
Inklusion im Kindergarten: Bildungsträger für Fördersystem-Reform
Die "Träger*inneninitiative Elementare Bildung Wien" hat die am Montag im Wiener Gemeinderat beschlossene Erhöhung der Inklusionsförderung für Kindergärten begrüßt. Diese trage dazu bei, dass mehr Kinder mit einem erhöhten Betreuungsbedarf einen Kindergartenplatz bekommen. Dennoch blieben strukturelle Probleme des aktuellen Fördersystems weiterhin ungelöst. So würden bislang jährlich gewährte Sonderförderungen für das Jahr 2026 entfallen, was zu Unsicherheiten für Trägerorganisationen führe, betonte die Initiative, bestehend aus Diakonie Bildung, Kinderfreunde Wien, Kinder in Wien (KIWI) und St. Nikolausstiftung, in einer Aussendung am Dienstag. Der Zusammenschluss fordert "eine grundlegende Reform des Fördersystems statt punktueller Nachbesserungen".
Ohne eine entsprechende Grundförderung gelinge keine qualitativ hochwertige inklusive Bildungsarbeit, betonten die Bildungsträger. Die derzeitige Förderstruktur sei nicht mehr zeitgemäß, führe weiterhin zu Unsicherheiten für Trägerorganisationen und erschwere die Personalbindung. Trägerorganisationen müssten rasch und verbindlich in die Entwicklung eines neuen Fördersystems eingebunden werden. "Eine strukturelle Absicherung und echte Mitgestaltung sind notwendig, damit qualitätsvolle und inklusive Bildungsarbeit langfristig möglich ist", so "Elementare Bildung Wien".
Seitens der St. Nikolausstiftung verwies man zudem auf die unterschiedlichen Förderungen für öffentliche und private bzw. von Vereinen geführte Kindergartenplätze, die Elternbeiträge einheben müssten, um kostendeckend arbeiten zu können. Inklusion gelinge nur, wenn auch der Regelkindergarten gut abgesichert sei, erklärte Elmar Walter, Geschäftsführer der St. Nikolausstiftung, gegenüber Kathpress. "Wir brauchen verlässliche Strukturen und faire Rahmenbedingungen, damit wir künftig noch mehr Kinder mit Inklusionsbedarf im Regelkindergarten bestmöglich begleiten können. Hier ist die Stadt Wien gefordert, diese Voraussetzungen nachhaltig mit einem neuen Fördersystem sicherzustellen."
Am Montag wurden erstmals die exakten Ausgaben für Plätze in städtischen und privaten Kindergärten bekannt gegeben, wie die APA berichtete. Ein städtischer Kindergartenplatz kostet durchschnittlich 13.767 Euro pro Jahr. Private Träger wiederum erhalten 9.088 Euro pro Jahr und Kind. Der Unterschied ergibt sich laut Angaben der zuständigen Stadträtin, Vizebürgermeisterin Bettina Emmerling (NEOS), auch aus dem Umstand, dass die städtischen Einrichtungen mit rund 1.100 Integrationsplätzen und 400 heilpädagogischen Plätzen rund 90 Prozent des Gesamtbedarfs in diesem Bereich abdecken.
Für die Jahre 2026 bis 2029 stellt die Stadt bis zu 86,6 Millionen Euro bereit, davon 20,8 Millionen Euro im Jahr 2026, wie aus den Ratshauskorrespondenzen hervorgeht. Die Förderrichtlinie soll vereinfacht werden, eine Begrenzung für Integrationsgruppen wegfallen, um mehr Plätze zu schaffen. Gefördert werden sollen unter anderem zusätzliches Personal, spezielle Materialien und Unterstützungsangebote.
Nach eigenen Angaben betreuen Diakonie Bildung, Kinderfreunde Wien, Kinder in Wien (KIWI) und St. Nikolausstiftung rund 28.000 Kinder und decken damit rund 30 Prozent des elementaren Bildungs- und Betreuungsbedarfs in den Wiener Kindergärten und Horten ab.
Quelle: kathpress