
Armenien: Österreich-Ausgrabungen im Kloster Arakelots gestartet
Seit 8. April sind im nordarmenischen Kloster Arakelots umfangreiche Grabungs- und Forschungsarbeiten im Laufen. Unter der Leitung der Salzburger Armenologin Prof. Jasmine Dum-Tragut ist ein österreichisch-armenisches Team dabei, der weitgehend unbekannten Baugeschichte des Klosters auf den Grund zugehen. Trotz miserabler Witterungsbedingungen - sintflutartiger Regen, eisige Kälte und Schlamm - habe man bereits erste Fortschritte erzielt, berichtete Dum-Tragut am Dienstag gegenüber Kathpress.
Direkt vor dem Klostereingang werde strategisch gegraben, "um die Konstruktion, die Bauphasen aber auch die Bauzeit bis ins kleinste Detail zu entschlüsseln". Weiters wurde das Innere der Klostervorhalle bereits von Graffiti befreit, herumliegende Steine würden präzise nach Bauelementen und Grabsteinen sortiert. Auch einige weitere Bereiche habe man schon freigelegt. Dem Grabungsteam gehören der Salzburger Archäologen Roman Plietl und fünf Dorfarbeitern aus Atscharkut an. Die erste Arbeitsphase ist bis 23. April anberaumt.
Arakelots, ein Ensemble religiöser und weltlicher Denkmäler, liegt zwei Kilometer westlich des Dorfes Atscharkut am Fluss Kirants und bietet wertvolle Einblicke in das kulturelle und wirtschaftliche Leben des 13. Jahrhunderts. Das Kloster ist mit Wällen und Wachtürmen befestigt und verfügt u.a. über eine architektonisch bemerkenswerte Hauptkirche. Zu den Überresten der Siedlung gehören zwei Kirchen, eine Karawanserei, eine Ölmühle und eine Brücke. Arakelots war einst ein pulsierendes mittelalterliches Handelszentrum an der armenischen Seidenstraße, wurde ab dem 17. Jahrhundert aber weitgehend verlassen und aufgegeben und ist auch noch kaum erforscht.
Dum-Tragut strebt eine umfassende Erforschung der Geschichte und Baugeschichte des Klosters, der Siedlung sowie aller 32 registrierten Kulturdenkmäler an - ergänzt durch dringend notwendige Stabilisierungsmaßnahmen zu deren Schutz und Erhalt. Dazu gehören laut der Armenologin die Untersuchung und Restauration des Freskos in der Klosterkirche sowie Erhaltungsarbeiten an Siedlungsgebäuden und fünf weiteren Kirchen. All dies soll in enger Abstimmung mit der lokalen Bevölkerung in den durch die aserbaidschanische Grenznähe benachteiligten Dörfern umgesetzt werden.
Der Ort der Grabungen befindet sich in einer geopolitischen schwierigen Region im armenisch-aserbaidschanischen Grenzgebiet. Deshalb sehen die Pläne Dum-Traguts auch die Einrichtung eines Kulturerbe-Wanderweges vor. Es gehe ihr darum, "Frieden zu fördern, lokale Kapazitäten zu stärken, Bildung zu verbessern und einen nachhaltigen, sanften Tourismus zu fördern, der den Erhalt des Natur- und des Kulturerbes mit einbezieht". Am wichtigsten sei, "dass dies alles mit und für die lokale Bevölkerung geschieht". Das Projekt solle die lokale Bevölkerung in die Lage versetzen, "ihr eigenes Erbe zu verwalten und dadurch das Gefühl der Verbundenheit zu einem bestimmten Ort zu stärken".
Europa Nostra-Kulturstätte
Dum-Tragut hat es geschafft, dass Arakelots in das internationale Programm der sieben am stärksten gefährdeten europäischen Kulturstätten "Europa Nostra 7 most endangered" aufgenommen wurde. Das Programm "7 Most Endangered" wurde 2013 vom europäischen Denkmalschutz-Verbund Europa Nostra und der Europäischen Investitionsbank ins Leben gerufen. Das Programm identifiziert gefährdete Denkmäler und Stätten in Europa und mobilisiert öffentliche und private Partner auf lokaler, nationaler und europäischer Ebene, um eine tragfähige Zukunft für diese Stätten zu finden.
Eine offizielle Delegation von Europa Nostra wird nächste Woche vor Ort in Arakelots erwartet. Im Rahmen des Europa-Nostra-Besuchs sind zudem auch in der armenischen Hauptstadt Jerewan Gespräche mit hohen Regierungsvertretern, der armenischen UNESCO-Kommission und mit dem armenisch-apostolischen Kirchenoberhaupt Katholikos Karekin II. geplant. Die armenische Kirche zeige großes Interesse an den Forschungen und den Plänen zur nachhaltigen Reaktivierung des vergessenen Klosters, so Dum-Tragut.
Am 17. April findet zudem ein Symposium an der regionalen Universität in Idschewan statt, bei dem lokale Bewohner, die Führungsspitzen von Regierung, Kirche, Denkmalämtern und weiteren Institutionen über das Projekt informiert werden sollen.
Quelle: kathpress