
Die Eisheiligen: Klimaerwärmung holt Märtyrer ein
"Die Pankrazi, Servazi und Bonifazi sind drei frostige Bazi und zum Schluss fehlt nie die kalte Sophie": So lautet eine Bauernregel, die anhält, die Gedenktage der Eisheiligen vorbeiziehen zu lassen, ehe die Aussaat erfolgt, um sie keinem Frost auszusetzen. Vom 11. bis zum 15. Mai wird traditionell ein Kälteeinbruch erwartet, der mit den Heiligen Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und Sophia in Zusammenhang gebracht wird. Tatsächlich trifft Österreich in den kommenden Tagen eine Kaltfront. Der Montag startet mit Regenschauern, Gewittern und lebhaftem Wind, nachts sinken die Temperaturen stellenweise auf 0 Grad. Doch die "Eisheiligen"-Prognose dürfte im Hinblick auf den zunehmenden Klimawandel meteorologische Relevanz einbüßen.
Mit dem fortschreitenden Klimawandel sind deutliche Veränderungen in den Wettermustern zu beobachten, warnt etwa die Erzdiözese Wien auf ihrer Webseite. "Die Temperaturen steigen weltweit, und auch der Frühling und die 'Eisheiligen' bleiben davon nicht unberührt." In einigen Regionen würden bereits heute mildere Temperaturen während der Eisheiligen festgestellt. Die Auswirkungen des Klimawandels könnten zukünftig weitere Veränderungen dieses gewohnten Wetterphänomens in Mitteleuropa mit sich bringen.
Zudem beziehen sich die alten Bauernregeln auf den Julianischen Kalender. Da sich seit der Gregorianischen Kalenderreform 1582 die Daten verschoben haben, müssten die Kälteeinbrüche eigentlich um mehr als eine Woche nach hinten verschoben stattfinden, also erst ab ungefähr dem 20. Mai.
Frosteinbrüche gesunken
Eine Auswertung der GeoSphere Austria (2025) für die letzten Jahrzehnte zeigt: Die Eisheiligen sind kein typischer Zeitpunkt für Kaltlufteinbrüche, die Frost bringen. Insgesamt sei die Wahrscheinlichkeit für Frost im Mai durch die Klimaerwärmung der letzten Jahrzehnte gesunken, erklärte Alexander Orlik, Klimatologe an der GeoSphere Austria. "Die Daten der letzten rund 80 Jahre für verschiedene Regionen Österreichs zeigen: Frost kommt zum Termin der Eisheiligen, vom 12. bis 15. Mai, nicht überdurchschnittlich oft vor." Trotzdem sollten empfindliche Pflanzen erst nach den Eisheiligen gepflanzt werden, weil Bodenfrost im letzten Mai-Drittel in den bewohnten Regionen Österreichs nur noch selten bis gar nicht mehr vorkäme.
Die "Eisheiligen" haben eine lange Geschichte, die bis in die Zeit zurückreicht, als die Gesellschaft in erster Linie vom Ackerbau abhängig und geprägt war. In dieser Kultur dienten Feiertage und Heiligengedächtnisse als Marker für den richtigen Zeitpunkt, empfindliche Pflanzen im Freien anzubauen. Tatsächlich können die genauen Wetterbedingungen während dieser Tage der "Eisheiligen" von Jahr zu Jahr variieren. Meteorologisch wird der Temperaturabsturz damit erklärt, dass sich Erdmassen und Meer im Mai unterschiedlich schnell erwärmen.
"Eisheilige": Märtyrer in Spätantike
Wie viele Eisheilige gezählt werden, hängt von der Region ab. In Norddeutschland zählen meist nur Mamertus, Pankratius und Servatius (11. bis 13. Mai) zu den Eisheiligen. In Süddeutschland und Österreich zählen oft erst Pankratius bis Sophia (12. bis 15. Mai) dazu.
Mamertus (11. Mai) war Erzbischof von Vienne im 5. Jahrhundert. Er förderte die Verehrung des Märtyrers Ferreolus und nahm an einer Synode teil. Nach seinem Tod ereigneten sich angeblich Wunder an seinem Grab. Er ist der Schutzpatron von Ammen, Hirten und Feuerwehrleuten und wird gegen Krankheiten und Dürre angerufen. Von ihm selbst sind keine Schriften erhalten, aber sein Bruder Claudianus Mamertus war ein bekannter christlicher Philosoph.
Pankratius, "der alles Besiegende", hat den Gedenktag am 12. Mai. Er stammte aus dem spätantiken Phrygien in der heutigen Türkei, wurde Christ und half mit seinem ererbten Vermögen den verfolgten Christen, bis er selbst gefangen wurde. Der 14-Jährige ließ sich trotz aller Verlockungen nicht vom Glauben abbringen, wurde um 304 in Rom öffentlich enthauptet und sein Leichnam Hunden zum Fraß vorgeworfen. Dargestellt wird er in feinen Kleidern oder einer Ritterrüstung, er trägt ein Schwert, eine Märtyrerkrone und einen Palmwedel. Er wird gegen Meineid, falsches Zeugnis, Krämpfe, Hautkrankheiten und Kopfschmerzen angerufen.
Servatius mit Holzschuh und Drache
Servatius war der Legende nach Bischof der heutigen belgischen Diözese Tongern. Zahlreiche Heilungen und Wunder werden von ihm berichtet. So habe ihn, als er als Pilger am Wegrand einschlief, ein Adler mit seinen Flügeln vor den heißen Sonnenstrahlen beschattet. Nach anderer Überlieferung habe ein Adler die Servatius bedrohenden Hunnen unter Attila mit Steinwürfen abgewehrt. Angeblich wurde er mit einem Holzschuh erschlagen, weswegen man ihn auch bei Fußkrankheiten anruft. Seine Attribute sind neben dem Holzschuh ein Schlüssel, ein Drache und - wie könnte es anders sein - ein Adler.
Bonifatius von Tarsus stammte aus Rom und sollte, selbst kein Christ, christliche Reliquien aus Tarsus in der heutigen Türkei nach Rom überbringen. Dort erlebte er mit, wie Christen verfolgt wurden, und ließ sich taufen. Aufgrund seines Glaubens wurde er schließlich durch siedendes Pech hingerichtet. Sein Name bedeutet so viel wie "der gutes Geschick Verheißende". Auf Darstellungen sieht man ihn meist als Jüngling oder Greis, der in siedendem Pech gemartert wird. Sein Gedenktag ist der 14. Mai.
Sophia von Rom (Gedenktag 15. Mai) starb um 304 nach Christus als frühchristliche jungfräuliche Märtyrerin. Teile ihrer Reliquien wurden nach Straßburg gebracht. Andere liegen unter der Kirche Santi Silvestro e Martino ai Monti in Rom begraben. Sie ist oftmals mit Trog und Schwert, aber auch mit einem Palmwedel und einem Buch auf Darstellungen zu sehen.
Quelle: kathpress