
Bischof Turnovszky für Klarnamenspflicht in der EU
Der Wiener Weihbischof Stephan Turnovszky spricht sich für eine Klarnamenspflicht im Internet auf EU-Ebene aus. In einem Gastkommentar für die Wochenzeitung "Die Tagespost" (online am 21. April) plädiert er dafür, digitale Kommunikation stärker an reale Identitäten zu binden. Das "Einstehen mit Namen und Identität" würde die Qualität des öffentlichen Diskurses "drastisch verbessern", meinte der Bischof. Dazu müsse jeder Beitrag im Internet durch den realen Namen der veröffentlichenden Person gekennzeichnet sein.
Namen seien "wie eine Brücke zwischen zwei Personen" und ermöglichten Kontakte und echte Begegnung, schrieb der Weihbischof und Wiener Bischofsvikar. Anonymität hingegen begünstige häufig respektlose Kommunikation: Aus der Deckung heraus - etwa durch selbst gewählte Nicknames - würden Menschen ihre Identität verbergen oder sich ohne Risiko einer Selbstoffenbarung als bestimmter Persönlichkeitstyp geben. Andererseits würden dabei allzu leicht auch "Vorwürfe, Herabwürdigungen, Beschimpfungen und Beleidigungen" geäußert.
Der Weihbischof betonte seine Unterstützung für Meinungsfreiheit. Gerade deshalb sollten Menschen auch zu ihren Aussagen stehen. Eine Klarnamenspflicht könne dazu beitragen, Verantwortung im digitalen Raum zu stärken, vergleichbar mit klassischen Leserbriefen. Für Christen gelte, dass "ein Nein ein Nein und ein Ja ein Ja sein soll" und sie wüssten, "dass jede öffentliche Äußerung ein Zeugnis ist", so Turnovszky. Dabei seien jedoch Zeugnisse aus der Deckung der Anonymität ohne die Qualität einer Begegnung von Mensch zu Mensch nutzlos.
Zugleich sah Turnovszky den Vorschlag im Einklang mit dem Gedanken der Synodalität, der auf eine respektvolle und verantwortungsbewusste Gesprächskultur abzielt. Eine Klarnamenspflicht könne einen Beitrag zum besseren gesellschaftlichen Miteinander leisten.
Quelle: kathpress