
Krankenhausmanager: "Ja, es gibt ein gutes Sterben"
Ein "gutes Sterben" ist möglich, sagt der Theologe und Geschäftsführer der Krankenhaus Elisabethinen GmbH Christian Lagger im Interview mit der "Kleinen Zeitung" (Donnerstag). "Ich wäre auch sehr vorsichtig damit, den assistierten Suizid mit einem guten Tod gleichzusetzen", so Lagger, der Vorbereitung, Schmerzbewältigung und menschliche Begleitung am Lebensende als entscheidend bezeichnete. Wichtig sei Aufklärung über die Möglichkeiten der Palliativmedizin sowie gesellschaftliche Verantwortung gegenüber Sterbenden. Aus seiner Erfahrung gebe es ein gutes Sterben dann, "wenn dem Tod Geweihte die Möglichkeit haben, sich auf ihr Ende vorzubereiten" und offene Fragen - insbesondere Konflikte - klären können.
Ebenso zentral sei die Schmerzbewältigung, betonte der Präsident des Internationalen Forschungszentrums für soziale und ethische Fragen in Salzburg. Die moderne Palliativmedizin ermögliche heute vielfach, "nicht nur des physischen, sondern auch des existenziellen psychischen Leids" zu lindern.
Sterben beschreibt Lagger als existenzielle Herausforderung und "Gipfelsieg, der jedem von uns einmal abverlangt wird". Auf diesem Weg brauche es "keine Abkürzungen, sondern erfahrene Begleiterinnen und Begleiter und liebevolle Zuwendung".
Kein assistierter Suizid im Ordensspital
Laut Lagger hat es seit der gesetzlichen Neuregelung im Elisabethinen Krankenhaus immer wieder Anfragen gegeben: "Alles in allem waren es bis zum heutigen Tag rund 150 Personen. Nur drei davon haben sich dann wirklich entschlossen, diesen Weg extern zu gehen." Für das Ordensspital sei assistierter Suizid "mit unserer Identität nicht vereinbar". Zudem sei das Junktim zwischen assistiertem Suizid und einem guten Tod "massiv zu hinterfragen".
Viele Sterbewünsche entstünden aus Angst oder mangelnder Information, so Lagger. Häufig hätten Betroffene "die Schreckensvorstellung, durch künstliche Lebensverlängerung an Schläuchen hängend unendlich leiden zu müssen und nicht sterben zu dürfen". Die Erfahrung auf Palliativstationen zeige hingegen, dass ein ganzheitlicher Zugang Lebensqualität bis zuletzt ermögliche. Ziel sei es, "durch unterschiedlichste Interventionen" diese Lebensqualität aufrechtzuerhalten.
Zwar sei die Autonomie der Sterbenden wesentlich, meinte Lagger, wandte aber ein: "Was ist Freiheit, wenn ich Schmerzen habe? Wenn ich meinen Angehörigen an den Augen ablesen kann, wie sehr sie mein Gehen aufwühlt? Oder wenn ich von Furcht erfüllt bin, ihnen nur noch zur Last zu fallen?" Wichtig sei daher, existenzielle Fragen frühzeitig zu klären, etwa zu Hinterlassenschaft oder Vorsorge. Fehlende Regelungen führten nicht selten zu Konflikten: "Nicht selten beginnt der Streit unter den Kindern dann schon am Totenbett."
Zugleich sieht Lagger die Gesellschaft in der Pflicht. Oft gehe es weniger um den Wunsch zu sterben als darum, "einfach nicht so weiterleben zu wollen". Einsamkeit, Angst, zur Last zu fallen, oder mangelnde Zuwendung spielten dabei eine große Rolle. Es brauche daher ein stärkeres Bewusstsein für gegenseitige Verantwortung sowie Generationenethik. Denn: Der Mensch sei am Anfang und am Ende seines Lebens auf andere angewiesen. Als Beispiel nannte Lagger das Obdachlosen-Hospiz Himmelshafen in Graz, wo "Sterbende nicht selten erstmals die Würde ihrer selbst" erlebten.
Quelle: kathpress