
Gedenken der "Tragödie von Bleiburg" mit Aufruf zur Aufklärung
In Kroatien haben am Samstag die Gedenkfeiern zum 81. Jahrestag der "Tragödie von Bleiburg" stattgefunden. Veranstalter waren wie in den letzten Jahren das Kroatische Parlament und die Kroatische Bischofskonferenz. Der zentrale Gedenkgottesdienst zur Erinnerung an die Opfer der tragischen Ereignisse unmittelbar nach Kriegsenden 1945 in Kärnten und im ehemaligen Jugoslawien fand erneut im kroatischen Macelj statt. Der Messe stand Militärbischof Jure Bogdan vor, der an alle, die etwas zur Aufklärung der damaligen Ereignisse beitragen können, appellierte, "ihr Herz und Mund zu öffnen", um das historische Trauma der Kroaten aufzuarbeiten.
Zuvor hatte am Samstagvormittag eine Andacht auf dem Zentralfriedhof in Zagreb, u. a. mit Parlamentspräsident Gordan Jandrokovic stattgefunden. Den in Kärnten stattfindenden kirchlichen Teil des kroatischen Totengedenkens bildeten eine Kranzniederlegung beim Mahnmal in Unterloibach durch Vertreter der kroatischen Botschaft in Wien und eine Messe in der Pfarrkirche Bleiburg (Pliberk) am Freitagabend. Diese Feier wurde vom kroatischen Dominikaner-Provinzial Tomislav Kraljevic geleitet. Schon in den vergangenen Jahren hatte es für den Gottesdienst klare Auflagen gegeben, um den rein religiösen Charakter eines Totengedenkens im Rahmen einer Messe zu wahren und eine politische Instrumentalisierung hintan zuhalten.
Kraljevic erinnerte in der Predigt bei der Messe in Bleiburg daran, dass das historische Trauma bei vielen Kroaten auch heute noch stark präsent sei. Grund dafür sei nicht zuletzt der Umstand, dass sowohl die damaligen Opfer als auch jene, die das Gedenken an sie pflegten, pauschal als Verbrecher dargestellt werden würden. Der Dominikaner plädierte für das Recht auf ein würdiges Gedenken und forderte zugleich die vollständige Aufklärung der damaligen Verbrechen.
Eindringliche Appelle zur Aufklärung
Am Samstag thematisierte Militärbischof Bogdan beim Gedenkgottesdienst in Macelj das jahrzehntelange Schweigen über die Tragödie: "Nicht nur Zeugen hatten Angst. Die Angst war auch in den Gedanken und den Träumen der 'Hüter des Todes', die im Mai 1945 'wie die Götter' sein wollten, sie fürchteten sich aber vor der Wahrheit". Eindringlich mahnte Bogdan zur Aufklärung: "Ich bitte alle, die etwas wissen: Öffnet eure Herzen und Münder, entbindet eure Zungen, redet! Öffnet Archive und versteckte Akten! Sagt, wo sind jene, die noch auf ihren Namen auf einem Grab und das Gebet warten! Im Namen der Opfer, die kein Stimmrecht mehr besitzen und im Namen ihrer Familien, die immer noch den Schmerz in der Stille ihrer Häuser tragen, bitte ich: Redet und befreit unser Volk, euch selbst und all jene, die seit Jahrzehnten auf die Wahrheit warten!"
Der kroatische Regierungschef Andrej Plenkovic erinnerte in einer Mitteilung an den Jahrestag der Tragödie und die Wunden, die diese bei vielen kroatischen Familien hinterlassen hat. "Das demokratische Kroatien verurteilt alle totalitären Regime und setzt sich für die historische Wahrheit ein", so Plenkovic. Es gehe um die Würde der Opfer und um eine Erinnerungskultur, die auf Tatsachen und Respekt beruhten.
Der Parlamentspräsident Jandrokovic ging bei der Gedenkveranstaltung auf dem Zagreber Zentralfriedhof auf die Ausmaße der Tragödie ein: "Heute gedenken wir der Menschen, die ohne Gerichtsprozesse, ohne das Recht auf Verteidigung, getötet wurden." Es sei eine "historische Tatsache", dass diese Menschen damals "organisiert, systematisch, massenweise und grausam getötet wurden" und dass dafür die kommunistischen Machthaber in Jugoslawien verantwortlich waren.
Man wolle bei der Gedenkfeier aber auch den Respekt gegenüber allen Opfern von Faschismus, Nationalsozialismus und Kommunismus bekunden, so der Parlamentspräsident. Das Gedenken an die "Tragödie von Bleiburg" wolle kein Versuch einer Rehabilitierung des faschistischen "Unabhängigen Staates Kroatien" und des Ustascha-Regimes sein, betonte Jandrokovic, der ebenfalls umfassende Aufklärung forderte. Kein Verbrechen in der Geschichte solle verdeckt bleiben, solange es eine Möglichkeit gibt, es aufzudecken.
Der jährliche zentrale Gedenkgottesdienst war bis 2019 auf dem Loibacher Feld bei Bleiburg (Pliberk) in Kärnten abgehalten worden. Wegen des Erscheinens rechtsextremer Einzelpersonen und Verbände, die auch nationalsozialistische und faschistische Symbole zeigten, hatte das vom Verein "Bleiburger Ehrenzug" organisierte Gedenktreffen in Österreich immer wieder für Kritik gesorgt, auch von der örtlich zuständigen Diözese Gurk. Regelmäßig gab es zudem Festnahmen wegen Verstößen gegen das Verbotsgesetz. 2022 billigte ein Parlamentsausschuss in Wien einen Expertenbericht, der ein Verbot nach dem Versammlungsgesetz forderte.
Massenmord nach Kriegsende
Historischer Hintergrund für das Gedenken ist die Ermordung Zehntausender Ustascha-Soldaten, ihrer Angehörigen und anderer mit Nazi-Deutschland verbündeten Truppen unmittelbar nach Kriegsende im Mai 1945. Die im Gebiet von Viktring und Bleiburg bereits entwaffneten Soldaten des Hitler-Vasallenstaates Kroatien wurden mit ihren Familienangehörigen von der britischen Besatzungsmacht an die kommunistischen Einheiten Titos ausgeliefert.
Dabei und insbesondere auf dem Rückmarsch nach Jugoslawien wurden viele der Menschen willkürlich getötet. An zahlreichen Orten u.a. auf dem Gebiet des heutigen Slowenien kam es ohne jedes Gerichtsverfahren zu summarischen Hinrichtungen antikommunistischer Militärangehöriger. Auch Zivilisten und deutsche Kriegsgefangene wurden umgebracht. Die genauen Opferzahlen sind umstritten.
Die Aufarbeitung der damaligen Ereignisse geht in Kroatien nur schleppend voran. Erst vor wenigen Tagen übernahm Kroatien von Slowenien die Überreste von 500 Kroaten, die im Zuge der "Tragödie von Bleiburg" in Slowenien getötet und in Massengräbern verscharrt wurden. Diese mittlerweile identifizierten Opfer sind nur ein kleiner Teil der sterblichen Überreste, die in Slowenien gefunden wurden oder noch vermutet werden.
Quelle: kathpress