
Kaineder in Würzburg: Als Kirche Orte des Dialogs schaffen
Vor einer zunehmenden Belastung demokratischer Gesellschaften warnt der Präsident der Katholischen Aktion Österreich (KAÖ), Ferdinand Kaineder. Demokratie gerate weltweit unter Druck, ebenso die öffentlichen Räume für Debatte und Austausch, sagte der Theologe am Dienstag in seinem Grußwort zur Eröffnung der Vollversammlung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), das im Vorfeld des Deutschen Katholikentags in Würzburg tagt. Die Kirche müsse darauf Antworten finden.
Eingehend schilderte Kaineder die Gefahren digitaler Öffentlichkeit. Plattformen und soziale Medien würden dazu beitragen, dass Diskurse schneller, oberflächlicher und stärker polarisiert abliefen. Wahrnehmung und Differenzierung gingen dabei zunehmend verloren. "Der Mensch ist dabei, in die 'Undinge' zu übersiedeln", zitierte er den Philosophen Byung-Chul Han. Information dominiere, während echte Erfahrung, Stille und Orientierung schwänden. Auch wachsende Ungleichheit und ein verkürztes Verständnis von Politik als bloßer Dienstleistung verschärften diese Entwicklung.
Als Gegenakzent forderte Kaineder mehr Ruhe, mehr Realitätssinn und eine stärkere Orientierung an den tatsächlichen Lebensbedingungen. Politische und gesellschaftliche Prozesse sollten langsamer gestaltet werden und wieder "stärker hinschauen" statt nur zu reagieren. Auch ein "Hineinfühlen in die Natur" sei vonnöten, um die Welt "sozial-ökologisch-spirituell zu gestalten", sagte er mit Verweis auf die Enzyklika "Laudato si'" von Papst Franziskus.
Austausch und Tiefe ermöglichen
Der Katholikentag komme "zur richtigen Zeit", befand Kaineder, weil viele Menschen wieder stärker nach Austausch und Tiefe suchten. Kirche und Verbände hätten die Aufgabe, solche Räume bewusst zu stärken, Begegnungen unterschiedlicher Sichtweisen zu ermöglichen und offene Räume dafür zu schaffen.
Ein neues Dialogformat der Katholischen Aktion Österreich soll darauf eine Antwort geben. Unter dem Titel "MITUNTER GEGENÜBER" wolle man bewusst unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen zusammenbringen, kündigte Kaineder an. Ziel sei es, Widersprüche nicht zu glätten, sondern auszuhalten und unterschiedliche Sichtweisen im Gespräch zu halten.
Kaineder würdigte weiters die Zusammenarbeit von Katholischen Aktion Österreich und Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK), insbesondere im Rahmen synodaler Prozesse. Erst vor wenigen Tagen hatten die kirchlichen Laienorganisationen zum Europatag eine gemeinsame Erklärung zu Menschenwürde und gesellschaftlicher Verantwortung veröffentlicht. Darin warne KAÖ und ZDK insbesondere vor Rechtspopulismus und Rechtsextremismus, die auch in kirchliche Milieus hineinwirken.
Quelle: kathpress