
Welttag des Buches: Stift Lambach gewährt Einblicke in Bibliothek
Anlässlich des Welttags des Buches (23. April) lädt das oberösterreichische Benediktinerstift Lambach ein, seine Bibliothek und Kulturschätze zu erkunden. "Unsere Stiftsbibliothek ist ein Raum, in dem Glaube, Wissenschaft und Kunst zu einer eindrucksvollen Einheit verschmelzen", so Stiftbibliothekar Jakob Stoiber in einer Aussendung der Ordensgemeinschaften. So beherbergen die beiden prachtvoll ausgestalteten Säle 50.000 zum Teil historische Bände sowie auch das "Bücherrad" als besonderes Highlight aus der Barockzeit. Die Bibliothek kann während einer Führung bis zum 31. Oktober mittwochs bis sonntags besichtigt werden.
Auf zwei Säle verteilt werden heute rund 18.000 historische Bände in der Stiftsbibliothek Lambach verwahrt. Die Benediktiner von Lambach verstanden Bildung stets als eine ihrer zentralen Aufgaben, berichtete Stoiber. Schon früh habe sich das Kloster zu einem geistigen Zentrum der Region entwickelt, mit einer Schreib- und Studierstube, in der Handschriften kopiert, ergänzt und kommentiert wurden. Bekannt sei vor allem das Rituale von Lambach, das "mit ganz feinen Federzeichnungen aus dem 13. Jahrhundert beeindruckt".
Im Großen Bibliothekssaal können Besucherinnen und Besucher eine Erfindung besichtigen, die den Brüdern die Lektüre der schweren Bücher, die zumeist nur stehend gelesen werden konnten, erleichterte. "Ganz so, wie wenn man heute auf einem Bildschirm mehrere Browserfenster nebeneinander öffnet, konnten die Benediktinermönche von damals mithilfe des Bücherrads gleichzeitig und rasch bis zu acht schwere Bücher durchforsten und Inhalte ohne Kraftanstrengung miteinander vergleichen", erklärte Stoiber.
Das barocke "Multi-Screening-Tool" setzte mit einer ausgeklügelten Zahnradmechanik ein Rad in Bewegung, an dem mehrere Lesepulte befestigt sind. Mittels Schwenkmechanismus konnten die Mönche damit je nach Bedarf das gewünschte Buch zu sich holen. Das Lambacher Bücher-Drehpult aus dem Jahr 1730 stellt eine Weiterentwicklung dieser "Multi-Screening-Maschinerie" dar. Es verfügt über vier um die Längsachse drehbare Pulte und weist als Unterbau einen beidseitig zugänglichen Schreibtisch auf.
Wesentlich leichter ist es heute für Interessierte geworden, die Bestände von Ordensbibliotheken zu durchforsten: Rund 15.000 Bände, die zum modernen Bestand zählen, werden im Stift Lambach seit 2022 schrittweise im Bibliotheksprogramm "KOBi" erfasst. Die vom Bereich Kultur und Dokumentation der Österreichischen Ordenskonferenz in enger Zusammenarbeit mit der Erzabtei St. Peter angebotene Plattform ist öffentlich zugänglich und ermöglicht es, unter https://kobi.ordensgemeinschaften.at alle bisher erfassten Bestände von neun österreichischen Ordensbibliotheken online einzusehen und zu durchsuchen.
Die Bestände beinhalten nicht nur geistliche Literatur, sondern auch wissenschaftliche Werke aus Musik, Astronomie, Geometrie, Arithmetik, Grammatik, Dialektik und Geschichtsschreibung oder gar Alchemie. "Theologie und Weltwissen stehen einander nicht gegenüber, sondern bilden eine Einheit", so Stoiber. Auch Kunstfreunde kommen in der Stiftsbibliothek auf ihre Kosten. So hat der auffallend niedrige, weitgespannte Große Saal eine eindrucksvolle Deckenmalerei: Fresken und Al-secco-Arbeiten von Melchior Steidl (1657-1727) und einem seiner Schüler überziehen die gesamte Fläche. (Info: www.stift-lambach.at)
Quelle: kathpress