
Propst Höslinger: Papst Leo hat Ruhe in die Kirche gebracht
Papst Leo XIV. hat in Vielem wieder mehr Ruhe in die Kirche hineingebracht. Das betonte der Klosterneuburger Propst Anton Höslinger im Interview mit der Tageszeitung "Kurier" (Freitag) und sagte: "Papst Franziskus hat es gut verstanden, Bilder zu vermitteln, auch im positiven Sinne zu provozieren." Das dürfte aber nicht die Art des jetzigen Papstes sein. Er versuche vielmehr, "in einer sehr ausgleichenden Art und Weise das große Schiff der Kirche nach vorne zu steuern".
Dass bei den kirchlichen Reformthemen so wenig vorangeht, begründete der Propst damit, dass "die Fragen aufgrund ihrer Komplexität und Schwierigkeit nicht von Heute auf Morgen lösbar sind. Diese Fragen gibt es ja schon seit Jahrhunderten, sie haben schon in der Reformation eine Rolle gespielt." Was den Zölibat betrifft, so könne man auch fragen: "Was gilt für Weltpriester, was für Ordensleute?" Und man müsse auch mitbedenken, "dass die katholische Kirche den Anspruch hat, solche Fragen global zu lösen". Hier gebe es doch erhebliche Unterschiede zwischen Europa, dem Westen und anderen Weltgegenden. Höslinger: "Die Kirche muss immer das Ganze im Blick haben und alle mitnehmen."
Im Wechsel von Kardinal Christoph Schönborn zu Erzbischof Josef Grünwidl an der Spitze der Erzdiözese Wien sehe er keine große Zäsur, so Höslinger. Schönborn habe aufgrund seiner Persönlichkeit und durch seine lange Amtszeit prägend gewirkt. Josef Grünwidl, der lange Zeit Pfarrer war, wisse von daher sicher sehr gut, "was sich an der Basis tut, was die Menschen bewegt, wie sie denken". Daher werde es mit ihm" gerade im pastoralen Bereich ein gutes Vorankommen geben", zeigte sich der Propst überzeugt.
Islam als Herausforderung
Auf Vorwürfe angesprochen, dass die Kirche zu naiv gegenüber dem Islam sei und zu wenig die vielfachen Herausforderungen sehe, die durch einen zunehmend wachsenden muslimischen Bevölkerungsanteil entstünden, meinte der Propst: "Das ist tatsächlich ein sehr spannungsgeladenes Thema." Zum einen sei es aus dem christlichen Glauben heraus selbstverständlich, "dass ich Menschen, die in Not zu uns kommen, Hilfe anbiete". Auf der anderen Seite dürfe man die Sorgen der Menschen, die hier leben, nicht einfach negieren. Höslinger: "Wenn sehr viele Menschen aus anderen Kulturen zu uns kommen: Was macht das mit unserer Gesellschaft, was hat das für Auswirkungen auf diverse Bereiche des Zusammenlebens? Auch das muss man ernst nehmen." Er denke, so der Propst, "die Kirche versucht, diese Spannung so gut wie möglich auszutarieren".
Höslinger verwies in dieser Frage auch auf Erzbischof Grünwidl, der sagte, ihm mache nicht die steigende Anzahl der Muslime Sorgen, sondern die zurückgehende der Christen. Höslinger: "Natürlich sind solche Verschiebungen auch eine Anfrage an die Kirche. Aber die Antwort kann nicht sein, sich gewissermaßen zu radikalisieren, um eine falsche Klarheit zu suggerieren."
Ordensleben im Wandel
Darauf angesprochen, dass viele Orden in Österreich von Nachwuchsmangel und Überalterung betroffen sind, hielt Höslinger fest: "Wir müssen der Tatsache ins Auge blicken, dass Konvente älter werden, dass Nachwuchs vielfach ausbleibt." Es komme auch vor, dass Klöster aufgegeben werden müssen. Es werde manches an Aufgaben, die bestimmte Klöster über Jahrhunderte wahrgenommen haben, nicht mehr möglich sein. Aber er sei auch überzeugt davon, "dass das Ordensleben immer eine Aktualität in der Kirche und in der Gesellschaft haben wird: weil die Aktivitäten der Orden immer auch Antworten auf gesellschaftliche Herausforderungen und Nöte sind."
Auf den früheren Umgang im Stift Klosterneuburg mit Missbrauchsfällen angesprochen, die u.a zu einer Apostolischen Visitation führten, sagte Höslinger: "Wir haben daraus gelernt." Man habe eine Präventionsstelle eingerichtet und auch einschlägige Konzepte entwickelt, "womit wir durchaus eine Vorreiterrolle einnehmen - zum Schutz der Menschen, gerade auch der Kinder und Jugendlichen, mit denen wir zu tun haben". Aus all dem sei eine innere Haltung entstanden, die solche Fälle in Zukunft weitgehend unmöglich machen soll.
Quelle: kathpress