umgeht."
Die internationale Arbeit habe ihren Blick geweitet, so Csiszar über den Einfluss der Synode auf sie selbst. Sie sei nun stärker mit theologischen Perspektiven außerhalb Europas konfrontiert. "Die Welt ist größer geworden." Auch ihr Führungsstil habe sich verändert: Entscheidungen würden stärker gemeinsam getroffen. "Bei der Synodalität geht es um eine Abkehr vom Ich hin zu einem Wir."
Für die konkrete Praxis, etwa in der Diözese Linz, heiße dies, Räume zu schaffen, in denen alle Gläubigen gehört und beteiligt werden. Synodalität beginne dabei bei jedem Einzelnen: "Das heißt nicht, von allen anderen zu erwarten, dass sie synodal sein sollen", stellte Csiszar klar.
Quelle: kathpress