
Erzbischof und Metropolit: Ökumene baut auf Vertrauen auf
Metropolit Arsenios (Kardamakis) hat dieser Tage dem Wiener Erzbischof Josef Grünwidl seinen offiziellen Antrittsbesuch abgestattet. Im Anschluss nahmen der griechisch-orthodoxe Metropolit und der katholische Erzbischof gegenüber Kathpress zu den katholisch-orthodoxen Beziehungen Stellung. Beide hoben übereinstimmend die Bedeutung des vertrauensvollen persönlichen Umgangs miteinander als Voraussetzung für eine tragfähige ökumenische Basis hervor. Eine solche Basis halte dann auch nach wie vor nicht gänzlich aufgearbeitete Konflikte wie jenen um die katholischen byzantinischen Ostkirchen aus.
Die guten persönlichen Beziehungen hätten in Österreich bereits eine jahrzehntelange Geschichte, so Metropolit Arsenios. Er sprach von einem "Weg des Vertrauens, der schon vor uns gegangen wurde". Und er freue sich, diesen Weg nun mit dem neuen Erzbischof gemeinsam weitergehen zu können. Er kenne Erzbischof Grünwidl schon länger und habe ihn schon als Pfarrer, Bischofsvikar und Diözesanadministrator als sehr aufgeschlossen erlebt: "Er hat uns Orthodoxen immer wieder geholfen, hat immer ein offenes Ohr für uns gehabt."
Katholische Unterstützung für Orthodoxe
So sei es etwa nicht zuletzt Grünwidl zu verdanken, dass man für eine ukrainisch-sprachige Gemeinde einen Gottesdienstort gefunden habe. Kirchen und weitere seelsorgliche Einrichtungen bzw. Räumlichkeiten seien für die orthodoxen Christinnen und Christen wichtig, sie bräuchten ein "geistliches Zuhause", so der Metropolit. Er stehe nicht an, zu betonen: "Ohne die katholische Kirche hätten wir nicht so viele Gemeinden." Und das betreffe nicht nur die Griechen, sondern auch andere orthodoxe Kirche.
In die gleiche Kerbe wie der Metropolit schlug auch Erzbischof Grünwidl: Er sei sehr dankbar, "dass ich als neuer Erzbischof in Wien wirklich auf ein sehr gutes ökumenisches Miteinander aufbauen kann und hier auch weiterbauen darf". Das Miteinander der christlichen Kirchen habe in Österreich eine lange und gute Tradition. Gerade auch die orthodoxen Kirchen, die ja eine sehr große und wachsende Größe in der religiösen Landschaft Österreichs sind, seien für die katholische Kirche ein wichtiger Ansprechpartner und er freue sich, "dass die orthodoxen Gemeinden so lebendig sind".
Ökumenisches Miteinander wird wichtiger
Er habe das auch zuletzt bei einem Gottesdienst miterleben können, "wie viele Jugendliche, wie viele junge Familien mit Kindern da sind, wie es gut gelingt, den Glauben in der Familie über Generationen zu leben". Insofern sei es auch sehr zu begrüßen, dass Kirchen, die die Katholiken nicht mehr brauchen, von orthodoxen Christen übernommen werden.
Er sei zudem überzeugt, so Grünwidl, "dass in der Zukunft das ökumenische Miteinander noch wichtiger wird. Wir dürfen uns nicht mehr in Katholiken, Orthodoxe oder Evangelische auseinanderdividieren lassen." Es brauche noch mehr Zusammenarbeit, gerade auch in gesellschaftspolitischen Fragen, wo die Kirchen mit einer Stimme auftreten müssen, um in der Gesellschaft wahrgenommen zu werden.
Als zentrale gemeinsame christliche Anliegen hob Grünwidl etwa die Würde des Menschen, den Schutz des Lebens am Anfang und am Ende und den Einsatz für den Frieden hervor. Dies sei eine der Hauptaufgaben der Ökumene und darüber hinaus auch des interreligiösen Dialogs, "dass Religionen und Kirchen wahrgenommen werden als Werkzeuge der Versöhnung und des Friedens".
Konflikt um katholische Ostkirchen
Wenn die persönliche Basis passt, dann können auch schwierige Themen angesprochen werden. - Das zeigte sich beim Gespräch auch im Blick auf die katholischen Ostkirchen, vor allem jene der byzantinischen Tradition. Die katholischen Ostkirchen sind vor Jahrhunderten aus Spaltungen innerhalb der Orthodoxie hervorgegangen, wobei die römisch-katholische Seite meist kräftig mitgeholfen hat, um die Orthodoxen "zurückzugewinnen", wie man meinte.
Zu den in Österreich vertretenen byzantinischen katholischen Ostkirchen gehören vor allem die ukrainische, rumänische, slowakische, ungarische und melkitische Griechisch-katholische Kirche. Kardinal Christoph Schönborn steht derzeit den katholischen Ostkirchen noch als Ordinarius vor. Er trägt damit die bischöfliche Letztverantwortung. Das Amt des Ordinarius ist aber grundsätzlich an das Amt des Wiener Erzbischofs gebunden und wird in absehbarer Zeit damit auch an Grünwidl übergehen.
Die Geschichte der griechisch-katholischen Kirchen sei für die Orthodoxen eine nach wie vor vorhandene Wunde, räumte Metropolit Arsenios gegenüber "Kathpress" ein. Und es brauche noch mehr Dialog, um diese Wunden bzw. Traumata zu heilen und offenen Fragen zu klären. Das sei zugleich auch sein Wunsch, diesen Dialog fortzusetzen.
Davon zeigte sich auch Grünwidl überzeugt: "Der einzige Weg ist der Weg des Dialogs, um Dinge auch zu heilen, um Dinge auch anzusprechen und die Probleme auf den Tisch zu legen." Er glaube, dass man auch in der Frage der katholischen Ostkirchen auf einem guten Weg sei, um trotz mancher Unterschiede und auch historischer Probleme, zusammenzufinden und in Einheit zu leben.
Keine kirchentrennenden Unterschiede
An der Begegnung im Erzbischöflichen Palais nahm auch der Wiener Ostkirchen- und Ökumene-Experte Prof. Rudolf Prokschi teil. Auch er sprach von einer äußerst tragfähigen Ökumene in Österreich, die auch auf Nachbarländer ausstrahle. Freilich: Innerorthodoxe und politische Konflikte in und um andere Länder wie etwa die Ukraine würden auch auf Österreich ausstrahlen. Er sei grundsätzlich jedenfalls überzeugt, dass es zwischen Orthodoxer und Katholischer Kirche zwar durchaus zahlreiche Unterschiede gibt, in der Glaubenssubstanz bzw. der kirchlichen Verfasstheit aber keine kirchentrennenden Gründe zu finden seien, so Prokschi.
Quelle: kathpress