
Studie: Pflegende leiden unter Anfragen für Sterbehilfe
Pflegefachkräfte, die mit Anfragen zur Beihilfe zum Suizid oder Tötung auf Verlangen konfrontiert werden, leiden häufiger als bisher angenommen unter moralischem Stress, Gewissenskonflikten und psychischen Belastungen. Das berichtet das Wiener Institut für medizinische Anthropologie und Bioethik (IMABE) unter Verweis auf eine aktuelle internationale Übersichtsstudie einer deutschen Forschergruppe, die 25 Studien aus verschiedenen Ländern ausgewertet hat.
Wie IMABE berichtet, reichen die Reaktionen von Unbehagen, Schuld- und Angstgefühlen bis hin zum Verlassen des Pflegeberufs. Besonders hoch sei der Druck, wenn Pflegende gegen ihren Willen zur Mitwirkung an einer Tötungshandlung gedrängt werden. Viele würden negative Emotionen mit nach Hause nehmen und täten sich schwer, diese zu verarbeiten. Eine Studie der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin zeige zudem, dass 82 Prozent der Befragten nicht bei einem assistierten Suizid mitwirken möchten.
Die Studienautoren - darunter die Pflegewissenschaftlerin Anette Riedel, Mitglied des Deutschen Ethikrates - fordern offene Gesprächskulturen in Gesundheitseinrichtungen, klare Rollenbeschreibungen sowie spezifische ethische Ausbildungsangebote für Pflegefachkräfte.
IMABE-Direktorin Susanne Kummer sieht in den Ergebnissen auch eine Botschaft für Österreich: "Diese nun erstmals umfassende internationale Erhebung mitsamt ihren Schlussfolgerungen sollte von den politischen Verantwortlichen in Österreich ernst genommen werden. In Österreich wurden bereits mehr als 1.000 Anträge auf Beihilfe zum Suizid errichtet. Auch knapp fünf Jahre nach der Einführung des Sterbeverfügungsgesetzes ist keinerlei wissenschaftliche Begleitung und Evaluierung gesetzlich vorgesehen. Das sollte im Zuge der Novellierung des Gesetzes geändert werden."
Quelle: kathpress