
Glettler würdigt Mut des seligen Kongolesen Floribert Bwana Chui
Die Gemeinschaft Sant'Egidio hat am Montagabend in Innsbruck an das Leben des kongolesischen Märtyrers und Seligen Floribert Bwana Chui erinnert. Anlass war die Vorstellung des Buches "Mutig gegen den Strom" des Autors Francesco de Palma in der Spitalkirche über den 2007 ermordeten Grenzbeamten. Er gelte als Symbol für Integrität, Zivilcourage und christliches Engagement gegen Korruption.
Bwana Chui war im Alter von 26 Jahren in der Demokratischen Republik Kongo getötet worden, nachdem er sich geweigert hatte, gegen Bestechungsgeld verdorbenen Reis über die Grenze passieren zu lassen. Trotz massiver Drohungen ließ er die Lieferung vernichten. Der junge Christ, der sich in der Gemeinschaft Sant'Egidio engagierte und Straßenkinder unterstützte, wurde im Juni 2025 von Papst Leo XIV. seliggesprochen - als einer der ersten in seinem Pontifikat.
Radikale Uneigennützigkeit
Der Innsbrucker Bischof Hermann Glettler würdigte den Seligen als Beispiel für christlichen Mut in der Gegenwart. Das Leben Bwana Chuis zeige, wie notwendig es sei, ungerechten Systemen auch heute couragiert "in die Speichen zu greifen". Glettler erinnerte dabei an den evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer und zog auch Parallelen zum polnischen Märtyrerpriester Maximilian Kolbe.
Der Politikwissenschaftler Belachew Gebrewold ordnete die Lebensgeschichte des Kongolesen in den gesellschaftlichen Kontext Afrikas ein. Die Probleme vieler Staaten könnten nicht allein mit den Folgen des Kolonialismus erklärt werden, sagte er. Entscheidend seien oft das Fehlen funktionierender Institutionen und mangelnde Bereitschaft zu verantwortlichem Handeln. Die Unbestechlichkeit Bwana Chuis stellte Gebrewold in die Nähe jener radikalen Uneigennützigkeit, wie sie Fjodor Dostojewski in seiner Figur des "Idioten" beschrieben habe.
Entwicklung zum Märtyrer
Die Münchner Sant'Egidio-Verantwortliche Ursula Kalb hob hervor, dass Bwana Chui die Welt verändern wollte, dabei aber nicht auf Macht oder Geld vertraute. Sein Einsatz für Straßenkinder sei Ausdruck eines gelebten Evangeliums gewesen. Er habe Kinder von der Straße in die von Sant'Egidio getragenen "Schulen des Friedens" eingeladen, Schulgelder bezahlt und vielen die Rückkehr in ihre Familien ermöglicht. "Die Geschichte von Floribert lässt einen nicht kalt, sie verändert", so Kalb. Märtyrer würden nicht geboren, sondern wüchsen in einem Prozess des Glaubens und der gelebten Nächstenliebe heran.
Die Veranstaltung wurde von der Theologin Alexandra Bauer moderiert. Unter den zahlreichen Gästen befanden sich auch junge Studierende, die sich in Innsbruck in den "Schulen des Friedens" der Gemeinschaft Sant'Egidio engagieren. Sie überreichten den Referenten zum Abschluss kleine Geschenke. - Das Buch "Mutig gegen den Strom" erschien im Verlag Neue Stadt. Das Vorwort stammt von Andrea Riccardi, dem Gründer der Gemeinschaft Sant'Egidio.
Quelle: kathpress