
Familienverband Wien: Kinderschutz-Novelle hat Verbesserungsbedarf
Der Katholische Familienverband Wien bewertet zentrale Elemente der geplanten Novelle des Wiener Kinder- und Jugendhilfegesetzes positiv, fordert aber zugleich eine stärkere Einbindung und Unterstützung von Eltern. Anlass ist ein vorliegender Gesetzesentwurf, der derzeit von der Stadt Wien nach Abschluss der Begutachtung überarbeitet wird. Kritisch sieht der Familienverband etwa einzelne Aspekte im Ausbildungsbereich: So sei der Ansatz multiprofessioneller Teams grundsätzlich positiv, allerdings müsse sichergestellt werden, dass anerkannte Ausbildungen "möglichst bereits bei Beginn der Tätigkeit" vorliegen oder deren Abschluss verbindlich überprüft wird, hieß es in einer Stellungnahme gegenüber der Nachrichtenagentur Kathpress (Mittwoch).
Die Novelle sieht unter anderem verpflichtende Kinderschutzkonzepte, erweiterte Auskunftsmöglichkeiten aus Registern sowie eine stärkere Zusammenarbeit verschiedener Berufsgruppen vor. Insgesamt sind 27 Stellungnahmen eingegangen, die Begutachtungsfrist ist abgeschlossen. Kritik kam laut "orf.at" (7. April) u.a. von Fachleuten, die im Entwurf einen fehlenden Richtungswechsel sehen; auch die Gewerkschaft younion äußerte Bedenken und warnte vor einer möglichen Deprofessionalisierung. Der überarbeitete Entwurf soll dem Wiener Landtag vorgelegt und noch vor dem Sommer beschlossen werden. 2025 waren in Wien 4.015 Kinder und Jugendliche in der Obsorge der Stadt.
Auch Hilfen für Eltern ausbauen
Im Fokus müsse stets das Wohl des Kindes stehen, so der Katholische Familienverband. Es sei daher positiv, dass das "Kinder- und Jugend-Mainstreaming", also die Berücksichtigung der Interessen von Kindern und Jugendlichen, ausdrücklich im Gesetz verankert werden soll. Auch die Aufnahme verpflichtender Kinderschutzkonzepte für Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe in das Gesetz sei zu begrüßen. Ebenso bewertet der Verband die vorgesehene frühe Einbindung und Mitwirkungspflicht der Eltern als wichtigen Schritt, da staatliche Eingriffe "nur dort stattfinden sollen, wo es im Interesse des Kindeswohls notwendig ist".
"Generell ist uns die Stärkung der Eltern und der Elternrechte sehr wichtig", heißt es weiter. So sollten Eltern "niederschwellig und frühzeitig eingebunden und unterstützt werden". Als Beispiele nannte der Familienverband den Ausbau früher Hilfen, Angebote wie einen "Familienführerschein" sowie ergänzende Unterstützungsleistungen wie den Oma-Dienst.
Quelle: kathpress