
Kirchenzeitungen: Roman Gerner löst Heinz Finster als Obmann ab
Im Zeichen des Wandels der Medienlandschaft sowie auch personeller Veränderungen stand die Jahrestagung der Kirchenzeitungen, die am vergangenen Freitag und Samstag im Bildungshaus St. Michael in Matrei am Brenner stattgefunden hat. Der bisherige Obmann von "Kooperation Kirchenzeitungen - Verein zur Förderung der Kirchenpresse", Heinz Finster (65), der bis November 2025 zugleich Geschäftsführer des steirischen "Sonntagsblatts" war, übergab dabei seine Funktion an Roman Gerner (49), Geschäftsführer des Medienhauses der Erzdiözese Wien.
Finster habe die Zusammenarbeit unter den elf Kirchenzeitungen in Österreich maßgeblich geprägt, hieß es bei der Tagung würdigend. Bereits bei der Vorgängereinrichtung der Kooperation vor 2021, der Österreichischen Kirchenpresse-Konferenz, war er seit 2011 Generalsekretär. Sein Nachfolger Gerner verwies auf die unter Finsters Federführung entwickelte Online-Plattform meinekirchenzeitung.at. Dank ihr sei es den neun beteiligten deutschsprachigen Kirchenzeitungen im Frühjahr 2020 möglich gewesen, während des Corona-Lockdowns ePaper-Ausgaben anzubieten.
Wichtige Impulse habe Finster auch für die Umwandlung der ausschließlich auf Print-Abos ausgerichteten Kirchenzeitungen gesetzt. So sei es 2025 gelungen, einen großen Teil der Print-Abos in Kombi-Abos umzuwandeln. Ein dritter Meilenstein sei die Teilnahme aller neun Kirchenzeitungen an einem von der Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH (RTR) geförderten Projekt für "Digitaljournalismus" gewesen; an die 50 Journalistinnen und Journalisten heimischer Kirchenzeitungen hätten damals teilgenommen.
Wechsel in Bozen und Graz
Für ihr Engagement bei den Kirchenzeitungen geehrt wurde bei der Jahrestagung auch Martina Rainer, bis März Chefredakteurin des Katholischen Sonntagsblatts Bozen (KSB), die inzwischen an ihren Nachfolger Martin Lercher (vormals Tageszeitung "Dolomiten") übergeben hat. In den Ruhestand verabschiedet wurden weiters Elisabeth Wimmer (steirisches "Sonntagsblatt") und Stephan Kosinski (KSB).
In Sachen digitale Transformation referierte bei der Jahrestagung die Vorstandsvorsitzende der Moser Holding, Silvia Lieb. Die Medienmanagerin sprach über digitale Strategien des größten Medienhauses in Westösterreich, zu der die Medienmarke "Tiroler Tageszeitung" zählt. Am Samstagvormittag stand für die rund 40 Beteiligten zudem die Besichtigung des Brenner-Basis-Tunnels auf dem Programm.
Erzählung statt nur Information
Höhepunkt der Tagung war ein Gottesdienst in der Wallfahrtskirche Maria Waldrast. Innsbrucks Generalvikar Roland Buemberger, der zugleich Herausgeber des "Tiroler Sonntag" ist, hob in seiner Predigt die Aufgabe kirchlicher Medien hervor, zu Orientierung, Beziehung und gesellschaftlichem Dialog beizutragen. In einer Zeit des Informationsüberflusses gehe es nicht primär um Geschwindigkeit oder Masse an Nachrichten, sondern um Inhalte, "was trägt, was erfüllt, was Sinn gibt". Kirchenzeitungen könnten hier eine besondere Rolle einnehmen, indem sie zwischen bloßer Information und vertiefendem Inhalt unterscheiden. Buemberger zitierte dabei den Philosophen Byung-Chul Han: "Demokratie braucht Erzählung, nicht bloß Information."
Kirchlicher Journalismus müsse zudem stärker von Beziehung als von Reichweitenlogik geprägt sein, so der Generalvikar weiter. Ausgehend vom Evangelienwort "Ich habe euch Freunde genannt" warnte Buemberger davor, Menschen auf Schlagzeilen, Klickzahlen oder "Content" zu reduzieren. Medienarbeit der Kirche dürfe Menschen nicht instrumentalisieren, sondern müsse sie ernst nehmen und Vertrauen fördern. "Menschen sind Freunde, nicht Datenpunkte. Geschichten sind nicht Ware, sondern Zeugnisse von Leben", sagte Buemberger. Bezugnehmend auf Papst Franziskus betonte er zudem: "Journalismus muss Brücken bauen und darf nicht Gräben vertiefen."
Als dritten Schwerpunkt nannte Buemberger den Anspruch, mit kirchlicher Publizistik im biblischen Sinn "Frucht zu bringen". Medienarbeit solle Menschen im Glauben, in Hoffnung und Solidarität stärken sowie Fragen nach Menschenwürde, Sinn und Gemeinwohl sichtbar machen. Unter Verweis auf den Philosophen Jürgen Habermas bezeichnete er Verständigung und Dialog als Grundlage demokratischer Öffentlichkeit. Kirche müsse daher stärker das Gemeinwohl, "Wahrheit, Menschlichkeit und die Schwachen" im Blick behalten und Menschen "hereinnehmen statt polarisieren".
Österreichweit 117.000 mal wöchentlich gekauft
Laut Österreichischer Auflagenkontrolle (ÖAK) erreichten die neun Wochenzeitungen in kirchlicher Herausgeberschaft ("Anzeigenkombi Kirchenzeitungen") 2025 eine wöchentliche Auflage von 117.276 Exemplaren. Österreichs auflagenstärkste Kirchenzeitung ist das "Sonntagsblatt für Steiermark" mit 28.168 wöchentlich verkauften Exemplaren. Nach Angaben der Athesia Medien, der Eigentümerin der Südtiroler Kirchenzeitung, erscheint das Sonntagsblatt Bozen in einer Auflage von rund 9.000 Exemplaren pro Woche.
Quelle: kathpress