
Goldenstein-Nonnen: Verstimmung um nun doch durchgeführte Romreise
Entgegen einer anderslautenden Ankündigung haben die drei Nonnen aus dem Salzburger Kloster Goldenstein nun doch eine geplante Reise nach Rom angetreten und am Mittwoch an der Generalaudienz von Papst Leo XIV. auf dem Petersplatz teilgenommen. Zuvor hatte es Irritationen über den Reiseverlauf gegeben. Noch am Dienstagvormittag hatten Unterstützer in einer offiziellen Stellungnahme bekanntgegeben, die Reise sei abgesagt. Als die Nonnen gleich anschließend im Kloster nicht erreichbar waren, meldete ihr Vorgesetzter, Propst Markus Grasl, die Schwestern als abgängig und äußerte Sorge um ihr Wohlergehen.
In einer Pressemitteilung des Helferteams der Nonnen hieß es am Mittwochmorgen dann, die drei Augustiner-Chorfrauen seien am Dienstagnachmittag "wohlbehalten in Rom eingetroffen" und hätten "die Reise in letzter Minute antreten können, nachdem ihnen von den zuständigen Institutionen grünes Licht signalisiert worden war". Das vatikanische Ordensdikasterium sei in diese Entscheidung eingebunden gewesen, auch habe man den Assistenten von Propst Grasl, Erzabt Jakob Auer, "stets über jeden Schritt der Schwestern informiert", wurde weiters behauptet.
Erzabt kritisiert Falschinformationen
Völlig entgegengesetzt las sich eine Mitteilung kurz darauf von Grasls Sprecher, Harald Schiffl. Die Reise dürfte fast gleichzeitig zur offiziellen Absage derselben begonnen worden sein, hieß es darin. Zitiert wurde auch Erzabt Auer, der "falsche" Informationen durch den Goldenstein-Unterstützerkreis kritisierte und den "Personen, die hinter dieser Aktion stehen", damit verfolgte Eigeninteressen vorhielt.
Ihm gegenüber hätten die Schwestern im Vorfeld bereits mehrfach versichert, sie würden die ihnen angebotene Romreise nicht antreten, so Auer; unter anderem deshalb, da die Konstitutionen ihrer Gemeinschaft eine solche Reise nicht vorsähen und das zuständige Dikasterium in Rom eine Genehmigung dazu erteilen müsse. Eine solche liege nach Information der zuständigen Stellen entgegen anderslautender Aussagen nicht vor. Auer gab an, über die bereits angetretene Reise durch einen Anwalt der Schwestern erfahren zu haben, ohne dass darin Gründe genannt worden seien.
Der Mitteilung zufolge führte Erzabt Auer schon in den letzten Monaten "intensive Gespräche mit den Schwestern, um eine gute und sichere Zukunft im Kloster Goldenstein zu ermöglichen", was in enger Absprache mit dem Propst Grasl geschehen sei. Auer: "Wir waren kurz vor Abschluss der Vereinbarung über den positiven Verbleib der Schwestern im Schloss Goldenstein, alles war abgesprochen und klar." Da er die Schwestern seit Dienstag nicht erreiche, befürchte er, sie würden bewusst von ihm ferngehalten.
Keine Reise-Genehmigung
Aus dem Vatikan wurde gegenüber Kathpress bestätigt, dass das Dikasterium für die Institute des geweihten Lebens und der Gesellschaften des apostolischen Lebens die Reise "nicht erlaubt" hatte. Die Schwestern hätten "handschriftlich darauf verzichtet", hieß es. Von daher seien auch anderslautende Aussagen von Wolfgang Rothe, dem selbstgewählten Rechtsbeistand der Schwestern, "inhaltlich falsch".
Erzdiözese hofft auf Ruhe
Verwunderung über die Vorgangsweise signalisierte auch die Erzdiözese Salzburg. Man verfolge die jüngsten Ereignisse rund um die Augustiner Chorfrauen von Goldenstein "mit großer Sorge", hieß es am Mittwoch in einer Stellungnahme gegenüber Kathpress, bezugnehmend auf die widersprüchlichen Meldungen und Aussagen des Unterstützerkreises. Dies erschwere eine auf Vertrauen basierende Kommunikation sehr, untergrabe erneut Versuche einer Lösung und gefährde die Schwestern, so die Erzdiözese Salzburg.
"Offensichtlich" sei auch aus Sicht der Erzdiözese, "dass die drei Ordensfrauen längst zum Spielball der Interessen anderer geworden sind". Die Stellungnahme schloss mit der Hoffnung, dass die Nonnen "wohlbehalten zurückkehren und ihren Lebensabend bald in der von ihnen gewünschten Ruhe und Kontemplation verbringen können".
Monatelanger Konflikt
Der Fall der über 80-jährigen Nonnen sorgt seit Monaten international für Aufmerksamkeit. Hintergrund ist ein seit 2025 andauernder Konflikt über ihren Verbleib im Kloster Goldenstein. Anfang September waren sie gegen den Willen ihres zuständigen Oberen, Propst Grasl von Stift Reichersberg, aus einem Seniorenheim in ihr früheres Kloster zurückgekehrt. Das Gebäude gehört seit 2022 der Erzdiözese Salzburg und dem Stift Reichersberg. Die Schwestern geben an, ihnen sei ursprünglich ein lebenslanger Verbleib zugesagt worden; nach Krankenhausaufenthalten mussten sie Ende 2023 dennoch in ein Heim übersiedeln.
Zwischenzeitlich gab es auch einen gerichtlichen Konflikt innerhalb der Unterstützer der Nonnen und rund um ihren früheren Instagram-Kanal der Goldenstein-Schwestern, mit dem ihr Schicksal über die Grenzen hinaus bekannt wurde.
Quelle: kathpress