
Wien: Peacewave Festival mit interreligiöser Teilnahme am Ostermontag
Mit interreligiöser Beteiligung startet am Ostermontag (6. April) die dritte und vorerst letzte Ausgabe des Peacewave Festivals: Bei der Lichteraktion in Wien und weltweit sind Menschen eingeladen, ein Zeichen für Toleranz, Frieden und Umweltschutz zu setzen. Dabei werden zivilgesellschaftliche, religiöse und indigene Gemeinschaften und Einzelpersonen 2,8 Millionen (bisher registrierte) Lichter um den Globus entzünden, erklärte Festivalgründerin Isabella Haschke bei einer Pressekonferenz am Montag. In Wien lädt der veranstaltende ehrenamtliche Verein "Wandern für den Frieden e. V." alle Interessierten um 16 Uhr zu einem Friedensmarsch vom Schweden- zum Heldenplatz ein. Dort setzt sich die Veranstaltung mit einem Programm aus Reden und Musik fort. Höhepunkt ist ein Lichtermeer um 21 Uhr.
Unterstützt wird die Aktion in Wien u. a. von Weihbischof Stephan Turnovszky, Superintendent Matthias Geist, Oberrabbiner Jaron Engelmayer und dem Ersten Imam Ermin Sehic, die auch am Heldenplatz Reden halten werden. "Ich bin tief überzeugt, dass es dem Willen Gottes entspricht, wenn Menschen für das wichtige Thema Frieden einstehen. Es ist biblisch, jesuanisch und einfach vernünftig", äußerte sich Turnovszky bei der Pressekonferenz und erinnerte an die ersten Worte des Auferstandenen: "Der Friede sei mit euch." Es gebe hingegen nichts Unvernünftigeres als den Krieg: "Er verursacht Leid, kostet Menschenleben, schafft oft irreparable Schäden und schlägt Wunden in der Seele, die nur schwer heilbar sind."
Weg der Achtsamkeit
Alle Religionsgemeinschaften seien aufgefordert, für den Frieden und die Umwelt einzustehen, betonte Geist: "Wir haben nur diese Schöpfung geschenkt bekommen. Wir sollten uns nicht auf eine Welt hinbewegen, in der Menschen auf manchen Erdteilen keine Lebensgrundlage haben, weil andere sie ausbeuten", mahnte der Wiener Superintendent. Der Ostermontag sei eine Einladung, den Weg der Achtsamkeit "mit jeder Ameise und jedem Lebewesen" gemeinsam zu gehen und kleine Zeichen der Toleranz, Demut und wahrhaften Nächstenliebe zu setzen. Die Veranstaltung sei ein Zeichen dafür, wie wichtig Vernetzungsmöglichkeiten für alle Menschen und verschiedene Bewegungen - innerchristlich, ökumenisch, interreligiös, bilateral, lateral etc. - sind, um sich "in geschwisterlicher Kraft" für die Schöpfung einzusetzen.
Wie wichtig dieser Austausch sei, um über Vorurteile zu reden und Ängste abzubauen, habe sich bereits beim Fastenbrechen (Iftar) in den muslimischen Gemeinden gezeigt, bei dem auch Vertreter anderer Religionen teilgenommen hätten, sagte der Erste Imam Ermin Sehic. "Islam" bedeute Friede ("Salam") und Religionsvertreter versuchten, Menschen wieder dorthin zu bringen, "wo wir im Kern alle gleich sind", so Sehic. "Wir alle leben auf einem Planeten, um den wir uns gemeinsam kümmern müssen." Es gehe darum, in Harmonie zusammenzuleben, den Zusammenhalt zu stärken und sich nicht gegenseitig missionieren zu wollen.
Letzte Ausgabe des Festivals
Großen Dank und Bewunderung sprachen alle drei Religionsvertreter der Vereins- und Festivalgründerin Haschke für ihr Engagement aus, die bekannt gab, das Festival nicht mehr weiterführen zu können. Die ehrenamtliche Organisation des Festivals, die sie weitgehend im Alleingang führe, übersteige ihre persönlichen Ressourcen, so Haschke, die hauptberuflich als Ärztin arbeitet. "Ich hoffe aber, wenn wir jetzt diesen großen Stein ins Wasser werfen, dass diese Friedensbewegung in irgendeiner Form weitergeführt wird." Der Verein erhofft sich etwa eine Übernahme der Schirmherrschaft durch die Stadt Wien. Derzeit würden Gespräche mit Bürgermeister Michael Ludwig laufen. Der Verein "Wandern für den Frieden e. V.", der weltweit bereits 25 weitere Gruppen zählt, werde weiterhin bestehen bleiben.
Am Heldenplatz werden u. a. auch die Klimaforscherin und Meteorologin Helga Kromp-Kolb, die Sprecherin der Baha'i Österreich Anja Spengler, der Vizepräsident des Bundes der Baptistengemeinden in Österreich Fritz Kaiser, die Vizepräsidentin der Freien Aleviten Österreich Hatice Sahin-Ilter und Sufi-Murshida Fawzia Al-Rawi sprechen. Um auch ein Zeichen gegen Antisemitismus zu setzen, wird Hans Breuer aus seinem Buch "Partisan im Frieden. Ein anachronistischer Lebenslauf" lesen und jiddische Lieder singen, kündigte Haschke an. Auch eine Friedensbotschaft des Dalai Lama wird verlesen, der die Initiative unterstützt. Zu den Unterstützern zählen auch Erzbischof Josef Grünwidl, die Ordensgemeinschaften Österreich, Ina Mehrfert als Vertreterin für indigene Traditionen, Bischofsvikar Nicolae Dura der rumänisch-orthodoxen Kirche oder Religions for Future Österreich.
Die Veranstalter bitten darum, elektrische Lichter und Handys für das Lichtermeer mitzubringen. Auch Fahnen und Plakate für Frieden, Toleranz und Umweltschutz sind willkommen, dürfen aber keine nationalen oder parteipolitischen Symbole enthalten. Via Zoom gibt es auch die Möglichkeit, ab 14 Uhr online an einer weltweiten Meditation für den Frieden teilzunehmen. (Alle Infos unter: www.peacewavefestival.org)
Quelle: kathpress