
ARGE Weltläden trotzen Einzelhandelskrise
Während der österreichische Einzelhandel unter Druck steht, trotzen die Weltläden - die sich für fairen Handel, Nachhaltigkeit und Umweltschutz einsetzen - der Krise. Obwohl der Gesamtsektor durch sinkende Umsätze, steigende Insolvenzen und zunehmende Leerstände geprägt sei, bildeten die Weltläden "ein Gegenmodell zum konventionellen Handel", so die Obfrau der ARGE Weltläden Gerti Jaksch-Fliegenschnee und Geschäftsführerin Johanna Aigner bei einer Pressekonferenz am Donnerstag. "Die Weltläden zeigen, dass auch ein anderes Modell möglich ist, das sozial und ökologisch verantwortlich wirtschaftet und auf bewussten Konsum setzt", so Aigner. Seit 2005 habe sich der Umsatz der heute insgesamt 89 Weltläden bis zum Jahr 2025 auf 15 Millionen Euro verdoppelt.
Fairer Handel sei kein Nischenmodell, sondern ein zukunftsfähiges Gegenmodell zum kriselnden Handel. Der Schlüssel des Erfolgs der Weltläden sei es, "verlässliche Nahversorger für fair produzierte Produkte und Biolebensmittel" zu sein, sagte Jaksch-Fliegenschnee. Zudem seien die Weltläden in vielen Gemeinden heute die letzten verbliebenen Frequenzbringer in den Innenstädten. "Weltläden sind nicht nur Geschäfte, sondern Orte der Begegnung, der qualifizierten Beratung und bewusster Kaufentscheidungen mit Wohlfühlfaktor", so Jaksch-Fliegenschnee. Das könne kein Onlineshop ersetzen. Zudem steckten hinter dem Onlinehandel meist ausbeuterische Verhältnisse, betonte Aigner.
Bildungsauftrag
Auch die Bewusstseinsbildung für fairen Handel wollen die Weltläden voranbringen. So kümmern sich Bildungsbeauftragte um Vorträge in Schulen; auch in den Weltläden werden Events angeboten, die über die Richtlinien von fairem Handel aufklären. Seit 2022 bieten die Weltläden auch eine App an, "die fairen Händel digital und interaktiv erlebbar macht", erklärte Aigner. Sie informiert über das Sortiment und die Menschen hinter den Weltladen-Produkten. Auch Online-Gespräche mit Produzenten werden angeboten. Auch die Mitarbeitenden werden kontinuierlich weitergeschult. Derzeit arbeiten 900 ehrenamtliche Mitarbeitende und 187 vorwiegend Teilzeit-Angestellte in den Weltläden.
Das Sortiment besteht aus fair gehandelten Lebensmitteln, aber auch Schmuck, Lederwaren, Körperpflegeprodukten und Bio-Fairer Mode aus Afrika, Asien und Lateinamerika. Bei den europäischen Lebensmittelprodukten ist eine Bio-Zertifizierung in den Weltläden Voraussetzung. Rohstoffe aus Asien, Afrika und Lateinamerika, die dabei mitverarbeitet werden, müssen die WFTO- oder FAIRTRADE-Standards erfüllen bzw. verbraucherverbandsgeprüft sein.
"Mit dem Kauf eines fairen Produkts rettet man vielleicht nicht die Welt, aber man ermöglicht den Produzentinnen und Produzenten, ein menschenwürdigeres Leben zu gestalten", so Jaksch-Fliegenschnee. Gewinne, die nicht häufig seien, würden direkt an die Projekte und Produzentinnen und Produzenten sowie in die Weltläden zurückfließen, so Aigner.
Klimaschutz
Oft werde argumentiert, dass die Weltläden hohe Transportwege in Kauf nehmen. "Doch was wäre die Alternative? Aufzuhören, von Bäuerinnen und Händlern im Globalen Süden zu kaufen?", sagte dazu Aigner. Im Hinblick auf Klimakatastrophen und Umweltschutz würden insbesondere diese Länder Hilfe benötigen. Die Weltläden arbeiten vorrangig mit wirtschaftlich und politisch benachteiligten Partnergruppen zusammen. Die Partnerinnen und Partner im Globalen Süden sind meist kleinbäuerliche Betriebe, die mit biologischen Mischkulturen arbeiten und damit einen bedeutenden Beitrag zu Klima- und Bodenschutz leisten.
"Fairer Handel und Klimaschutz gehören untrennbar zusammen, denn fairer Klimaschutz finanziert Umweltschutz dort, wo er am wirkungsvollsten ist und am dringendsten gebraucht wird." So hat die ARGE Weltläden im Vorjahr auch einen Partnerfonds eingerichtet. Mit dem Fonds können Spenden gesammelt und gezielt für Projekte der anerkannten Lieferanten-Partnerorganisationen oder zur Abfederung von Schäden durch Klimakatastrophen eingesetzt werden.
Die ARGE Weltläden ist der österreichische Dachverband zur Förderung, Vernetzung und Professionalisierung der Weltläden. Sie vertritt 88 Standorte in ganz Österreich, hat 1993 FAIRTRADE Österreich mitbegründet und arbeitet seit fast 50 Jahren für fairen Handel.
(Info: https://www.weltladen.at/)
Quelle: kathpress