
Klosterwald und Schulgarten: Orden als Förderer biologischer Vielfalt
Seit 1994 ruft die UNESCO jährlich zum "Internationalen Tag der biologischen Vielfalt" auf, seit 2001 ist dafür der 22. Mai festgesetzt. Mit dem Tag soll Bewusstsein für Artenvielfalt geschaffen werden, die durch Klimachaos, Umweltverschmutzung und die Ausbeutung von Land, Ozean und Süßwasser zunehmend bedroht ist. Auch die heimischen Ordensgemeinschaften und Ordenseinrichtungen setzen sich für den Erhalt der Biodiversität ein. Dabei stehe man heute vor große Herausforderungen, "die nach mutigen Entscheidungen und kreativem Erproben verlangen", berichtete Sr. Anneliese Herzig, Leiterin des Bereichs Mission und Soziales der Österreichischen Ordenskonferenz, in einer Aussendung vom Mittwoch.
Zu den Vorreitern zählen das Zisterzienserstift Rein, die Benediktinerabtei Seckau und das Gymnasium "Meinhardinum" von Stift Stams, die alle drei Anfang des Jahres beim kirchlichen Umweltpreis, der unter anderem in der Kategorie Biodiversität vergeben wurde, mit Hauptpreisen ausgezeichnet wurden. "Als katholische Ordensgemeinschaften mit oft jahrhundertelanger Tradition können wir dabei auf Werte zurückgreifen, die schon unsere Vorfahren geleitet haben. So gibt es etwa klösterliche Regeln, die im Kloster Bereiche vorsehen, die nicht wirtschaftlich genutzt werden, sondern der Meditation und dem Staunen über die Vielfalt dienen sollen", so Herzig.
"Wilder" Barockgarten im Stift Rein
Das Zisterzienserstift Rein in der Steiermark gestaltete seinen Stiftsgarten als ersten "wilden" Barockgarten, als naturnahen Gegenentwurf zu klassischen, streng gepflegten Anlagen, berichteten die Ordensgemeinschaften. Auf rund 7.000 Quadratmetern prägten artenreiche Wildblumenwiesen mit regionalem Saatgut den Garten. Diese werden traditionell und abschnittsweise gemäht, um Insekten und Kleintiere zu schützen.
Ein Kräuter- und Bauerngarten beherbergt alte Sorten sowie Heil- und Gewürzpflanzen als wichtige Nahrungsquelle für Bestäuber. Heimische Sträucher und Bäume wie Holler, Vogelbeere, Schlehe oder Korbweiden sowie alte steirische Obstsorten und der seltene Altai-Apfel sollen die Vielfalt fördern. Ein Sandarium bietet Wildbienen Nistplätze, ein Reptilienbiotop schützt Echsen, Schlangen und Kröten. Wasserflächen wie Bach und Brunnen versorgen Tiere und fördern weitere Wasserorganismen.
Der Garten versteht sich zudem als Ort der Begegnung und Bildung, hieß es. Bis 31. Oktober 2026 ist er sonntags von 10 bis 16 Uhr sowie im Rahmen von Führungen geöffnet, Schulen werden aktiv eingebunden. So verbindet der Stiftsgarten Tradition, ökologische Verantwortung und Naturerlebnis und lädt dazu ein, Vielfalt bewusst wahrzunehmen und zu schützen.
Nachhaltiger Klosterwald in der Abtei Seckau
Der 170 Hektar große Klosterwald der Benediktinerabtei Seckau wird seit 35 Jahren nachhaltig genutzt. So werden etwa statt großflächiger Kahlschläge einzelne, reife Bäume geerntet. Diese wohl überlegten menschlichen Eingriffe ähneln dabei den natürlichen Störungen. So konnten Schäden durch Wind, Schnee und Borkenkäfer bisher gut abgefedert werden. Seltene Baumarten werden gezielt erhalten, zusätzlich werden rund 200 sogenannte Biotopbäume aus der Nutzung genommen und stehendes und liegendes Totholz wird zur Besiedelung für Totholzkäfer und holzabbauende Pilze bereitgestellt. Forstwege bilden wichtige Randlinien im Wildlebensraum.
Für den Klosterwald wurde der Benediktinerabtei 2002 der Staatspreis für vorbildliche Waldwirtschaft verliehen. Exkursionen, Waldbautrainings und waldpädagogische Führungen werden angeboten, dabei wollen die Benediktiner besonders junge Menschen gezielt ansprechen: So gibt es etwa ein dreitägiges Waldpädagogikprojekt "Leben im Klosterwald" mit den 4./5. Klassen des Abteigymnasiums oder "Waldpädagogische Tage" für die Schülerinnen und Schüler der Volks- und Mittelschule Seckau.
Schulgarten als "grünes Klassenzimmer" im Stift Stams
Das Meinhardinum - das Gymnasium und Aufbaurealgymnasium des Zisterzienserstifts Stams - hat ausgehend von einer ungenutzten Wiese am Schulareal einen vielfältigen Naturraum geschaffen, der Lebensräume bietet, ökologische Kreisläufe erlebbar macht und laut Ordensgemeinschaften als "grünes Klassenzimmer" dient. Die Gestaltung orientiert sich dabei an ökologischen Prinzipien: heimische Pflanzen, eine Hecke mit essbaren Früchten, Obstbäume, eine Kräuterspirale, Hochbeete und ein Teich fördern die Artenvielfalt und ermöglichen Insekten einen natürlichen Lebensraum.
Auch eine Eidechsenburg, ungestörte Wiesenflächen, Totholzbereiche und eine geodätische Kuppel, die aus vielen miteinander verbundenen Dreiecken besteht, als Rankgerüst sind im Garten zu finden. Diese Elemente bieten Rückzugsorte für Tiere und schaffen Lernanlässe für Themen wie Klimaschutz, Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft. Der Garten entwickelt sich laufend weiter - durch Pflanzaktionen, Beobachtungen und Pflege im Unterricht. Dank eines Freiluftklassenzimmers kann der Unterricht jederzeit ins Freie verlagert werden. In den Pausen bietet der Garten außerdem Platz für Entspannung, Sport und Spiel, so die Aussendung der Orden.