
Bischöfin Richter will Evangelische Kirche sichtbarer machen
Die Evangelische Kirche in Österreich muss nach Ansicht ihrer neuen Bischöfin Cornelia Richter in der Öffentlichkeit noch sichtbarer werden, und zwar als "Gemeinschaftsraum, in dem Menschen sich wohlfühlen können, in dem sie eine Heimat finden". Das betreffe vor allem diejenigen, die jung und dynamisch seien, etwas verändern wollten, aber woanders gar nicht die Form finden, weil ihnen dort vielleicht niemand zuhöre, so die Bischöfin am Wochenende im Interview mit dem ORF-Landesstudio Wien.
Die Welt sei derzeit von Unsicherheit betroffen, es gebe Kriege und Krisen, die Menschen seien verunsichert. In solchen Zeiten, in denen alles zu zersplittern drohe, sei es wichtig, Gemeinschaftsräume zu finden, "wo man miteinander über die Unterschiede hinweg gemeinsame Interessen hat". In der Kirche könne man sich jetzt vor Gott stellen und sagen 'So, es ist ziemlich schwierig, aber wir halten zusammen'."
"Das Land ist so schön, es ist großartig"
In der Kirche könne man gerade jetzt gemeinsam herausfinden, "wo man im Kleinen für Frieden sorgen kann, wo man für Versöhnung sorgen könnte, wie man anders miteinander umgeht." Hier maß Richter den Pfarrgemeinden eine zentrale Rolle zu. Diese seien Orte, an denen man anders miteinander umgehen könne und sehen könne, "dass das Räume der Verlässlichkeit sind, dass da Menschen sind, mit denen man redet, dass es eine Art von einer offenen Tür ist, wo man einfach weiß, die gibt es und da kann ich hingehen. Und ich glaube, dass das in diesen Zeiten schon relativ viel ist."
Richter ist seit Herbst 2025 im Amt. Umlernen musste sie im Blick auf die Distanzen, die ihr Amt mit sich bringt, wie sie berichtete: Habe sie sich als Theologieprofessorin in Bonn nur rund um die Universität bewegt - "Die Wege waren so zehn Minuten auseinander" - musste sie als Bischöfin lernen, sich quer durch Österreich zu bewegen, "das heißt, der Radius ist viel, viel, viel größer". Da habe sie ihr Zeitmanagement anpassen müssen: "Aber es ist wunderschön. Das Land ist so schön, es ist großartig."
Bei ihrer Rückkehr von Deutschland nach Österreich habe es sie zudem erstaunt, wie gut hier Ökumene funktioniere. Das habe sie so nicht erwartet, sagte Richter. Es gebe aber überall dort "Luft nach oben", bemerkte die Bischöfin und nannte in dieser Hinsicht die immer noch nicht mögliche gemeinsame Abendmahlsfeier, was ihrer Ansicht nach allein an der offiziellen Katholischen Kirche liege. Die Türen der Evangelischen Kirche stünden offen.
Kopftuchverbot: Nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft
Zum Kopftuchverbot sagte Richter, sie habe die Intention dahinter verstanden. Sie würde unterstreichen, dass man Mädchen und junge Frauen schützen müsse. Aber das Verbot sei ohne engen und konstruktiven Austausch mit den Religionsgemeinschaft umgesetzt worden. Sie habe das Gefühl, hier seien nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft worden.
Auf das Osterfest angesprochen sagte die Bischöfin, sie habe nichts gegen den Osterhasen bzw. den Osterrummel. Dies sei schließlich auch Ausdruck von Fröhlichkeit. Sie wolle aber den Menschen gerne mitgeben, dass Ostern mehr sei als nur der Ostermorgen. "Das Osterfest beginnt ja nicht einfach nur am Ostermorgen, sondern hat die Vorgeschichte der Passion und es ist die Zeit, wo wir über Leben und Tod nachdenken. Die Botschaft von Ostern folgt aus dem Karfreitag., dass man nämlich durch Leid und Tod hindurch neues Leben sehen kann. So eröffnen sich wirklich neue Lebensperspektiven."
Quelle: kathpress