
Scheuer: Pessach bewahrt Ostern davor, im "luftleeren Raum" zu bleiben
Wenn Christen Ostern feiern, dann sind sie im Gedenken an den Tod und die Auferstehung Jesu zentral auf das Erste bzw. Alte Testament und auf den jüdischen Glauben verwiesen. Das hat der Linzer Bischof Manfred Scheuer - langjähriger Referatsbischof für den Kontakt zum Judentum - in einem Podcast zum am Mittwoch beginnenden jüdischen Pessachfest betont. Das christliche Osterfest stehe "nicht im luftleeren oder geschichtslosen Raum", sondern sei "hineingenommen in das jüdische Volk, in die jüdische Geschichte" und auch in das Pessachfest. Dies werde etwa durch die alttestamentlichen Lesungen in den Ostergottesdiensten verdeutlicht. "Letztlich ist Pessach und Ostern das zentrale Glaubensbekenntnis: Gott ist der Herr und Freund des Lebens auch über den Tod hinaus", so Scheuer.
Der Linzer Bischof äußerte sich in einer neuen Folge des Theologie-Podcasts "Diesseits von Eden", der unter dem Titel "Pessach & Ostern: Wie steht es um den christlich-jüdischen Dialog in Österreich?" steht. In dem Podcast äußern sich neben Scheuer der Wiener Oberrabbiner Jaron Engelmayer sowie die Theologin und Präsidentin des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit, Prof. Regina Polak. (Podcast zum Nachhören und Nachlesen: https://diesseits.theopodcast.at/pessach-ostern-christlich-juedischer-dialog)
Scheuer: "Keine Alternative zum Dialog"
Christen würden sich nur richtig verstehen, "wenn wir den Wahrheitsraum des Ersten Testaments betreten" und die Glaubenszeugnisse des Volkes Israel ernst nehmen, führte der Bischof aus. Dazu zähle auch die Erinnerung an die Erfahrung der Rettung durch Gott, wie sie dem jüdischen Pessachfest zugrunde liegt. Scheuer, der die Agenden des Kontakts zum Judentum in der Österreichischen Bischofskonferenz nach rund 20 Jahren im März an den burgenländischen Bischof Ägidius Zsifkovics abgegeben hat, dankte Oberrabbiner Engelmayer für den vertrauensvollen Austausch und den Dialog in den letzten Jahren. Dies sei "überhaupt nicht selbstverständlich". Schließlich hätten viele Ereignisse auf weltkirchlicher Ebene - etwa die umstrittene Karfreitagsfürbitte oder die Affäre um den Holocaust-Leugner-Bischof Richard Williamson - den Dialog belastet.
Dennoch halte er daran fest, dass es "keine Alternative zum Dialog" gebe, auch wenn die Bereitschaft dazu teils unterschiedlich gelagert sei. "Insgesamt hat sich aber gerade in den letzten Jahren wieder einiges zum Guten bewegt und dafür bin ich dankbar", so Scheuer.
Engelmayer: Pessach steht für "globale Werte"
Auf die Aktualität der Botschaft des Pessachfestes verwies indes Oberrabbiner Engelmayer. So stehe Pessach für "globale Werte": "Es geht um Gerechtigkeit, um die Seite der Unterdrückten, um Moral, um den Kampf um Freiheit. Es geht also um Werte, die von Generation zu Generation weitergegeben werden und ihren Stellenwert nicht eingebüßt haben."
Er begrüße es daher umso mehr, dass sich das Christentum inzwischen betont auf seine jüdischen Wurzeln besinne. Dieser Weg sei "sehr zu befürworten, solange er nicht zu einer Vermischung führt". Unterschiede blieben bestehen - sie anzuerkennen bleibe die Bedingung jedes Dialogs und auch des Gelingens der vorbildhaft im Koordinierungsausschuss umgesetzten und geförderten Zusammenarbeit. Er danke seinerseits Bischof Scheuer für das vertrauensvolle Gespräch und den Austausch.
Polak: Bleibende Aktualität der Botschaften
Auf die Aktualität der Pessach-Botschaft von Befreiung, Klage und Hoffnung gerade Zeiten der Bedrängnis verwies die Theologin und Präsidentin des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit, Prof. Regina Polak. Ostern und Pessach verbinde die Tatsache, dass beides "Erinnerungsfeste" seien, was zugleich "Vergegenwärtigung" der Botschaft und der Hoffnung auf Befreiung bedeute: "Die Befreiung von Sünde, von Tod, von den Mächten des Bösen und die Verheißung, dass Tod und das Böse nicht das letzte Wort haben werden und Liebe und Gerechtigkeit am Ende siegen - das können wir momentan ziemlich gut brauchen", so Polak.
Der Podcast "Diesseits von Eden" ist ein Gemeinschaftsprojekt der theologischen Fakultäten in Österreich. Er erscheint seit fünf Jahren mit inzwischen rund 90 Folgen. (Infos: https://diesseits.theopodcast.at)
Quelle: kathpress