
Salzburg: Tagung über ambivalente Rolle der Religion in Kriegszeiten
Die ambivalente Rolle der Religionen in Konflikten und Kriegen steht im Fokus einer Fachtagung, die am 21./22. April im Salzburger Bildungshaus St. Virgil stattfindet. Unter dem Titel "Religionen, Krieg und Frieden" soll das Friedenspotenzial der Religionen ausgelotet und zugleich deren ambivalente Rolle in Konflikten kritisch reflektiert werden, heißt es in der Einladung. Ausgerichtet wird die Tagung gemeinsam von St. Virgil, der Kommission Weltreligionen der Österreichischen Bischofskonferenz, der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule Edith Stein, der Privaten Pädagogischen Hochschule Augustinum Graz sowie dem Zentrum Theologie Interkulturell und Studium der Religionen der Universität Salzburg.
Ausgangspunkt der Tagung sei die Beobachtung, dass mit der zunehmenden Nähe und Zerstörungskraft aktueller Kriege auch die Sehnsucht nach Frieden wächst - und damit die Aufmerksamkeit auf religiöse Traditionen als mögliche Ressourcen oder auch Konfliktfaktoren. Während etwa jüdisch-christliche Überlieferungen von der Vision sprechen, "Schwerter zu Pflugscharen" zu machen, verstehe sich der Islam dem Namen nach als Religion des Friedens, und auch im Buddhismus wird Gewaltlosigkeit zentral betont. Gleichzeitig sind religiös aufgeladene Konflikte weiterhin Teil der globalen Realität, so die einladenden Organisationen.
Eröffnung durch Militärbischof Freistetter
Zu Wort kommen bei der Tagung Vertreterinnen und Vertreter unterschiedlicher Religionsgemeinschaften sowie aus Wissenschaft und Praxis. Eröffnet wird die Veranstaltung am Dienstagabend mit einem Impuls von Militärbischof Werner Freistetter, der unter Bezug auf das Zweite Vatikanische Konzil über den Dienst an "Sicherheit und Freiheit der Völker" sprechen wird. Im Anschluss referiert Cesare Zucconi, Generalsekretär der Gemeinschaft Sant'Egidio in Rom, über christliche Verantwortung für den Frieden.
Der Mittwoch steht im Zeichen interdisziplinärer und interreligiöser Perspektiven. Den Auftakt bildet ein Vortrag der Leiterin des Büros der Vereinten Nationen für Abrüstungsfragen, Rebecca Jovin, die den Zusammenhang von Abrüstung und Friedenssicherung beleuchtet. Es folgt eine religionswissenschaftliche Einordnung durch den Grazer Religionswissenschaftler Franz Winter.
Interreligiöse Akzente
Im weiteren Verlauf werden spezifische religiöse Zugänge thematisiert: Islamische Perspektiven präsentieren der Wiener Militärimam Kenan Corbic und der Hauptimam Senad Kusur. Jüdische Sichtweisen bringt die Landesrabbinerin Esther Jonas-Märtin ein. Beiträge zu buddhistischen Ansätzen kommen von Gerald Schinagl, während christliche Positionen von den Theologen Ioan Moga und Katja Winkler diskutiert werden.
Ergänzt wird das Programm durch einen "Marktplatz für Friedensinitiativen", bei dem Organisationen wie Sant'Egidio, Pax Christi Österreich, der Internationale Versöhnungsbund (IFOR) oder das Friedensbüro Salzburg ihre Arbeit vorstellen. Auch Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Religionsgemeinschaften sind eingebunden. (Infos: www.kommissionweltreligionen.at)
Quelle: kathpress