
Salzburg: Chrisammesse im Zeichen des heiligen Franziskus
Mit 90 Priestern und Diakonen sowie rund 100 Ministrantinnen und Ministranten aus der gesamten Erzdiözese Salzburg hat Erzbischof Franz Lackner im Salzburger Dom die traditionelle Chrisammesse gefeiert. Neben der Weihe der liturgischen Öle für das kommende Jahr erneuerten die Priester ihr priesterliches Versprechen. Bereits vor dem Gottesdienst am Mittwochnachmittag gab es für die Ministranten ein buntes Programm. Sie lernten in Gruppenstationen und Workshops den heiligen Franziskus kennen und trafen mit dem Erzbischof zusammen. Lackner bedankte sich dabei bei den Kindern und Jugendlichen für ihren Dienst in der Kirche.
Wie jedes Jahr versammelten sich die Priester und Diakone der Erzdiözese zum Priestertag, bevor sie in der Chrisammesse ihr Versprechen erneuerten. Im Zentrum stand ein Vortrag des emeritierten Innsbrucker Dogmatikers Roman Siebenrock über "John Henry Newman als Zeuge im Zeitalter der Gottvergessenheit".
In seiner Predigt bei der Messe nahm Erzbischof Lackner anlässlich des vom Papst ausgerufenen Franziskus-Jahres Bezug auf den heiligen Franziskus. Der Todestag des Heiligen jährt sich heuer zum 800. Mal, Erzbischof Lackner ist selbst Franziskaner. Er stellte das konkrete, weltzugewandte Glaubensverständnis des hl. Franziskus in den Mittelpunkt. Franziskus habe den Glauben nie abstrakt gedacht, sondern ihn in der unmittelbaren Begegnung mit den Menschen gelebt - besonders sichtbar in seiner Zuwendung zu den Aussätzigen, die sich am Rand der damaligen Gesellschaft befanden und ausgegrenzt wurden. Diese Erfahrung, so der Erzbischof, habe Franziskus innerlich verwandelt und ihm gezeigt, dass Gott selbst auf dem Weg zu den Verwundeten und Armen führt. Ausgehend vom Testament des Heiligen betonte Erzbischof Lackner, dass für Franziskus das Evangelium nicht nur Ziel, sondern Ausgangspunkt und Maßstab seines Handelns war.
Für Priester und Diakone sei dieses Erbe hochaktuell, betonte Lackner. Franziskus habe bewusst als Diakon gelebt und das Priestertum mit großer Ehrfurcht betrachtet. Nicht wegen persönlicher Eigenschaften der Amtsträger, sondern aufgrund ihrer Weihe und Sendung. In marianischer Haltung - offen, arm im Geiste und hingegeben - seien Priester gerufen, Christus Raum zu geben und ihrer Berufung in Demut und Ganzhingabe nachzugehen. "Unser Bemühen - geleitet von der Sehnsucht, daran stets Maß zu nehmen - muss in diese Richtung gehen. Die Hoffnung sei dabei unsere Begleiterin. Wir müssen nicht alles von uns aus bewirken, auch nicht von den Menschen her, zu denen wir gesandt sind - denn wir haben Anteil am Priestertum unseres Herrn Jesus Christus", so Erzbischof Lackner.
Wegweiser in einer Zeit der Gottesvergessenheit
Beim Salzburger Priestertag führte Prof. Siebenrock entlang zentraler Texte des neuen Kirchenlehrers Kardinal Newman in das Geheimnis von Tod und Auferstehung ein und unterstrich dabei grundlegende Einsichten: Man könne von Gott sprechen, "weil einer über ihn gesprochen hat, der selbst Gott ist". Heiligkeit sei kein unerreichbares Ideal, sondern die je persönliche Ausprägung der Beziehung zu Christus. Zugleich sei das Kreuz der Maßstab der Welt: Es lehre, wie Christen leben sollen und was sie hoffen dürfen.
Als wichtige Quellen verwies der Theologe insbesondere auf Newmans Predigten und spirituelle Schriften, in denen die persönliche Beziehung zu Jesus Christus als Mitte des Glaubens entfaltet wird. Gebet, Stille und Anbetung seien grundlegende Erfahrungsräume, in denen Gott in Jesus Christus begegnet werden könne. Das Christentum sei daher "zutiefst eine Beziehungsreligion", führte der emeritierte Dogmatiker aus.
Ausgehend vom Leben und Denken John Henry Newmans erschloss Siebenrock die "Orte der Ostererfahrung" und betonte, Ostern bedeute, beim Namen gerufen zu werden wie Maria von Magdala am Grab. Diese Erfahrung sei nicht nur von Freude geprägt, sondern könne auch Erschrecken auslösen. In Anlehnung an Newman hob Siebenrock hervor, dass jeder Mensch gerufen sei und mit seinen eigenen Erfahrungen und Möglichkeiten "genug" sei, um den Glaubensweg zu beginnen.
Weihe der drei heiligen Öle
In der Chrisammesse weihte Erzbischof Lackner die drei heiligen Öle: Chrisam, Krankenöl und Katechumenenöl. Chrisam wird bei Taufe und Firmung verwendet, bei der Priesterweihe und Bischofsweihe, auch bei der Weihe eines Altars, einer Kirche oder der Glockenweihe. Das Krankenöl kommt für die Krankensalbung zum Einsatz, das Katechumenenöl für die Salbung der Katechumenen (Taufbewerber) bzw. des Täuflings vor der Taufe. Nach der Chrisammesse wurden die heiligen Öle an die Vertreter der Gemeinden bzw. Dekanate übergeben, die sie dann in ihre Gemeinden brachten.
Quelle: kathpress