
Inklusion: Familienverband für Erhalt spezialisierter Schulformen
Nachholbedarf und "nötiges Fingerspitzengefühl" ortet der Katholische Familienverband Österreichs (KFÖ) beim Thema Inklusion und Familien. "Inklusion heißt: gleicher Inhalt, aber unterschiedliche Wege dorthin. Das gelingt nur mit ausreichend Ressourcen und gut ausgebildeten Pädagoginnen und Pädagogen", so Andrea Kahl, Leiterin des KFÖ-Schularbeitskreises in einer Aussendung am Donnerstag. Der Nationale Aktionsplan zur Inklusion müsse hier konsequent umgesetzt werden. Zwar sollte jedes Kind das Recht auf einen inklusiven Schulplatz haben, zusätzlich brauche es individuelle Förderungen, das Weiterbestehen spezialisierter Schulformen und die Wahlfreiheit für Familien: "Eltern wissen meist sehr genau, was ihre Kinder brauchen und müssen auch entsprechend entscheiden können."
Hintergrund sind die von Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) präsentierten Reformpläne für schulische Inklusion, wie ein Anspruch auf zusätzliche Schuljahre für Jugendliche mit Behinderungen, Reformen in der Lehrkräfteausbildung, eine Neugestaltung des "Sonderpädagogischen Förderbedarfs" (SPF) sowie eine stärkere Durchlässigkeit im Bildungssystem.
Für den Katholischen Familienverband bedeute Inklusion nicht Gleichmacherei, sondern gemeinsames Lernen mit unterschiedlichen Methoden, hieß es in der Aussendung. Ferner betonte der Verband die Rolle spezialisierter Schulformen, die weiterhin bestehen bleiben sollten, unabhängig von der jeweiligen Bezeichnung, ob Sonderschule, sonderpädagogisches Zentrum oder Förderschule. Zielgruppe dafür seien "jene Kinder, die sie tatsächlich benötigen und die bessere Lernfortschritte in homogenen, kleinen Gruppen erzielen". Solche Angebote dürften laut der Bildungsexpertin nicht verschwinden; sie seien "aber auch nicht als Ausweichlösung gedacht, wenn Integration im Regelsystem an fehlenden Ressourcen scheitert".
Handlungsbedarf sieht der Familienverband zudem in der Ausbildung von Pädagoginnen und Pädagogen. So seien sonderpädagogische Inhalte derzeit häufig nur als Schwerpunkt oder Vertiefung wählbar. "Hier braucht es eine verbindliche Verankerung in der Grundausbildung." Auch geeignete Lehr- und Lernmaterialien müssen verstärkt zur Verfügung gestellt werden, meinte Kahl.
Ferien- und Nachmittagsbetreuung
Doch Inklusion endet nicht bei der Schule. Auch passende Ferien- und Nachmittagsbetreuungsangebote sind essenziell. "Für Eltern von Kindern mit Behinderungen ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf nach wie vor eine große Herausforderung, oft sogar unmöglich. Es braucht ausreichend inklusive Betreuungsplätze und entsprechende finanzielle Unterstützung, damit echte Wahlfreiheit möglich wird", fordert Kahl.
Positiv bewertet der Familienverband hingegen das im Regierungsprogramm verankerte 11. und 12. Schuljahr für betroffene Kinder. "Wir wissen, dass bei vielen Kindern - etwa mit Trisomie 21 - das Lernfenster lange offen ist und gerade in diesem Alter große Fortschritte möglich sind. Dieser Rechtsanspruch sollte rasch umgesetzt werden."
Begrüßt wird zwar auch das klare Bekenntnis zur Inklusion von Bildungsminister Wiederkehr. Gleichzeitig mahnte der Familienverband zur Vorsicht: "Es darf nicht passieren, dass unter dem Anspruch der Inklusion bewährte Strukturen aufgegeben werden und Reformen am Ende zu einem Qualitätsverlust führen." Weiters erinnerte der KFÖ an die zentrale Rolle der Schulpartnerschaft: "Betroffene Eltern, Schüler/innen und Pädagoginnen und Pädagogen müssen unbedingt in Reformprozesse eingebunden werden - sie sind die wahren Expertinnen und Experten, wenn es um gelingende Inklusion geht."
Quelle: kathpress