
Bischof Glettler traf ungarische Botschafterin zu Gedankenaustausch
Der Innsbrucker Bischof Hermann Glettler hat die ungarische Botschafterin in Österreich, Edit Szilágyiné Bátorfi, zu einem Gedankenaustausch über aktuelle gesellschaftliche, politische und kirchliche Herausforderungen getroffen. Bei der Begegnung im Innsbrucker Bischofshaus im Rahmen einer Bundesländertour Bátorfis sei u. a. die Situation in Ungarn nach den Parlamentswahlen, die Frage von Identität im europäischen Kontext und die gemeinsame Sorge um Frieden im Nahen Osten besprochen worden, teilte die Diözese Innsbruck am Freitag mit.
Ausgangspunkt des Gesprächs war den Angaben zufolge die aktuelle politische Wende in Ungarn. In dieser entscheidenden Phase einer politischen Neuausrichtung gehe es darum, "das Gift der ideologischen Polarisierung so gut wie möglich zu entfernen und mit Gesprächen und konkreten Schritten der Verständigung ein Grundmaß an Vertrauen" wieder aufzubauen, so Bischof Glettler. Nach Ansicht der Botschafterin sind nun alle gesellschaftlichen Akteure gefragt, um die vorhandenen Gräben zu überwinden. "Der seelische Zustand unserer Gesellschaft braucht jetzt unsere Aufmerksamkeit. Diplomatie und Kirche sind belastbare Brücken, um das Gemeinsame über das Trennende zu stellen", so Bátorfi.
"Identität nicht als Abschottung missverstehen"
Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs war die Frage von Identität im europäischen Kontext, hieß es weiter. Die Botschafterin hob hervor, wie wichtig es sei, kulturelle Eigenständigkeit im globalen und speziell auch im europäischen Kontext wahren zu können. Bischof Glettler unterstrich die Bedeutung der EU und gab zu bedenken, dass "Identität nicht als Abschottung missverstanden werden sollte, sondern sich durch Beziehungen, Austausch und Dialog bildet". Jede Vorstellung einer kulturellen, religiösen oder weltanschaulichen Festung widerspreche einem nachhaltig positiven Aufbau einer Gemeinschaft auf der Basis lateraler Beziehungen.
Zur Sprache kam laut Mitteilung auch die Lage im Nahen Osten und der notwendige Schutz der Christen in der Region. Deren Abwanderung in den Westen könne nur mit höchster gemeinsamer Anstrengung verhindert oder zumindest verlangsamt werden. Die Rolle von Papst Leo XIV. sei im Gedankenaustausch zwischen Bischof und Botschafterin mehrfach gewürdigt worden. Dessen Klarheit und unmissverständlicher Einsatz für Dialog, Versöhnung und Frieden sei ein "enormes Hoffnungszeichen".
Quelle: kathpress