
Tirol: Pfarre Jenbach entfernt Ehrungen für verurteilten Priester
Die Tiroler Pfarrgemeinde Jenbach setzt sichtbare Zeichen bei der Aufarbeitung von Missbrauchsfällen, die Mitte der 1980er Jahre vorgefallen sind. In Abstimmung mit Pfarrgremien, der Diözese Innsbruck, Fachstellen und Historikerinnen und Historikern seien einstimmige Beschlüsse gefasst, wie mit sichtbaren Spuren im Kirchenraum verantwortungsvoll umzugehen ist, teilte die Diözese Innsbruck am Montag mit. "Die Pfarre Jenbach stellt sich ihrer Verantwortung", betonte Markus Leitinger, Seelsorgeraumleiter und Pfarrkurator des Seelsorgeraums Jenbach - Wiesing - Münster. So sollen alle sichtbaren Nennungen des damaligen Pfarrers im Kirchenraum entfernt werden, insbesondere Stifterinschriften sowie Schriftzüge an Glasfenstern und anderen Objekten.
Hintergrund sind Missbrauchsfälle aus dem Jahr 1986 durch den damaligen Pfarrer und Dekan Josef Patscheider, der von 1971 bis 1986 in Jenbach tätig war. Er wurde 1986 wegen sexuellen Missbrauchs an minderjährigen Mädchen rechtskräftig verurteilt und musste auf Anordnung des damaligen Bischofs Reinhold Stecher nach Bekanntwerden der Vorwürfe die Pfarre verlassen. "Diese Taten sind durch nichts zu entschuldigen", heißt es in der Aussendung.
Leitinger erklärte, man sei sich bewusst, dass der von Patscheider begangene Missbrauch "unermessliches Leid verursacht hat und bis heute nachwirkt". Den Betroffenen gelte "ausdrückliches Mitgefühl, Respekt und aufrichtiges Bedauern", auch dafür, dass ihnen damals nicht ausreichend Glauben geschenkt worden sei.
Die Pfarre beschäftige sich seit längerer Zeit mit dem Umgang mit den noch sichtbaren Spuren Patscheiders. Der Prozess erfolge "nicht überstürzt, sondern bewusst" in Zusammenarbeit mit Pfarrgremien, diözesanen Fachstellen, Historikern, dem Bundesdenkmalamt sowie im Austausch mit Betroffenen. "Uns ist wichtig, dass Entscheidungen über kirchliche Räume und Symbole nicht von oben herab getroffen werden", erklärte Leitinger. Es brauche unterschiedliche Perspektiven, fachliche Expertise und die nötige Sorgfalt.
Die Entfernung namentlicher Ehrungen sei ein "klares und bewusstes Zeichen". Patscheider solle weder öffentlich geehrt noch als Vorbild dargestellt werden. Die entfernten Elemente würden dokumentiert, archiviert und historisch eingeordnet.
Kunstwerke bleiben erhalten
Die Bildmotive der betroffenen Glasfenster des Künstlers Fred Hochschwarzer bleiben bestehen. Sie zeigen keine Darstellung von Josef Patscheider selbst und sind als Kunstwerke Teil des Kirchenraums. Ihre künstlerische und religiöse Aussage werde jedoch klar von der Person des Täters getrennt, indem alle personenbezogenen Widmungen entfernt werden, so die Diözese.
Dies entspreche auch Rückmeldungen von Betroffenen, die einerseits die konsequente Entfernung der Namenszüge forderten, andererseits Transparenz über das Vorgehen wünschten, erklärte Leitinger.
Transparenz statt Verschweigen
Die Pfarre Jenbach wolle die Geschichte weder verdrängen, noch "unter den Teppich kehren", sondern setze "auf offene Information, auf begleitende Texte - etwa im Kirchenführer oder auf Informationstafeln". Zudem werde über Formen des Gedenkens und der Mahnung nachgedacht, die gemeinsam mit Fachleuten und - sofern gewünscht - mit Betroffenen entwickelt werden sollen.
"Uns ist bewusst, dass es keine Lösung gibt, die für alle gleichermaßen richtig ist", so Markus Leitinger. Ziel sei ein sensibler und nachvollziehbarer Umgang.
Schutzkonzepte und Aufarbeitung
Die Aufarbeitung der Vergangenheit sei untrennbar mit der Verantwortung für Gegenwart und Zukunft verbunden, so die Diözese Innsbruck. In den vergangenen Jahren seien Schutzkonzepte, Schulungen und Anlaufstellen eingerichtet worden. Alle Seelsorgeräume arbeiteten an entsprechenden Konzepten.
Im Seelsorgeraum Jenbach-Wiesing-Münster soll ein umfassendes Schutzkonzept ab Herbst 2026 vollständig umgesetzt werden, um Kinder, Jugendliche und schutzbedürftige Personen bestmöglich zu schützen.
Zudem besteht in der Diözese Innsbruck eine unabhängige Ombudsstelle, an die sich Betroffene sowie Zeuginnen und Zeugen von Missbrauch - auch anonym - wenden können. (Link: https://www.dibk.at/Media/Organisationen/unabhaengige-ombudsstelle-fuer-betroffene-von-gewalt-und-sexuellem-missbrauch)
Quelle: kathpress