
Bischöfe betonen Hoffnung im Angesicht von Leid und Krisen
Am Karfreitag wird von Christinnen und Christen der Kreuzigung Jesu Christi gedacht. Die Feier beginnt traditionell um 15 Uhr, zur Todesstunde Jesu, mit einem besonderen Zeichen: Die Priester liegen sich in Stille vor dem Altar nieder. Es folgen die Verkündigung der Leidensgeschichte, Kreuzverehrung und große Fürbitten. In Predigten in Österreich und Südtirol betonten Bischöfe die bleibende Hoffnungsperspektive. "Der Tod ist nicht das Ende des Lebens, sondern das Ende des Sterbens": Mit dieser Botschaft hat der Grazer Diözesanbischof Wilhelm Krautwaschl am Karfreitag die Hoffnungsperspektive des christlichen Glaubens betont.
Der Tod Jesu werde nicht ausgeblendet, sondern im Licht der Auferstehung verstanden, so der Bischof in der steirischen Pfarre Proleb. Christliches Leben schließe den Tod mit ein; das "neue Leben" sei eines, "das den Tod nicht aus-, sondern um-klammert". Der Tod gehöre zum Leben, sei jedoch "nicht das Ende". Daraus erwachse Hoffnung, gerade "angesichts einer Zeit, die der Hoffnung und der Zukunftsperspektiven beraubt scheint".
Selbst "das vermeintlich Schrecklichste" oder "dort, wo alles dem Menschen genommen scheint" lasse Hoffnung zu, dass dies nicht das Ende oder das "ewige 'Aus'" sei. Angesichts von Kriegen, gesellschaftlichen Spannungen sowie Fragen zu Pflege, Wirtschaft und Migration gebe es viele Unsicherheiten: "Fragestellungen an das Leben und an die Zukunft gibt es genug", so Krautwaschl. "Bringen wir diese in den kommenden Augenblicken vor Ihn, vor Jesus hin, der durch den Tod hindurch uns Leben schenkt und verheißt. Denn mit Ihm und seiner Fürsprache ist uns eine gute Zukunft sicher."
Lackner: Leid der Menschen in Kriegsgebieten nicht vergessen
Auf das Leid von Menschen in Kriegsländern hat der Salzburger Erzbischof Franz Lackner am Karfreitag in einem Interview mit dem ORF Salzburg aufmerksam gemacht. Er denke an diesem Tag intensiv etwa an die Menschen in der Ukraine und bete um Segen für alle, "die in Krieg und Not ausharren müssen", so der Bischofskonferenz-Vorsitzende.
"Ich treffe viele Bischöfe, sie kommen auch hierher und klagen ihr großes Leid. Und wenn man sie fragt, was man tun kann, kommt immer als erstes, dass man bitte beten möge", fügte er hinzu. In den Kirchen geschehe dies auch jeden Tag unter anderem bei den Gottesdiensten. Zudem werde in den Pfarren regelmäßig für die Menschen in der Ukraine gesammelt.
Auch der Krieg im Nahen Osten sorge für besondere Bedrückung heuer, so der Erzbischof. Am Karfreitag solle das Leid unzähliger Menschen bewusst gemacht werden: "Das Christentum hat einen realistischen Sinn für die Wirklichkeit, in der Menschen zu leben, zu leiden oder auch zu sterben haben", sagte Lackner.
Scheuer: Kreuz zeigt Liebe Gottes
Der Linzer Bischof Manfred Scheuer hat am Karfreitag im Mariendom an die Realität von Leid und an die Verantwortung der Menschen erinnert. Das Kreuz Jesu zeige nicht nur Trostlosigkeit, sondern auch Gottes Liebe, betonte Scheuer: "Was sehen wir, wenn wir das Kreuz sehen? Einen dämonischen Gott oder Gottes Liebe zu uns?" Christliche Aufgabe sei es, die Leidenden wahrzunehmen und solidarisch mitzuleiden, aber Leid nicht zu instrumentalisieren.
"Eine Hoffnung ohne Mitleid mit den Schwachen, ein Glaube an die Auferstehung ohne Solidarität mit den Leidenden und Toten wäre hohl und leer. Mit bloßen Forderungen, Kommandos, Postulaten würden die Hungrigen noch nicht gespeist, mit Wunschträumen die Wunden noch nicht geheilt, mit Programmen allein gebe es noch keine Versöhnung", so Scheuer. Ostern und Karfreitag benötigten einander. Ostern ohne Karfreitag wäre nur Illusion und billige Vertröstung; und der Karfreitag ohne Auferstehung "eine einzige Katastrophe".
Eisenstadt: "Heil liegt in Hoffnung auf Kreuz Christi"
Die Karfreitagsliturgie mache den Kreuzestod Jesu vor 2000 Jahren gegenwärtig, darauf hat Kaplan P. Matthias Gabriel COp in seiner Predigt zur Karfreitagliturgie im Eisenstädter Dom hingewiesen: "Durch seine Wunden sind wir geheilt. Durch seine Wunden sind wir geheilt, sagt uns das Wort Gottes. Unser Heil liegt in der Hoffnung auf das Kreuz Christi." Bischof Ägidius J. Zsifkovics feierte die Messe.
Das Kreuz könne in Zeiten des Leidens helfen, so der Kalasantiner-Ordensmann. Auch Maria sei eine "gute Helferin und Fürbitterin". Und weiter: "Sie hat mit Jesus mitgefühlt, mitgelitten. Sie hat Erbarmen gehabt mit seinem Leiden. Und das bewirkte die große Liebe, die die beiden in ihrem Herzen verbunden hat. Maria ist das Urbild der Passionsbetrachtung. Und sie wollen wir anrufen und ihre Fürbitter."
Bischof Muser: "Warum?" als zentrale Frage
Bei der Karfreitagsliturgie am Freitag im Dom von Bozen hat Bischof Ivo Muser in seiner Predigt die wiederkehrende Frage "Warum?" aufgegriffen. Am Beispiel von Judas zeichnete er das Bild eines Menschen, der daran zerbricht: "'Warum?' Diese Frage hämmert in seinem Kopf." Zugleich machte der Bischof deutlich, wie nahe diese Erfahrung auch heute ist: "Wie oft kann auch ich Gott nicht verstehen?"
Der Karfreitag sei keine bloße Hinführung zum Osterfest, sondern "furchtbare Wirklichkeit - auch heute noch" und zeige, "wie brutal Menschen auch heute noch sein können". Er fordere dazu heraus, das Leid nicht zu verdrängen: "Der Karfreitag zwingt mich, die Augen nicht länger vor dem Kreuz zu verschließen." Zugleich bleibe die Hoffnung bestehen, dass "nichts (...) uns von seiner Liebe trennen" kann.
Quelle: Kathpress