
Rainer-Ausstellung im Stephansdom: Trenker für Versöhnung mit Familie
Die umstrittene Hängung der Kreuze des Ende 2025 verstorbenen Malers Arnulf Rainer im Wiener Stephansdom bereue er nicht: Kunstsammler Werner Trenker, in dessen Besitz die ausgestellten 77 Kaltnadelradierungen und großformatige Kreuzarbeiten sind, nahm im Kurier-Interview (29. März) Stellung zur Kritik an der Schau, die - zuletzt gegen den Willen des Künstlers Rainer - in und rund um den Dom bis 7. Juni gezeigt wird. Rainer hatte der Ausstellung zunächst zugestimmt, diese Zusage später jedoch über seinen Anwalt widerrufen. Rainers prominenter Neffe, der ehemalige Profil-Chefredakteur Christian Rainer, warf Trenker Eitelkeit, Eigeninteresse und fehlenden Respekt vor der Kunst seines Onkels vor. Dieser erklärte nun, sich eine Aussöhnung mit der Familie von Rainer zu wünschen.
"Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich jemand bin, der immer versucht, Lösungen zu finden", so der Unternehmer. "Ja, es hat hier einen Konflikt gegeben. Mein Ziel bleibt es, gemeinsam mit der Familie Rainer irgendwo, irgendwann eine Ausstellung zu machen."
Trenker betonte die professionelle Gestaltung der Schau durch den Kurator P. Friedhelm Mennekes. Der deutsche Jesuit und Kunstexperte habe mit Arnulf Rainer schon zwölf Ausstellungen durchgeführt sowie mit und über ihn acht Bücher verfasst. "Er kennt sich wirklich aus. Wir haben das monatelang geplant und uns für diese Hängung entschieden. Konstruktive Kritik höre ich mir sehr gerne an und lerne dabei", so Trenker.
Schau im Dom zeigt 77 Werke Rainers
Im Stephansdom werden in der Ausstellung "Das Kreuz - Das Zeichen, das bleibt" derzeit 70 Kaltnadelradierungen aus den Jahren 1956 bis 2014 gezeigt, ergänzt um sieben großformatige Kreuzarbeiten, darunter Werke aus den 1980er- und 1990er-Jahren. Die gezeigten Arbeiten Rainers verteilen sich auf mehrere Orte im Stephansdom: In der Vierung führt eine leicht ansteigende Hängung zum mittelalterlichen Lettnerkreuz hin, das während der Fastenzeit heuer ausnahmsweise unverhüllt bleibt.
Weitere Werkgruppen sind in der Nordturmhalle, rund um das Original des sogenannten Zahnweh-Herrgotts, in der Barbarakapelle sowie auch im Stiegenaufgang und im ersten Stock des benachbarten Curhauses zu sehen. Dombaumeister Wolfgang Zehetner betonte die Bedeutung der räumlichen Inszenierung. Die Anordnung bilde eine "geistliche Linie" im architektonischen Gefüge des Domes.
Quelle: kathpress