
Batlogg: "Magnifica humanitas" ist "Roadmap" für Leos Pontifikat
Eine klare Positionierung von Papst Leo XIV. sieht der Jesuit Andreas Batlogg in dessen am Montag erschienener ersten Enzyklika. "Magnifica humanitas", so der Titel, sei "hochpolitisch" und "ein sehr starker Text, ein großer Wurf, eine ernstzunehmende Pflichtlektüre". Er werde wohl "in den Staatskanzleien dieser Welt aufmerksam gelesen werden müssen", schrieb der in Wien lebende Theologe in einem Gastbeitrag für die Wochenzeitung "Die Furche" (online am 26. Mai). Auch wenn es sich nicht um einen schnell zu lesenden Text handle, habe Leo damit "die Roadmap seines Pontifikats vorgelegt", befand Batlogg. Die lange erwartete Enzyklika zeige: "Mit diesem Papst ist zu rechnen."
Besonders verwies der Jesuit auf die Papst-Aussagen zu internationalen Organisationen sowie zu den Vereinten Nationen, die "unverzichtbare Instrumente zur Förderung einer Zivilisation der Liebe" seien; auf seine Forderung zur Überwindung der Theorie des gerechten Krieges; seine Klage über militärische Arsenale und den Ausstieg aus dem Atomwaffenverbotsvertrag, sowie auch seine Warnung vor der Versuchung einer kollektiven Identität auf Basis allzu vereinfachender Feind-Freund-Schemata. Leo stehe damit "mit beiden Beinen auf dem Boden der Realität", und Politiker müssten angesichts seiner Worte "die Ohren spitzen", so Batlogg.
Was die Aussagen zur Technologie betrifft, befand der Ordensmann, eine Dämonisierung liege Leo fern; nutze er doch selbst mehr Technik als jeder Papst zuvor. "Er weiß aber, dass Cyberräume 'zu einem Schlachtfeld geworden' sind." Welche Gefahren es im Netz gebe, habe der Papst klar ausgeführt. Er habe Bemerkungen formuliert wie "Kein noch so ausgeklügelten Computersystem erschafft ein Herz, das sich hingibt, oder ein Gewissen, das das Gute erkennt". Zudem habe er einen klaren Blick auf Lieferketten gefordert und "neue Formen der Sklaverei" demaskiert. Weiters habe Leo der Effizienz von Maschinen die "Spiritualität" eines "weisen Baumeisters" entgegengestellt.
Insgesamt schreite Leo mit seiner Enzyklika viele soziale Problemfelder ab, so Batlogg. Überrascht zeigte er sich darüber, dass sich in der Enzyklika außer Bibelstellen auch Verweise auf den Theologen Romano Guardini, den Wiener Psychiater Viktor Frankl, den Schriftsteller John Ronald Reuel Tolkien mit seinem "Herr der Ringe" sowie auch Beethovens Neunte Sinfonie und "Guernica" in seiner Enzyklika wiederfinden. Damit und mit seinem Vorschlag, ein Bildungsbündnis für das digitale Zeitalter zu schaffen, zeige er zudem seine "praktische Veranlagung".
Quelle: kathpress