
Barmherzigkeitssonntag: Fest der Hoffnung und des Neuanfangs
Am zweiten Sonntag der Osterzeit, heuer am 12. April, feiert die katholische Kirche den Sonntag der göttlichen Barmherzigkeit. "Die Welt braucht Barmherzigkeit, weil sie oft den Blick auf das Ewige verloren hat", hat aus diesem Anlass der polnische Steyler Missionar P. Józef Gwozdz dargelegt. In einer Zeit, die stark von materiellen Maßstäben und Individualisierung geprägt sei, gehe vielfach das Bewusstsein für die Beziehung zu Gott verloren. Die Botschaft der Barmherzigkeit eröffne demgegenüber einen anderen Zugang: "Es ist eine Liebe, die größer ist als jede Schuld, die den Menschen nicht zurückweist, sondern ihm einen neuen Anfang schenkt", so der Ordensmann am Freitag in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Kathpress.
Der Barmherzigkeitssonntag wurde im Jahr 2000 von Johannes Paul II. für die Weltkirche eingeführt. Angeregt wurde das Fest durch die Spiritualität der polnischen Ordensfrau Faustina Kowalska, die in ihren Tagebuchaufzeichnungen die Botschaft der göttlichen Barmherzigkeit festhielt. Im Zentrum steht die Überzeugung, dass sich im gekreuzigten und auferstandenen Christus die barmherzige Liebe Gottes offenbart. Theologisch wird das Fest als Vertiefung der Osterbotschaft verstanden: Die Wunden des Auferstandenen sind bleibende Zeichen dieser Liebe, die Schuld überwindet und neues Leben eröffnet.
Prägend für eigenen Lebensweg
Für P. Gwozdz ist diese Botschaft prägend für die eigene Biografie geworden. "Mein eigener Berufungsweg ist eng mit dieser Spiritualität verbunden", sagte er. Vor einem Bild des barmherzigen Jesus habe er eine grundlegende Entscheidung für die Mission getroffen, entgegen rein rationaler Überlegungen. "Ich habe dort erkannt, dass der Herr mich ruft. Menschlich hatte das keine Logik, aber innerlich war es eine klare Gewissheit." Diese Erfahrung habe ihn auf dem weiteren Weg getragen.
Die konkrete Wirkung dieser Spiritualität erlebte Gwozdz dann in seinen missionarischen Tätigkeiten in Lateinamerika und Osteuropa. In Nicaragua führte er die Andacht zur göttlichen Barmherzigkeit ein, malte ein großes Christusbild und brachte den Gläubigen den Barmherzigkeitsrosenkranz näher. "Die Menschen haben dadurch eine neue Beziehung zu Gott entdeckt - nicht als Richter, sondern als einer, der liebt, vergibt und aufrichtet", erklärte er. Ähnliche Erfahrungen machte er in Panama, wo er katechetische Initiativen und sogar ein regelmäßiges Radioprogramm zur Barmherzigkeit entwickelte: "Viele haben dadurch erstmals verstanden, dass Gott ihnen nahe ist und sie annimmt."
Besonders eindrücklich schilderte der Missionar seine Zeit in der Ukraine, wohin er sich wenige Monate nach Beginn der russischen Invasion entsenden ließ und weiterhin dort tätig ist. Die Barmherzigkeit sei dort zu einer existenziellen Erfahrung geworden - verstärkt dadurch, dass die römisch-katholischen Bischöfe des Landes 2023 erneut ein "Jahr der Barmherzigkeit" ausriefen. Regelmäßige eucharistische Anbetungen hätten vielen Menschen "Hoffnung und innere Kraft" geschenkt, so Gwozdz. Gerade in Situationen von Leid, Verlust und Unsicherheit werde deutlich, dass die Botschaft der Barmherzigkeit keine abstrakte Idee sei. "Sie gibt den Menschen die Gewissheit, dass sie nicht allein sind und dass es einen Weg durch das Leid hindurch gibt."
Vor Gott ohne Angst
Zugleich betont P. Gwozdz die sakramentale Dimension des Festes. Die Feier der Eucharistie, die Beichte sowie Gebetsformen wie die Novene oder die "Stunde der Barmherzigkeit" um 15 Uhr seien zentrale Zugänge dazu. "Es geht darum, ohne Angst zu Gott zu kommen, ihm zu vertrauen und eine persönliche Beziehung zu beginnen oder zu erneuern", so der Ordensmann. Dabei spiele auch die Fürbitte eine wichtige Rolle: "Wir können für andere beten, besonders für die Verstorbenen und deren Seelen, was wesentlich zu dieser Spiritualität gehört."
Der Barmherzigkeitssonntag erschöpfe sich jedoch nicht in liturgischen Formen. Vielmehr sei er "eine Einladung zu einem Weg", so Gwozdz weiter. Wer die Barmherzigkeit erfahre, sei gerufen, sie im Alltag weiterzugeben: "Liebe bedeutet, nicht nur für sich selbst zu leben, sondern für andere - in der Familie, in der Gemeinschaft, in der Kirche." In diesem Sinne könne das Fest helfen, den Kern des christlichen Glaubens neu zu erschließen: "Gott ist Liebe. Und diese Liebe ist stärker als alles, was den Menschen von ihm trennt."
Quelle: kathpress