
Innsbruck: Religionsvertreter betonen Wert des interreligiösen Dialogs
Vertreter von Kirchen und Religionsgemeinschaften haben im Rahmen einer interdisziplinären Fachtagung an der Universität Innsbruck den Wert des interreligiösen Dialogs für Staat und Gesellschaft unterstrichen. An der von den Fachbereichen Kirchenrecht und Rechtsgeschichte initiierten Tagung "Kirchen- und Religionsgemeinschaften im Dialog. Miteinander - mit Staat und Gesellschaft - im interreligiösen Kontext", die am Donnerstag, 21. Mai, endete, nahmen u.a. der katholische Militärerzdekan Harald Tripp, der evangelische Superintendent Olivier Dantine, die Bischöfin der Altkatholischen Kirche, Maria Kubin, sowie Vertreter zahlreicher weiterer Kirchen und Religionsgemeinschaften teil, hieß es in einer Aussendung der Veranstalter am Freitag.
Militärerzdekan Tripp betonte demnach, dass gerade im Hinblick auf die gegenwärtige geopolitische Lage der interreligiöse Dialog und lebenskundliche Unterricht im Bundesheer eine unabdingbare Säule der geistigen Landesverteidigung darstellen würden. Durch den Dialog der Seelsorger und die Kooperation der Religionsgemeinschaften im Bereich der Militärseelsorge könne gemeinsam "wertekulturelle Kompetenz" unter den Soldatinnen und Soldaten gestärkt werden. Ziel sei laut Tripp die Einrichtung eines gemeinsamen "lebenskundlichen Unterrichts".
Superintendent Dantine gab in seinem Beitrag laut Aussendung einen Einblick in die praktische Dimension des interreligiösen Dialogs, wie er sich im Modell des kooperativen Religionsunterrichts an den Berufsschulen in Tirol und Vorarlberg zeige, bei dem die Evangelischen Kirchen A.B. und H.B. sowie die Evangelisch-Methodistische Kirche kooperieren. Den Religionslehrenden komme dabei immer mehr die wichtige Rolle eines "Rolemodels" des Dialogs und der kirchlichen Zusammenarbeit zu, so Dantine.
Die altkatholische Bischöfin Kubin unterstrich, dass in ihrer Kirche "Synodalität eine Dialogphilosophie" darstelle. "Dialog ist untrennbar mit der Bereitschaft verbunden, seine eigene Fehlbarkeit zu erkennen", so Kubin.
Weitere Vertreterinnen und Vertreter bei der Tagung waren Walter Hessler (Neuapostolische Kirche), Johann Hinterleitner (Vereinigungskirche), Ruben C. Avram (Pfingstkirche Gemeinde Gottes), Walburga Wiener und Roland Spadinger (Bahá'í), Gerhard Egger (Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage), Johannes Beurle (Die Christengemeinschaft), Oliver Fichtberger (Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten) sowie Erdal Kalayci (ALEVI).
Tagungsreihe seit 2015
Die vom emeritierten Kirchenrechtler Prof. Wilhelm Rees gemeinsam mit Iris Robinigg vom Fachbereich Kirchenrecht und mit Prof. Johann Bair vom Innsbrucker Institut für Römisches Recht und Rechtsgeschichte initiierte Tagung setzte eine bereits 2015 gestartete Tagungsreihe zum Generalthema "Religion und Staat im Brennpunkt" fort.
Die bisherigen Tagungen der Reihe behandelten u.a. die Themen "Anerkannte Religionsgemeinschaften in Österreich und ihre Erwartungen an das Staat-Kirche-Verhältnis", "Religionsunterricht in der öffentlichen Schule im ökumenischen und interreligiösen Dialog", "Fundamentalismus: Bedeutung, Rolle und Umgang", "Leistungen der Kirchen und Religionsgemeinschaften für Staat und Gesellschaft" sowie "Religiöse Symbole", "Die Stellung der Frau im Blickfeld von Kirchen und Religionsgemeinschaften und ihre Rolle in Staat und Gesellschaft", "Religion und Geschlechtlichkeit/Geschlecht" sowie "Relevanz von Kirchen und Religionsgemeinschaften im gesellschaftlich-politischen Diskurs". (Infos: https://www.uibk.ac.at/de/praktheol/kirchenrecht/religion-und-staat-im-brennpunkt/)
Quelle: kathpress